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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gefühlsbildung.

lirten Subjectivität in ihrem factischen Zustande (s. d. Art. Eitelkeit): diese Eitelkeitist vernichtet in der Liebe, welche nicht das Ihre sucht, sondern von dem BewußtseinGottes und der Menschheit bewegt ist.

3) Zur Erläuterung der bisher aufgestellten Grundsätze durch ihre bestimmtereAnwendung wird es dienen, wenn wir nun das Gefühl in seiner Beziehung aufdie verschiedenen Gegenstände betrachten, durch welche es erregt wird. DieGefühlseindrücke werden hervorgebracht durch die Natur in ihrer ursprünglichen, wiein ihrer durch menschliche Arbeit veränderten Gestalt, durch andere Menschen unddurch die Selbstbezeugungen Gottes im menschlichen Geiste. Die etwa vorhandeneGleichgültigkeit des Kindes gegen Natureindrücke wird von selbst sich geben, sobald ihmnur Gelegenheit geboten wird, nicht bloß über die Natur zu lernen und sie im hartenDienst des leiblichen Bedürfnisses zu bearbeiten, sondern unbefangen in und mit derNatur zu leben; denn der kindliche Geist steht mit dem Naturleben in einem innigenZusammenhänge und hat für es ein eigenthümlich feines Verständnis, wie BogumilGoltz im 2 . Abschnitte seines „Buches der Kindheit" (S. 93 — 164 : „Lebensartenmit der Natur") mit unübertrefflicher Sinnigkeit und Schönheit dargestellt hat. Auchdie Zerstörungslust, in welche bei vorherrschender Selbstthätigkeit und irregehendemThätigkeitstrieb die Gleichgültigkeit gegen die Producte der Natur und der menschlichenArbeit oft umschlägt, wird großenteils aufhören, wenn der Zögling in der Naturum-gebung erst recht heimisch wird, wie sie denn weniger bei Landkindern, sondern vor-zugsweise bei der städtischen Jugend sich findet (vgl. d. Art. Gefühllosigkeit!. Außerdemist dieser Untugend durch Hinweisung darauf zu steuern, wie die Opfer kindischen Muth-willens wunderbare Schöpfungen der göttlichen Macht und Weisheit oder mühsameWerke menschlicher Kunst sind, und bestimmt an ihrem Theile das Leben zu fördernund zu schmücken; auch wird vieles schon dadurch beseitigt, daß dem Thätigkeitstriebedurch zweckmäßige Beschäftigung der rechte Weg gezeigt wird. Schlimmer steht es da-gegen, wenn die Zerstörungslust in wirkliche Grausamkeit ausartet, die an derMarter des dem rohen Muthwillen preisgegebenen Geschöpfes sich weidet. In diesemFalle liegt eine Verwilderung des Gefühls vor, welche in Zartgefühl zu verwandelnnicht Wohl möglich ist, und bei welcher der Erzieher sich darauf beschränken muß, ihreAeußerungen zurückzudrängen, am natürlichsten dadurch, daß der Grausame zu seinerStrafe selbst Schmerz empfindet; und wenn irgendwo, so wird hier gewiß auch derphilanthropischeste Erzieher die Berechtigung körperlicher Züchtigung nicht bestreiten. Inder Beziehung zu anderen Menschen muß das Grundgefühl der heiligen Liebe alsMenschenliebe sich offenbaren. Wie die natürliche Gleichgültigkeit des noch uner-fahrenen Kindes gegen Leid und Freude im menschlichen Leben aufzuheben sei, wurdeoben bereits ausgeführt: es kommt eben darauf an, das natürliche sympathetische Gefühl,d. h. die natürliche Neigung, dieselben Empfindungen in uns entstehen zu lassen, diewir bei anderen warnehmen, zu entwickeln und zu einem sittlichen Mitgefühl (s. d.Art.) zu erheben, welches vom Denken geleitet ist und in entsprechender Thätigkeit sich^wirksam erweist. Die rücksichtslos sich geltend machende Selbstthätigkeit offenbart sichim menschlichen Verkehr namentlich in der Verachtung der Gebote der gesell-schaftlichen Sitte und Wohlanständigkeit, wie diese Verachtung nicht seltengerade bei besonders kräftigen Knaben, namentlich in den süßen Flegeljahren hervortritt,in welchen der mächtig sich regende Drang nach Selbständigkeit das rechte Maß nochnicht hat finden lernen (vgl. d. Art. Entwicklungsperiode, S. 216 f.). Das Gefühlfür die Rücksichten, welche er seiner Umgebung schuldig ist, wird in dem Zögling amsichersten geweckt und ausgebildet werden, wenn er nicht bloß hört, sondern auch fühlenlernt, daß der kein Recht hat, seinerseits Ansprüche an die Gesellschaft zu machen,welcher ihren gerechten Ansprüchen sich nicht fügen will , und wenn zugleich die guteSitte in den Erziehern selbst ebenso freundliche als ernste Vertreter findet, welche auchnicht durch Zumuthung unkindlicher Manieren den berechtigten Widerstand der bessernNatur des Zöglings herausfordern. Das häßliche Gegentheil des richtigen Eindruckes,

Pidag. Sncyllopädle. n. z. Aust. 51