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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Gebet.

geworden ist, und so ist's ihm nicht eine Pflicht, nicht eine Auflage, die das Gesetz machtdas; er betet, sondern er thut's, weil er's nicht lassen kann, weil er seines Lebens undaller Güter nur froh wird, wenn er für sie als Liebesgabe dein Geber danken kann.Wer kein Gebet braucht und keinen Gott, dein ist hiernach einfach zu erklären, das; erein Egoist ist, der wohl alles empfängt und genießt, aber ohne jene Liebesmacht in sich

zu haben, die zum Danke treibt. Daher kann inan auch niemanden zum Beten

zwingen oder überreden, weil man auch zum Lieben niemanden nöthigen kann. DasDanken ist das Erste, das Bitten fließt erst aus jenem; an den Gaben Gottes sehe ich,daß ich ihn auch bitten darf. Aber noch mehr. Dank und Bitte heben sich nur alsconcreter forinulirtes, durch irgend ein specielles Bedürfnis heroorgerufenes Beten ausjenem Allgemeinen heraus, das wir ein Beten ohne Unterlaß nennen; das ist einbeständiges Ruhen der Seele im Bewußtsein des in seiner Liebe wie in seiner Heiligkeit,Macht und Größe nahen Gottes, ein fortwährender Verkehr mit ihm, der eben ausder Liebe stammt; wie der Verkehr des Kindes mit den Eltern bald in Worten, darin

das Herz alles mittheilt, wovon es bewegt ist, auch wenn es nichts besonderes begehrt,

bald in Blicken ohne Worte, bald in stillen Gedanken sich vollzieht, so auch dieserstetige Umgang mit Gott. Durch ihn vermittelt sich auch der Zufluß von Kräften, mitdenen der Gläubige von Gott stets ausgerüstet wird, die ihn zu seiner Arbeit wie zumDulden und Tragen fähig machen. In Gott leben und weben alle Creaturen; indemaber der Mensch, weil er Mensch ist, sich dessen nicht bloß bewußt wird, sondern,was er ist, auch sein will, das Sein in Gott zum Inhalt seines Willens, zu freierThat erhebt, und zwar nicht bloß in der unmittelbaren Weise des gottgefälligen Wan-dels, sondern in der unmittelbaren Form des Wortes, das er an Gott richtet, desUmgangs, in den er mit ihm tritt, entsteht ihm das Gebet. Nicht zu beten, ist alsoein Znrücksinken auf den nieder» Standpunet der unbewußten, unvernünftigen Creatur,d. h. eine Roheit.

Ist dies in wenigen Zügen angedeutet die Genesis und Bedeutung desGebets, seine innere Nothwendigkeit und solidarische Verbundenheit mit der Religio»,so fragt es sich: welche Stellung dasselbe in der Erziehung einnehme? Es ist sowohlein Mittel als ein Zweck der Erziehung; der Erzieher betet für den Zögling und erlehrt den Zögling beten, weil dieser soll beten können, weil er, als Mensch, die oben-bezeichnete dein Menschen gebührende Stellung zu Gott einnehmen soll. Eine Erziehung,die den Zögling nicht beten lehrt, bringt ihn mit allem, was sie ihm sonst an Bildungbeibringen mag, über jene Roheit nicht hinaus.

Also erstlich: der Erzieher soll für das Kind beten. Es steht aber bereits schief,wenn man dem Pädagogen das erst als ein Sollen auferlegen muß. Wir unsererseitsbegreifen nicht, daß eine Mutter, wenn sie ihr neugebornes Kind ans Herz drückt,wenn sie es zur Taufe tragen sieht, wenn sie an seinen: Bette in kranken Tagen wachtoder ihre Augen an den glühenden Wangen des im süßen Schlummer liegenden Klei-nen weidet, nicht von selber ins Beten gerathen, oder daß ein Vater, der den Sohn indie Ferne ziehen läßt, ihn nicht betend in Gottes Obhut und Leitung befehlen sollte.Derjenige, der keinen Gott kennt, hat nur arme Wünsche, leere Worte und Hoffnungen,ohne alle Bürgschaft der Erfüllung; hat ein solcher wahre, volle, reine Liebe, so mußer entweder, in solchen Momenten wenigstens, sich unglücklich fühlen im Bewußtseinder jämmerlichen Machtlosigkeit seiner Liebe, die das geliebte Kind, selbst wenn sie esunter Augen hat, nicht behüten kann, geschweige wenn es fern ist; oder wird ihn dieLiebe, auch wenn er sonst nicht betete, vielleicht das Gebet als eine Schwäche ver-lachte, selber zum Gebet treiben und ihren Trost darin finden. Wer sich aber dessenbeharrlich entschlägt, der verräth damit entweder, daß er es mit seiner Erzieheraufgabeüberhaupt leichtsinnig nimmt, daß er vielleicht zwar das Nöthige seinerseits thut, abernur, um sich keinem Vorwurf auszusetzen, während ihm am endlichen Erfolg, am Heile'des Zöglings nicht so sehr gelegen ist; oder er hat jene hohe Meinung von der All-macht seiner Erziehungsweisheit und etwa auch von der Bortrefflichkeit des Zöglings