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Gedike.
spätere geschichtliche Entwicklung des Schulwesens bewährt, *) das Unmögliche des letztenaber hat G. selbst bei seiner Schulpraxis eingesehen, indem er stets Kinder mit 7 und8 Jahren in die Sexta des Gymnasii ausgenommen hat, denen doch die wirkliche Be-stimmung zum Gelehrten auch der hellsehendste Schulmann nicht anmerken kann. — DieAbhandlung über die Beschaffung eines allgemeinen Fonds zur Schulverbesserung zeigtganz richtig den Hauptgrund des Schulverfalls darin, daß beim Schulstande für dieäußerliche Zufriedenheit eines Mannes, der sich fühlt, zu wenig gesorgt ist, und unterseinen Verbesserungsvorschlägen ist der zweckmäßigste die Ueberwachung der Privatinsti-tute durch ein Schulcollegium, damit nicht diese und die Privaterziehung überhaupt denöffentlichen Schulen die Schulgelder entzögen. Aber seinen Schmerzensruf: „O dieZeiten sind so ziemlich vorbei!" nämlich durch milde Stiftungen und Vermächtnisse, durchfreiwillige Geschenke und Beiträge den Schulfonds zu verbessern, hat er in seiner Direc-toralwirksamkeit vielfach widerlegt gefunden, am glänzendsten durch das Glück, daßdas erste Jahr seines Directorats am Berlinischen Ghmnasio auch das erste Jahr derEröffnung und des völligen Genusses der Streit'schen Stiftung war, wodurch diesemGymnasium ein Vermächtnis von fast 200,000 Thlr. zusiel. Die ausführliche Nach-richt vorn Stifter und der Stiftung gab er im Programm von 1794. In seinen vielenSchulprogrammen hatte er hauptsächlich das Publicum im Auge, schrieb sie deshalb indeutscher Sprache und behandelte in ihnen entweder wichtige pädagogische Fragen odergab Berichte über die Geschichte und Zustände der von ihm geleiteten Gymnasien. Seinekleinen Schulschriften fanden schon früh einen solchen Beifall, daß er i. I. 1789 diegesammelten herausgab und dem damaligen Minister von Wöllner widmete, beidem G. eine kurze Zeit misliebig geworden war, weil er nicht für eine Cassation ge-stimmt hatte und deshalb bei künftigen Cassationsfällen nicht mitvotiren sollte. Einzweiter Band der gesammelten Schulschristen, dem Propst Teller, „seinem freundschaft- Vliehen Collegen und dem mit Luthers Geist (! d. Red.) unermüdeten unerschrockenen IWahrheitsforscher," wie er ihn in der Dedication nennt, gewidmet, erschien 1795. G.war ein Gesinnungsgenosse Tellers und Zöllners und mit diesen ein Freund und Be-förderer der Aufklärung; wie er aber in seiner theologischen Anschauung den Boden derReformation nicht verließ, sondern in dem großen deutschen Kirchenreformator M.Luther auch den Regenerator des deutschen Schulwesens erkannte, bewies seine Schrift:„Luthers Pädagogik oder Gedanken über Erziehung und Schulwesen aus LuthersSchriften gesammelt" (Progr. v. 1792).
Zur Förderung des sprachlichen Unterrichts, für den er in den damaligen unzweck-mäßigen Hülfsmitteln ein Haupthindernis erkannte, verfaßte er nach einander Lesebücherund Chrestomathien für das Lateinische, Griechische, Französische, Englische, bei welchener, wie überall, zugleich die Verbreitung sachlicher Kenntnisse im Auge hatte. Seingriechisches Lesebuch für die ersten Anfänger erschien zuerst 1781, gleichzeitig mit Ll. TüIIüOiooronis kistoriu xllilosopllius antigus-s ox omnibus iilius soriptis oollsgit otv,sein englisches 1795. Alle haben mehrere Auflagen erlebt, am ineisten verbreitet ist sein :1782 zuerst herausgegebenes lateinisches Lesebuch, das 1875 zum achtundzwanzigstenMale mit den nothwendigen Erweiterungen in den Beispielen für die Formenlehre er-'schienen ist und noch jetzt an hiesigen Schulen gebraucht wird. Daß G. auch den wissen-schaftlichen Anforderungen seiner Zeit an die Philologie gewachsen war, beweist seineAusgabe von 8opllooiis kllilootvlss Orasoo cmm uotis, Lorolioi 1781; manche seinerEmendationen haben noch ihre Geltung. Daß er das Griechische ohne Accente druckenließ, weil sie bei der Lectüre der Dichter unnütz und für das Metrum sogar nachtheiligwären, gehört auch dem falschen Zweckmäßigkeitsprincipe an, dein er vornehmlich in denersten Jahren huldigte. Seine handschriftlich noch vorhandenen „Bemerkungen aus undüber die elastischen Scribenten der Griechen und Römer" geben auch einen Beweis vonseinen vielseitigen und sorgfältigen philologischen Studien. Eine Sammlung vermischter
*) Wir in Württemberg möchten unsere lat. Schulen nicht missen. D. Red.