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Gefiihlsbildmig.
qualitativen Verhalten des Gefühls, zu seiner inneren Bestimmtheit über. Eswurde oben bemerkt, daß das Gefühl angenehm, oder unangenehm berührt wird, jenachdem die Eindrücke, welche es aufnimmt, als lebenfördernde oder als lebenhennnendewirken. Nun ist aber der Mensch eines zwiefachen Lebens fähig, und demgemäß gichtes auch zwei ganz verschiedene, ja entgegengesetzte Weisen, angenehm oder unangenehmberührt zu werden. Das Leben des natürlichen Menschen ist durchaus der Befriedigungder selbstsüchtigen Neigung zugewandt; das Leben des neuen Menschen, der nach Gottgeschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, bewegt sich in Uebereinstün-mung mit dem göttlichen Gesetze im Dienste der gesummten Menschheit, als deren leben-diges Glied der wiedergeborene Mensch sich fühlt. Wer jenem natürlichen Leben hin-gegeben ist, der empfindet nur angenehm, was das selbstsüchtige Streben und das sinn-liche Wohlsein seiner egoistisch isolirten Persönlichkeit fördert, als unangenehme Störungdieses niederen Treibens dagegen jeden Eindruck, welcher ihn an seine höhere Bestim-mung mahnt. Umgekehrt, wer in dem höheren Leben einmal mit dem innersten Kernseiner Persönlichkeit Wurzel gefaßt hat, der empfindet, was ihn früher als Förderungseines niederen Lebens angenehm berührte, nun als unangenehmes Hemmnis seinesWachsthums im höheren. Der lebendige Glaube ist die Kraft, welche das in Liebe zu ^dem Menschen sich herabneigende Göttliche ergreift; das Gefühl, welches durch daslebendige Berührtwerden von dieser göttlichen Liebe in dem Menschen erweckt wird, istdie Liebe. Nach ihrer negativen Seite charakterisirt sie der Apostel Paulus unüber-trefflich durch das einfache Wort, daß die Liebe nicht das Ihre suche (1. Kor. 13, 5bdie alles nur auf sich beziehende selbstsüchtige Neigung des natürlichen Menschen istdurch sie vernichtet; ihr positives Verhältnis zu dein höheren Leben drückt Johannesin dem großen Worte aus: „Wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott !in ihm" (1 Joh. 4, 16): durch die Liebe ist das Leben des Menschen in das göttlich !Leben cingepflanzt, und nur das kann ihm fortan gefallen, wodurch dieses göttlichLeben gefördert wird. Daß dieses große Gefühl der heiligen Liebe die ^Grundstimmung des gesummten Gefühlslebens werde und bleibe, istin Bezug auf die innere Bestimmtheit des Gefühls die Aufgabe der -Gefühlsbildung. Das Kind hat von Natur keine Neigung, als die nach sin»-lichem Wohlbefinden, und nur dasjenige ist ihm angenehm, wodurch dieses befördertwird. Das erste lebendige Bewußtsein des höheren Lebens kann nicht durch Belehrungin das Kind gebracht werden, sondern eben nur auf dem Wege des unmittelbare» :Gefühls. Die Eltern sind berufen, ihm Vertreter und Vermittler der göttlichen Liebe !zu werden, und insbesondere die selbstverleugnende, hingebende Liebe der Mutter, welchlangmüthig ist und freundlich, sich nicht erbittern läßt, sondern alles vertrüget, alles jglaubet, hoffet und duldet, ist die heilige Macht, wodurch auch in den Kinderherzen die sLiebe erweckt wird, welche nicht Muthwillen treibt, sich nicht blähet, sich nicht ungeberdig jstellet, welche mit einem Worte nicht bloß das Ihre sucht, sondern den Boden bildet -für den willigen, das Gesetz der Selbstsucht in den Gliedern überwindenden Gehorsamgegen das höhere Gesetz im Geiste. Gerade in Bezug auf Gefühlsbildung kann das, jwas in der Kindheit versäumt worden ist, später auch durch die besten pädagogische» ;Maßregeln schwerlich ersetzt werden. Auf der Grundlage einer frommen Kindheit aber,in welcher er in großentheils unbewußtem Gehorsam gegen die Gesetze des höhere»Lebens zu leben sich gewöhnt, reift der Zögling allmählich zu dein Zeitpuncte Hera»,wo er mit voller Ueberzeugung die Liebe Gottes in Christo ergreifen soll und damitdie untrügliche Norm, um zu entscheiden, was er für eine wahre Lebensförderung z»halten hat und was nicht: der von ihr geleitete Mensch wird zwar sein Gefühl allemoffen halten, was nicht wider den Herrn ist, eben so gewiß aber auch es gegen allesverschließen, wodurch das Leben in Ihm gefährdet werden könnte. Der gefährlichsteFeind dieses höheren und wahren Lebens ist, wie auf Seiten der Willensthätigkeit dieSelbstsucht, im Gebiete des Gefühls die Eitelkeit, oder die gegen wahren innere»Gehalt und höheres Streben gleichgültige Lust an äußerer Anerkennung der eignen ist-