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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gebet.

Abgeschiedenheit von allem andern (denn gefaltete Hände sind zu nichts anderem zubrauchen), und als Symbol der innern Geschlossenheit, Gefaßtheit, Gebundenheit. Diesist möglich und muß beginnen, sobald das Kind reden lernt; es wird zuvörderst beimAnfstehen und zu Bette gehen so wie bei Tische geschehen, als den drei Momentendes Tageslebens, die nicht nur Momente der Sammlung im Gegensätze der Zerstreuungin Arbeit und Spiel sind, sondern in welchen sich auch der Stoff des Gebets, derGegenstand von Dank und Bitte von selber darbietet. Weil aber gerade in diesenMomenten das kleinere Kind von der Mutter besorgt werden muß, so ist es auch dasnatürlichste, daß sie mit ihn: betet; und ist sie eine rechte, christliche Mutter,so wird sie auch dieses Recht an gar niemand abtreten; sie, die das Kindunter ihrem Herzen getragen und geboren hat, sie, die es noch ungebvren der GnadeGottes befohlen und von ihr seine glückliche Geburt sich erbeten hat, will nun auchdas Kind dein Gnadenthrone Gottes selber zuführen. Später, wenn das Kind zumNiedergehen und Aufstehen der mütterlichen Hülfe nicht inehr bedarf, wird auch derVater sich mit der Mutter in jenes Geschäft theilen; es müßte dein Kinde selber son-derbar oder verdächtig Vorkommen, wenn der Vater nie mit ihm betete. Was nun zusolchem Beten verwendet werden soll, dessen bietet theils die Tradition in christlichenFamilien, theils die katechetische und ascetische Literatur vieles dar. Es sind einfacheBerschen, Bibelsprüche, Gebetsformeln, die sich dazu eignen, die sich mit der Zeit er-weitern und vermehren, da namentlich der Liedervorrath, den das Kind in der Schulelernt, auch hiezu seine Dienste leistet. Es giebt Kinder, die gar nicht inehr aufhörenwollen, sondern alles der Reihe nach beten möchten, was sie auswendig wissen. Dies deutetfreilich darauf, daß solches Beten von den Kindern leicht unter dein Gesichtspunet einer Reci-tation des Meniorirten betrachtet wird. Das ist alsdann kein Fehler, wenn der Lehrerauch das Recitiren des Memorirten in der Schule zu einem wahrhaften Beten zumachen weiß. Dem Fehlerhaften daran wirkt man am besten entgegen, wenn wenigstensvon Zeit zu Zeit (je öfter desto besser) ein freies Herzensgebet dein Kinde vorgesprochenwird, in das auch ganz speeielle Züge, z. B. Bitte um Vergebung für eine den Tagüber begangene Unart, Danksagung für irgend eine besondere Freude, die dem Kindewiderfahren, Fürbitte für ein krankes Geschwister u. s. w. ausgenommen werden. Hieranlernt das Kind, wie man betet; wär' es auch bei den meisten nicht ein solch tief inneresErkennen des Weges, der zu Gott führt, wie dies z. B. Oetiuger aus seiner Kind-heit erzählt*), so ist doch schon viel gewonnen, wenn das Kind durch einen Vorrathvon Gebetsgedanken und Gebetsworten in Stand gesetzt ist, sein eignes Anliegen vorGott auszusprechen. Aufgeweckte Kinder werden bald, manchmal in so naiver Weise,daß der mitbetende Erwachsene Mühe hat, darob den Ernst nicht zu verlieren, ihreeigenen Gedanken miteinstechten. Bei anderen dagegen hält es schwer, den Uebergangvorn Beten des Vorgesprochenen und Auswendiggelernten zum eigenen Gebet zu finden;eine Nöthigung, vor irgend einen: Zeugen, also gleichsam zur Schau oder zur Probeaus dem Herzen zu beten, wäre ein ungemeiner pädagogischer Fehler.**) Daß der

*) S. seine Selbstbiographie von Hamberger, S. 4. 5.. . . Ich mußte einen ganzenRosenkranz von Liedern vor dem Einschlafen beten. Endlich wurde ich etwas ungeduldig unddachte, wenn ich doch auch wüßte, was ich betete. Ich kam an das Lied, .schwing dich auf zudeinem Gott, du betrübte Seele re." Nichts von Betrübnis wissend, wurde ich heftig angetrieben,zu verstehen, was es sei, sich zu Gott aufschwingen. Ich bemühte mich inwendig darum vorGott, und siehe, da empfand ich mich aufgeschwungen in Gott. Ich betete mein Lied ganz aus,da war kein Wort, welches nicht ein distinctes Licht in ineiner Seele zurückließ. In meinemLeben habe ich nichts fröhlicheres empfunden und das hatte in folgender Zeit die Wirkung, Laßich, wenn ein heftiges Donnerwetter kam, davor sich mein Vater hinter dem Umhang des Bettesverbarg, getrost dachte: Ich fürchte mich nicht, weil ich weiß, wie man zu Gott betet." Mithinals eine Kunst, über die einem erst ein Licht aufgehen mnße, hat er sie erkannt; es war dasMischen seinem 7. und 8. Lebensjahre.

**) Vgl. was Harms in seiner Selbstbiographie S. 16 erzählt. (S. auch in des Bfs.Katechetik S. 62.)