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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gedächtnis.

Gedike.

darauf zurückgeht und ihn immer tiefere Wurzeln in Geist und Gemüth schlagen laßt.Auch für die Bildung des deutschen Stils der Schüler ist es ein treffliches Mittel, daßman sie Abschnitte einer classischen Prosa, wenn sie dieselben nach Inhalt und Zu-sammenhang im wesentlichen verstehen, Wort für Wort auswendig lernen und oft wieder-holen läßt, zumal wenn man immer mehr Bemerkungen über die Form anknüpft, sofernsie nahe liegen und verstanden werden können. Wer so die Muster guter Prosa insich trägt, gewöhnt sich immer mehr, nach ihnen seinen eigenen Stil zu bilden und zubeurtheilen. *) Deinhardt s.

Gedächtnisübung, s. Memorir Übungen.

Gedike, Friedrich, hat unter allen preußischen Schulmännern die umfangreichste Wirk-samkeit gehabt und durch die rastlose Thätigkeit, die er in einem nur kurz zugemesseiieuLeben entfaltete, überall einen neugestaltenden Einfluß ausgcübt, der iu den Schulenseines Vaterlandes noch unverkennbar fortwirkt. Er gehört zu den vielen Männern inder Geschichte der Geistesbildung, die aus unscheinbaren Anfängen und trotz vieler Hem-mungen sich zu einer bedeutenden Höhe emporgearbeitet haben und eine Leuchte und einVorbild für viele geworden sind. Er war im Dorfe Boberow bei Lenzen in derPriegnitz d. 15. Januar 1754 geboren. Sein Vater, ein kärglich besoldeter Land-prediger, konnte auf seine erste Erziehung, welche in die traurigen Zeiten des siebenjährige»Krieges fiel, keine Sorgfalt wenden; er wuchs daher sich selbst überlassen auf; aber wasfür viele Ursache der Verwilderung wird, legte bei ihm den Grund zu der Selbständig-keit, die später ein Hauptzug seines Charakters war. Auch seine Verwaisung im StenLebensjahre und fast gänzliche Hülflosigkeit wurde für ihn zum Segen, denn gerade ftführte ihn in seinem 12ten Jahre der Erziehungsstätte zu, in welcher der von oberfläch-lichen Beurtheilern bis dahin für beinah stumpfsinnig gehaltene Knabe den Neichthmnund die Kraft des inwendigen Menschen zur schönsten Blüte schnell entfalten konnte.Das Waisenhaus zu Züllichau, die uneigennützige und zärtliche Sorgfalt seines dama-ligen Leiters Steinbart und der eigene unermüdliche Fleiß Gedike's ließen den bisherfast aufgegebenen bald alle seine Mitschüler übertreffen und den Lieblingsschüler Stein-barts werden. Die Dankbarkeit, welche er stets seinem Wohlthäter bewahrte, und vondem er in der Jubelrede über die Freuden des Schulmanns 1781 sagte:Wenn ichnützlich bin den Sphären, die die Vorsehung mir zum Wirkungskreise anwies, so istdieser Nutzen mit dein Werk," gehört zu den schönsten und fruchtbringendsten Seitenseines Charakters. Er bezog schon 1771 die Universität Frankfurt a. O., um Theologiezu studiren. Er betrieb das Studium der Gottesgelahrtheit und der alten Sprachenmit rastlosem Eifer und von seiner damaligen Seelenstimmung zeugt ein kleines Gedicht,das mit den Worten beginnt:Heiter wie ein Traum von Götterfreuden eilt meinjugendliches Leben hin." Sein Biograph und Schwiegersohn Franz Horn meint zwarvon dieser Zeit, daß man ihm eine fröhlichere Umgebung und vielleicht auch eine freiereLebensansicht hätte wünschen mögen; aber G. gehörte zu den Naturen, die von denäußeren Verhältnissen sich nicht beherrschen lassen, sondern umgestaltend auf sie einwirken.So errichtete er hier in Verbindung mit seinem später in der Kirche hervorragendenZeitgenossen Zöllner eine literarische Gesellschaft. Die Berufung Steinbarts zm»Professor der Philosophie nach Frankfurt führte ihn wieder in das Haus seines väter-lichen Freundes und hier begann er seine pädagogische Thätigkeit mit dem Unterrichtemehrerer Studenten. Im Jahr 1775 ging er als Privatlehrer der Söhne des PropstsSpalding nach Berlin und 1776 wurde er Subrector des Friedrichs-Werder'schen Gym-nasti. Er war damals, wie er in der Jubelrede am 27. December 1781 und in sei-nein Abschiedsprogramm 1793 sagt,ein Jüngling, der so eben selbst erst die Hörsäle

*) Vgl. die Art. Bd. 1. Bildungsgehalt, S. 740; Bd. II. Einüben, S. 146; Elementar-schule, S. 174; Erkenntnisvermögen, S. 266 f. ; ferner das Beispiel der Engländer in Wiese,Deutsche Briefe, S. 87; Palmer, Päd., S. 353 ff., 383 ff.; Held, Schulrede», S. 136- 51;Mager, Die genet. Methode, S. 20412; Waitz, Päd., Z. 24. Schmid.