Gebet.
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G.
Gebet (für die Kinder und mit ihnen). Das Gebet ist die unmittelbarste Be-tätigung der Religion; wer nichts vom Beten weiß, hat keine Religion, eben damitsinkt er unter die Normallinie des Menschlichen herab. Dies ist christliche Thesis, vermagaber freilich, so kategorisch hingestellt, die vielen nicht zu überzeugen und zu fleißigenBetern zu machen, die deshalb, weil sie nicht beten, noch nie einen Mangel verspürthaben. Und wie dem Spotte der Thoren, so ist das Gebet auch den theoretischenBegriffen der Weisen nicht entgangen, die es als etwas zum mindesten anthropo-morphistisches zu erkennen glauben; es soll ja eine thörichte Vorstellung sein, daßGott, wenn er wirklich der sei, für den man ihn halte, auf all' das, was irgendeinem Menschenkind einfalle ihm vorzusagen, horchen oder gar um solcher Supplikenwillen an feinem Weltplan etwas ändern sollte. Darin finden sich diejenigen, diedas Gebet entbehren können, bestärkt durch die vielfach thörichte, sei es heidnisch-superstitiöse, sei es jüdisch-gesetzliche Art, wie die Betenden das Gebet betreiben;da entweder ein Gott angerufeu wird, weil inan dadurch seinein dämonischen ZorneVorbeugen zu können meint, oder lange Gebete nach Pharisäerart vorgetragen werden,um damit einem Gesetze zu genügen, um ein frommes, verdienstliches Werk zu voll-bringen, sich damit einer Pflicht zu entledigen und Lohn oder Lob zu verdienen. Aberdasselbe Christenthum, das dieses Plappern, dieses Gesetzeswerk verwirft, fordert undwirkt ein Beten ohne Unterlaß. Das Beten setzt schlechterdings einen persönlichen Gottvoraus; ich rede zu ihm, weil er ein Du ist für mein Ich. Wer also keinen persön-lichen Gott hat, für den giebt es allerdings nichts überflüssigeres, als das Gebet; esist ihm höchstens eine poetische oder rhetorische Apostrophe an eine fingirte Macht, aneine personificirte Naturgewalt oder Idee. Das Beten setzt fernerhin einen Gott voraus,der allwissend und allmächtig zugleich die Liebe ist, der darum ein Herz hat für seineGeschöpfe, der sich ihnen als Vater offenbart. Wer also zwar einen Gott hat, abersich ihn nach Art des kahlen Deismus vorstellt, kann ebenfalls sich nicht zum Gebetbewogen finden; wenn er's dennoch thut, so ist's nur die oft sehr wohlthätige Jncvn-sequenz, da die Angst und Roth des Herzens all' die Mauern durchbricht, welche einverirrter, in oberflächlichen Begriffen und trügerischen Schlüssen hängen gebliebener Verstandum dasselbe gezogen. Auch wenn man einen Gott zu glauben bekennt, so ist die Gebets-losigkeit das sichere Zeichen, daß man von solcher Religion überall keinen Gebrauch macht,sie also lediglich darin besteht, daß man nur nicht den Skandal eines Abfalls, einerRmegativn auf sich nehmen will. Wo ein lebendiger Gott geglaubt und erkannt wird,wo ihm eines Herzens dankbare Liebe und inniges Vertrauen sich zugewendet hat, dakann solches alles nicht stumm bleiben, es sucht ihn, um ihm die Ehre zu geben, wieder Samariter, nachdem er vom Aussatze sich geheilt sah; es würde solch' tiefenDrang, dem Geber aller guten Gaben zu danken, in sich tragen, auch wenn es nichtwüßte, wer dieser Geber ist, würde ihn, d. h. eine Liebe, die der menschlichen Liebe dieHand reicht, suchen und am Ende in Baum und Quell, in des Waldes Rauschen unddes Meeres Brausen, in Sonne, Mond und Sternen ihn zu finden glauben, lieber vor diesendie Kniee beugen, als vor gar keinem Gott. Der Christ aber kennt ihn, weil er ihm offenbar
bel denen sie Aufnahme finden, gefördert. Die Kosten werden meistens auf die Schüler vertheilt,wobei man die unbemittelten nicht hereinzuziehen Pflegt; »ermögliche Eltern geben wohl auch zudiesem Zwecke Beiträge in die gemeinsame Kasse, und im Nothfalle tritt eine wohlwollende Behördeins Mittel und deckt einen etwaigen kleinen Rest. Die Einrichtung ist in der Schweiz, wenn gleichauf keinerlei behördlichen Anordnungen beruhend, sondern nur von dem Gutbefinden der Lehrerund Schulvorsteher abhängig, mit Recht populär und verdient auch anderswo Nachahmung. DieTurnfahrten, welche bei manchen höheren Anstalten in Deutschland eingefnhrt sind, haben unseresWissens noch keine so allgemeine Verbreitung gefunden. D. Red.