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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gedächtnis.

verschiedenen Bedeutungen auch praktisch wiederholentlich gebrauche. Der Grund dieserFixirung eines fremden Wortes im Bewußtsein liegt wieder allein darin, daß ich ihmfeine Jsolirtheit benehme, indem ich es mit vielem anderen, was ich schon kenne, inBeziehung setze und als eine lebendige Einheit von Unterschieden erkenne. Der Geistselbst ist die absolute Einheit in einer Fülle zahlloser Unterschiede und daher wider-streitet das bloß Vereinzelte und Isolirte seiner Natur und wird daher nur sehr schweroder gar nicht von ihm ausgenommen und noch weniger behalten. Wird aber dasEinzelne mit anderem Einzelnen in lebendige Verbindung gesetzt; erscheint es als einGlied eines größeren Organismus, dann existirt es erst lebendig und wird auch ei»lebendiger Bestandtheil des Bewußtseins. Selbst die in neuerer Zeit wieder aufgewärmteMnemotechnik beruht, so weit sie einen Gran von Wahrheit in sich trägt, auf demGrundsätze, daß man Einzelnes, welches man merken soll, mit anderem Einzelnen, wasman schon weiß, in Verbindung bringt und ihm so seine Jsolirtheit im Bewußtseinbenimmt und es in den allgemeinen Fluß der Vorstellungen hereinnimmt. Das Un-sinnige der Mnemotechnik besteht nur darin, daß der Zusammenhang, in welchen daszu lernende Einzelne mit anderein in Verbindung gebracht wird, meist ein sehr äußer-licher und daß auch das andere, woran das zu Lernende angeschlossen werden soll, inder Regel ein sehr willkürliches und zufälliges Gebilde ist. Das Einzelne erscheint erstdann in der dem Geiste gemäßen Form mit anderem verbunden, wenn es organischund logisch mit dem anderen zusammenhängt. Soll also ein Gegenstand für alle Zeitgemerkt werden, so sorge man dafür, daß er als ein Glied eines organischen Ganzenund daher selbst als ein organisches Ganzes erscheint oder daß er selbst als eine logischgeordnete Gedankenreihe oder als ein Moment einer solchen Gedankenreihe von deinGeiste begriffen wird. Es ist bewunderungswürdig, wie rasch man selbst einen große»Bortrag in das Gedächtnis aufnehmen kann, wenn man den Grundgedanken desselbenund den Zusammenhang seiner Theile erkannt hat. Dagegen kann es zu einer wahrenTortur werden, wenn man eine Reihe von Vorstellungen, die m keinem logischen Zu-sammenhänge mit einander stehen, dem Gedächtnis einprägen soll.

Aus allem bisher Gesagten geht aber hervor, daß die Gedächtnisübungen, wennsie nicht die Auffassung der Sache durch den Verstand zu ihrem Hintergründe habe»,keinen Werth und auch keinen bleibenden Erfolg haben können, und daß man den obenangeführten Grundsatz: tautum soimus, guLutum msmoria tousmus auch umkehrenund sagen kann: tantuiu imsuwria tsusmrrs, guuutuiu soiwu8. Erst dasjenige behalteich und gebrauche es als mein Eigenthum, was ich recht weiß, d. h. worin nichtsdunkelcs, nichts trübes mehr ist, was das Licht des Geistes nicht durchdränge. Dieinenschliche Seele ist zwar so organistrt, daß sie auch sinnlose Zeichen und Laute insich aufnehmen und eine Weile auswendig behalten kann. Wenn ich ein für sich auchsinnloses Zeichen mir recht oft ansehe und den Unterschied seiner Gestalt von allen an-deren Gestalten deutlich bemerke, so kann ich es wohl eine Zeit lang behalten, eben sogewiße Laute und Töne, obschon sie keinen Sinn haben, wenn ich sie oft höre, undihren Unterschied von anderen Tönen mir zum Bewußtsein bringe. Aber solch un-geistiger Gehalt haftet nur sehr äußerlich in mir und geht sehr bald wieder verloren.Ganz anders verhält sich die Sache, wenn die gehörten Töne init einander in eineminneren Zusammenhänge stehen, wenn sie z. B. eine Melodie bilden oder einen Fort-schritt von Harmonieen darstellen, der für das Ohr zu einem musikalischen Gesannnt-bilde wird, oder wenn die gesehenen Zeichen und Gestalten eine Bedeutung haben obereine Idee versinnlichen, kurz! wenn der sinnlichen Erscheinung eine geistige Wesen-heit zu Grunde liegt; in diesem Falle kommt der Geist erst im wahren Sinne desWortes zu sich selbst und nimmt den dargebotenen Inhalt auf eine bleibende Weisein sich auf.

Wenn nun aber auch eine untrennbare Verbindung stattfindet zwischen dem ge-dächtnismäßigen Behalten einer geistigen Substanz und dem inneren geistigen Verständnisderselben, so darf man doch darüber nicht verkennen, daß das Verständnis der aller-