Gedike.
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Gefühllosigkeit.
^ Schriften, die er 1801 drucken ließ, enthält verschiedene sprachliche nnd antiquarische
M Abhandlungen, welche in mehr oder weniger Beziehung zu den Schuldiseiplinen stehen.
^ Außerdem war er fleißiger Mitarbeiter an Zeitschriften nnd Zeitungen, rühriger und
i, fruchtbarer Gelegenheitsdichter, eifriger Briefschreiber, namentlich wo ihn sein Herz dazu
l drängte. Dem Orden der Freimaurer gehörte er mit begeisterter Theilnahme an.
Ein genaues Berzeichnis seiner Schriften findet sich in der Allgem. Encyklopädie vonErsch und Gruber, Fr. Gedike von Döring.
Eine merkwürdige Episode mehr von psychologischem als pädagogischem Interessebildet in Gedike's Leben die Werbung um seine nachherige Gattin. Obgleich schon Gyin-nasialdireetor stand er doch noch im Jünglingsalter, als ihn eine leidenschaftliche Neigungzu einem liebenswürdigen reichbegabten Mädchen, der Tochter eines Beamten ergriff. Alser nach langer Zögerung ihr Jawort erhalten, zog sie dasselbe acht Tage nachher wiederzurück; in ihm aber war die Macht der Liebe zu der Spröden so stark, daß er unterden heftigsten Seelenqualen um die Wiedererwerbung seiner verlornen Braut rang, bissie ihm nach einein Jahre, das er selbst „ein schreckliches" nennt, die Hand reichte.! Zwanzig Jahre lang bis an sein Lebensende beglückte sie ihn wahrhaft als seine Gattin.Seine als Anhang zu seiner Biographie von Franz Horn gedruckten zahlreichen Ge-dichte lassen uns einen tieferen Blick in sein schönes Familienverhältnis und in dasreiche Gefühlsleben des äußerlich oft kalten und abstoßenden Mannes thun.
Durch das Direetorat am Berlinischen Gymnasio waren seine äußeren Verhältnissesehr günstig geworden; sein Körper, durch keine Verirrung der Jugend geschwächt, warder gewaltigen Arbeitslast gewachsen, namentlich erfreute er sich seit 1785 einer ununter-brochenen Gesundheit. 1797 reiste er nach Italien, um Turin, Florenz, Rom, Neapelund Venedig in drei Monaten zu sehen; von Venedig, wo er die Nachricht von der ge-! fährlichen Krankheit seines Freundes und Stellvertreters Michelsen erhielt, eilte er im
j Postwagen sieben Tage und sieben Nächte ununterbrochen nach Berlin zurück. Seitdem
s bemerkte seine Familie, daß sein Gesundheitszustand nicht mehr die frühere Festigkeit
f und Kraft besitze, er aber wollte sich nicht entschließen, seine Arbeiten durch das Auf-^ geben eines seiner Aemter zu vermindern. Im Sommer 1802 machte er einem höheren
f Aufträge zufolge zur Regulirung des Schulwesens eine beschwerliche Reise in die neu
? erworbenen Provinzen Süd- und Neu-Ostpreußen, siel aber gegen Ende des Jahres in
! ein heftiges Nervensieber, von dem er sich nur wieder aufraffte, um am zwölften April
> 1803 die öffentliche Prüfung selbst zu leiten, brach aber gleich hernach wieder zusammen
! und endete am 2. Mai sein rühmliches Leben. Der Professor Spalding hielt ihm die
j Gedächtnisrede in lateinischer Sprache, worin er unter Anerkennung der großen Ver-
f dienste Gedike's äußerte: nsqus snim kss cknerit st NIUANO oxxiodrio ossssrit bnio
! gymnasio, si unquarn talls antistitis saeroruiir suorum inmmirwr rsxsriatur obmu-
i tusoatqus ir> tantu ckioonäi ruatsria. Der Hörsaal des Gymnasiums bewahrt noch die
! Copie seines von Grass in Lebensgröße gemalten Bildes. E. Bonnell f.
Geduld, s. Erzieher.
Gefühllosigkeit, Roheit, Thierquälerei. Gefühllosigkeit ist nicht Mangelan Gefühl überhaupt — das Selbstgefühl, freilich in der unedelsten Form der Selbst-; sucht, ist bei dem „ Gefühllosen" sehr stark entwickelt; wir bezeichnen vielmehr mit jenem! Worte die Abwesenheit der edleren sittlichen Gefühle des Mitleids, der Theilnahme,
! des Wohlwollens, hervvrgehend ans dem Mangel des sympathetischen Gefühls.
' Dieses, obwohl es noch überwiegend sinnlicher Natur und keineswegs dein rein sittlichen- Wohlwollen, wie es in dpr werkthätigen christlichen Liebe seinen prägnantesten Ausdruck; sindet, gleichzustcllen ist, bildet doch die nothwendige Grundlage für die sittliche Ent-f wicklnng und Bildung überhaupt, weshalb wir auch mit Recht seinen Mangel als
! Roheit und Barbarei bezeichnen. Insofern wir das Herz als den Sitz der Gefühle
! betrachten, und unter dein Wort „Herz" insbesondere das Mitgefühl verstehen, sagen
j wir auch voin Gefühllosen, er habe kein Herz oder sein Herz sei verhärtet. So natür-
! lich dem Menschen als einem geselligen Wesen das Mitgefühl auch ist — Kinder wes-