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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
Seite
778
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Gebet.

Gebrechliche.

Gebet aus einer christlich erneuerten Seele entspringt, so wirkt es auch, von außen ein-gepflanzt, auf solche christliche Erneuerung der Seele zurück.

Vgl. noch, außer den angeführten Schriften, Rothe, theol. Ethik III. S. 68g (Tauberth, die christliche Lehre vom Gebet (Wurzen 1855), bes. S. 128 f. Joh. Chr.Storr, Anleitung zum Gebet des Herzens, in Frage und Antwort, neu aufgelegt,Lndwigsb. 1860. Die Abh. über das Gebet als Erziehungsmittel, in Völters süd-deutschem Schulboten, 1851, Nro. 2-1. S. auch den Art. Erziehung (ferner: AndachtS. 140 f. Bengel S. 557.) Palmer p.

Gebrechliche. Behandlung gebrechlicher Kinder. Unser Sprachgebrauchnennt Gebrechliche überhaupt solche, welche durch irgend eine angeborene oder später ent-standene Ausbildung im Gebrauch ihres Körpers oder eines Gliedes gehindert, namentlichauch insofern sie dadurch mehr oder weniger verunstaltet sind. Im weitern Sinne ge-hören zu ihnen also auch solche, denen es an einem der Sinnorgane oder gar an Hirngebricht: diese, die Blinden, Taubstummen, die Cretinen finden, soweit sie die Pädagogikangehen, in besondcrn Artikeln der Encpklopädie ihre Berücksichtigung. Dagegen sindGegenstand unserer gegenwärtigen Betrachtung die mannigfachen und verschiedenartigenGebrechen, welche durch Verkrümmungen und Gelenksleiden, durch ursprüngliche Mis-bildung, durch Verstümmelung u. s. f. bedingt sind: kurz, die gewöhnlich sogenanntenkörperlich verkrüppelten Kinder. Obwohl somit von Gebrechen der Seele, von sittlichen Ge-brechen schon dem Sprachgebrauch gemäß hier nicht die Rede ist, vielmehr alles was inunser Gebiet gehört ursprünglich auf rein somatischem Boden besteht und darin seineWurzclnhat, so ist es doch wieder nicht eine ärztliche Cur jener Gebrechen, wie sie in Kinder-heilanstalten (s. d. Art.) und orthopädischen Instituten vorkommt, sondern die pädagogischeBehandlung, welche wir hier zu betrachten haben.

Das Alterthum hat im allgemeinen gegen gebrechliche Kinder, soweit es überhaupt sichmit denselben befaßte, gar wenig Erbarmen gezeigt. Von den Spartanern ist es bekannt,daß bei ihnen gebrechliche Neugeborene ohne weiteres beseitigt wurden, wie es heißt um deSStaates willen. Es mag dabei wohl noch ein anderes Moment gewaltet haben. Dergriechische Geist, überall von der individuellen Natur als dem Gegebenen ausgehend undsie zur Schönheit zu entfalten strebend, will in mannigfachen Hebungen Körper undGeist zu einem Kunstwerk der Erziehung gestalten und hat eine natürliche Abneigunggegen unheilbare Entstellung. Sein ästhetisches Gefühl wendet sich ab von allem Ver-krüppelten. Ja diese Stimmung ist überhaupt eine so natürliche, daß auch wir in derZiegel gegenüber solchen Unglücklichen ein Gefühl der lieblosen Abwendung zu über-winden haben. Es hat sich in Sprüchwörtern ausgeprägt, und der von Gott Gezeich-nete" galt und gilt für einen zu Meidenden und Auszustoßenden. So fühlt der natür-liche Mensch; gerade wie wir sehen, daß Thiere nicht selten die verstümmelten Genossenverfolgen und verjagen. Im alttestamentlichen Gesetze sind bekanntlich eine Anzahl vonentstellenden Gebrechen aufgezählt, welche den damit Behafteten zum auserwähltenPriesterstande unfähig machten (3. B. Mose 21, 1724): ohne Zweifel, weil dieäußere Tadellosigkeit und Vollkommenheit ein Symbol der innern Heiligkeit sein sollteund ein Vorbild des untadeligen Hohenpriesters lHebr. 7, 26). Jene Satzung hatdie römisch-katholische Kirche festgehalten, obgleich im Neuen Testament in den Briefenan Timotheus und Titus (1. Tim. 3, 2-, Tit. 1, 7) ganz andere Erfordernisse fürden Leiter und Lehrer der Gemeinde aufgestellt werden. Wenn wir andrerseits beiheidnischen, selbst bei sehr rohen Völkern eine Art von Nespect, von religiöser Scheuwie vor den Wahnsinnigen so auch vor Gebrechlichen finden, so scheint dies andereUrsachen zu haben, die in dem unheimlichen Wesen liegen, welches Gebrechliche häufigumgiebt und sie öfters gerade zum geheimnisvollen, fratzenhaften Zauberdienste geeignetmacht. Im Durchschnitt ist auch bei den heutigen heidnischen und sogenannten Natur-völkern die Lieblosigkeit gegen Gebrechliche vorherrschend. Das Aussetzen und Tödtenkrüppelhafter Kinder ist häufig genug. Bei den ostafrikanischen Kindern ist es geradezuGemeindesache, weil solche Kinder doch nur große Verbrecher würden, sagen sie. Ander-