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Gebrechliche.
Kyphotischer vorgekommen sei. Was der tiefere Grund dieser Erscheinung ist, dichaugenscheinlich freie und reife Entwicklung des Kopfes bei Buckligen insgesammt, die sichzu gleicher Zeit in einer ihnen allen gemeinsamen Configuration des Antlitzes kundgiebt, das ist bis jetzt unbekannt. Das geistige Uebergewicht, welches sie oft früh schonüber körperlich begünstigte Altersgenossen erlangen, tröstet sie, macht sie witzig — mandenke an Lichtenberg, den großen Physiker — und reizt wohl auch zu jener Eitelkeiteigener Art, welche gern wie ein Zauberer halb gefürchtet und gescheut sein will: Hexen-meister und Zauberzwerge denkt sich das Volk gern buckelig. Woher kommt es, daßgermanische Göttergestalten wie Tyr und selbst Odin einarmig, einäugig sind, ganz imGegensatz zu den vielarmigen, vielköpfigen, indischen Mißgeburten? Ist es ferner nichtbedeutnngsvoll, daß seit Vulcan eine ganze Anzahl Gebrechlicher und Buckeliger aus-gezeichnete Mechaniker, Optiker, Chemiker und dgl. geworden sind? Allerdings bestimmtinan wohl solche Kinder vorzugsweise gern für einen derartigen Beruf. In andere»Beziehungen aber sind z. B. für den Philosophen des Markts der kluge selbstgefälligeAesop, für den raisonnirenden Demagogen der Volksfreund Thersites treffliche Typen. —Die namentlich bei Mädchen so häufige Skoliose, die Verkrümmung nach seitwärts,gehört durchaus nicht hieher, sie kommt anch bei den beschränktesten Geistesanlagen vor.—Gleicherweise giebt die große Menge und Mannigfaltigkeit weiterer Gebrechen, wie dieMißbildungen des Fußgelenks, der Klumpfuß u. s. f., Lähmungen, Verkümmerungs-,Hemmungsbildungen der verschiedensten Art durchaus keine besonderen Momente an dieHand, und sie fallen schließlich, soweit nicht jede für sich besondere äußere Rücksichtenerheischt, unter denselben Gesichtspunct wie etwa chronische Krankheiten, wenn sie über-haupt noch als Krankheiten betrachtet werden können und nicht vielmehr als bleibendeFolgen abgelaufener Krankheitsprocesse.
Für alle die verschiedenen Fälle , wird denn nun aber Eines zu sagen sein: daßwenn irgendwo, so hier, in der Behandlung der gebrechlichen Kinder die Liebe vorallem die Leiterin sein muß. Wenn nicht irgend eines dieser Kleinen geärgert werdensoll, so rnuß der natürliche Widerwille, den nur die Liebe überwinden lehrt, besiegtsein; denn wie alle Kinder, so haben auch die gebrechlichen ein feines Gefühl für dieGesinnung, mit welcher inan ihnen etwas thut, für den Herzensgrund, aus welchemheraus man sie behandelt. Zunächst im Hause, in der Familie thut allerdings dieMutterliebe den Gebrechlichen vom zartesten Alter an mehr noch als gewöhnlichen Kin-dern nvth; nur ist leider dieselbe auch so oft geneigt, manches zu verderben. Soweitder Mutter Einfluß reicht, wird wohl ihr unglückliches Kind verwöhnt und verhätschelt,den übrigen Kindern vorgezogen, und werden dadurch seine Ansprüche an die Welt in einerWeise gesteigert, welche später in der Welt selbst nur allzu bittere Enttäuschungen her-bciführen muß. Ja noch in der Kinderstube wird häufig die Augendienerin, die Wär-terin, die Magd, die Bonne sich wohl zu Zeiten Luft machen, in einer Art, welche garschlimme Wirkungen übt: entweder wird das Kind ein Ankläger, oder es schweigt ge-zwungen eine Zeit lang. Es ergiebt sich schon hier von vorn herein die Regel, daßinan dem gebrechlichen Kinde gegenüber so viel als möglich so verfahren soll, wie wennes nicht gebrechlich wäre, daß man die unersetzlichen Hemmungen und Hinderungenseines Lebens nicht zu vergüten suchen soll durch eitles Außenwerk. Die Geschwister-liebe, ohnehin eine zart zu pflegende Pflanze, kann sonst große Gefahr laufen. Nament-lich alterirt alles die rechte Haltung, was in auffallender Weise zur Bevorzugung desGebrechlichen oder zur Entschädigung desselben für Genüsse geschieht, die ihm versagtsind; während sich in ganz natürlichein Wege ergiebt, daß in bestimmten Fällen, wiebeim Fahren in einein Kinderfuhrwerk oder im Schlitten, beim Schaukeln und dgl. dasgebrechliche Kind von Geschwistern und Gespielen bedient wird ohne Gegendienste zuleisten. In solchen Fällen wird der Gerechtigkeitssinn guter Geschwister der Führungder Eltern in der schönsten Weise zu Hülfe kommen. Die geistige Entwicklung solcherKleinen, namentlich wie die oben geschilderten sind, bedarf besonderer Aufmerksamkeit;sie ist häufiger vorsichtig zu zügeln, als anzuspornen, namentlich soll mau nicht ihren