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Gebet.
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selber, daß er, geblendet von diesem Aberglauben, weiter keine Garantie für seine glück-liche Entwicklung zu bedürfen glaubt. Wer aber von diesem Wahne frei, wer dieserSuperstition der Pädagogen gegenüber wahrhaft aufgeklärt ist, der kann als ErzieherdaS Gebet gar nicht entbehren; er weiß, daß auch ein Paulus nur Pflanzen, ein Apollonur begießen kann, das Gedeihen aber allein von Gott kommt und daß auch dieseGabe, dieser Ertrag der Erzieherarbeit von Gott erbeten werden muß. Wie oft,wenn z. B. der Eigensinn, wenn die Verstocktheit eines Kindes allem Zuspruch, selbstaller Strafe Widerstand leistet, wenn wir mit allen Mitteln der Zucht einem Kindedie Lügenhaftigkeit nicht abthun können, oder wenn vielleicht ohne eigne Schuld desselbenes gar nicht gelingen will, eine Berufswahl für den Sohn zu treffen, weil er sich fürkein Fach recht eignet — wie oft ist es in solchen und ähnlichen Fällen noch das ein-zige, daß der Erzieher des Kindes Herz und Leben in Gottes Hand befiehlt, ihn bittet,demselben einen andern Sinn zu geben oder seine Lebensbahn zu ebnen, ihm eine Thüraufzuthun! Aber auch wer eines Kindes sich in allen Stücken nur freuen kann, wiewenig kann er sich doch verhehlen, daß dies ein sehr unsicheres Glück ist, daß auf dieschönste Blüte so oft eine taube bittere Frucht folgt; wie sollte er nicht in des Her-zens Freude sich gedrungen fühlen, um Gottes gnädigen Schutz für die edle Pflanzezu bitten, die er Pflegen darf! — Die Frage, ob es Gebetserhörung gebe, ist hiernicht zu erörtern; wir bemerken bloß, daß gerade die christlichen Erzieher, die auch imKleinen auf Gottes Finger achten, mehr davon zu erzählen wissen, als viele andere,wie sie mehr als andere das Vergebliche aller menschlichen Anstrengungen ohne GottesSegen zu erfahren bekommen. (Vgl. z. B. die Erzählungen von Flattich in dessenLeben von Ledderhose S. 57. 63.) Ucbrigens wird ein Beten für den Zögling noth-wendig auch ein Beten des Erziehers für sich selbst; daß ihm selber Geduld undLiebe nicht ausgehe, daß er alle Tage wieder mit frischem Muthe und neuer KraftHand ans Werk lege, das muß Gott ihm geben, aus sich selber nimmt er es nicht.Zeller (Lehren der Erfahrung I, S. 240 f.) macht insbesondere darauf aufmerksam,wie nur durch solches Gebet der Lehrer'unter den Sorgen, die ihn außer dem Amts-leben noch persönlich drücken mögen, sich den Frieden Gottes im Herzen bewahren könne.
Dem Gebete für die Kinder, von dem sie nichts hören, das, wie Hiobs Opfer(Hiob 1, 5), für sie vielleicht dargebracht wird in einem Moment, wo sie entfernt nichtdaran denken, geht das Gebet mit den Kindern zur Seite, und zwar zunächst in derAbsicht, daß sie beten lernen. Das Beten ist ja in der That eine Kunst; die JüngerJesu bitten darum auch ihren Meister: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannesseine Jünger lehrete." (Luc. II, I.) Eine Kunst ist es nicht im dem Sinne, in welchemallerdings manche es damit bis zur Virtuositität bringen, indem sie Stunden lang insalbungsvollen Worten fortbeten können. Daran kann die Redefertigkeit, vielleicht auchdas Zuströmen schöner Gedanken bewundernswerth sein, aber als Gebet hat solche Kunst-production keinen weitern Werth, als jene langen Gebete der Pharisäer, die der Herrein Plappern nannte.*) Sondern eine Kunst nennen wir es bloß deshalb, weil nichtjeder das ohne weiteres kann. Der eine hätte vielleicht die Gedanken, er wüßte unge-fähr, um was zu bitten ist, aber es kommt bei ihm nicht zum Wort, er findet dieForm nicht, um sich mit allsgesprochener Bitte an Gott zu wenden. Ein anderer aber hatweder Worte noch Gedanken; wenn inan ihm zumuthete, jetzt auf der Stelle ein Gebetzu sprechen, er wüßte weder um was noch wie er beten soll. Das rnuß gelernt sein,wie das Sprechen selber gelernt werden muß. Dem Kinde wird vorgebetet, es sprichtnach, inan lehrt es (nach abendländisch-germanischer Sitte, worin aber der katholischeund der evangelische usus sich wieder unterscheiden) die Hände falten, als Symbol der
*) Selbst Spener sieht in diesem Puncte nicht ganz klar, wenn er z. B. (s. bei KliefothMurg. Abth. III. 1. S. 115) den Prediger Schade als trefflichen Katecheten deshalb lobt, weil»die Mädchen aus seiner Zucht, die nicht über 11, 12, 13 Jahre alt sind, aus ihrem Herzendie beweglichsten Gebete auf '/s Stund thun können/