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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Fußreisen.

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tigten Thätigkeitstrieb nur in der Zerstörung von Blumen und Sträuchen und Bäumenzu üben weiß. Doch hüte sich der Erzieher, daß er die Absicht der Belehrung nichtallzu deutlich merken lasse und dadurch nicht bloß die unbefangene Heiterkeit der Zöglingeverstimme, sondern auch, indem er sie nur das will sehen lassen, worauf er die Aufmerk-samkeit geflissentlich lenkt, sich des Vortheiles beraubt, durch die mehr sich selbst über-lassene lebhafte Aufmerksamkeit der Jugend einen weit reicheren Stoff der Belehrung sichzugeführt zu sehen. Neberhaupt aber darf man da keine belehrende Einwirkung derFußreise suchen, wo die Empfänglichkeit für den Genuß des Fußreisens noch gar nichtvorhanden sein kann. Diese Empfänglichkeit setzt schon eine gewiße Freiheit des Blicksauf Seiten des Zöglings voraus, wie sie Kinder nicht haben, welche das am Wegeaufgelesene Steinchen oder Schneckenhäuschen inehr interessirt, als alle Ritterburgenund landschaftlichen Reize der Welt. Eine gesunde Pädagogik hat auch in dieser Be-ziehung vor jener Verfrühung zu warnen, die überall eine frische und kräftige Genuß-fähigkeit zerstört. Auch daran werde erinnert, daß, wenn auch die Fußreise, um kräf-tigend zu wirken, ein gewißes Maß der Anstrengung von den Theilnehmern fordernmuß, diese Anstrengung doch nicht, etwa durch Erregung eines ungehörigen Wetteifers,zur wirklichen Erschöpfung getrieben werden darf, und daß, wie beim Unterrichte dieGeister, so bei körperlicher Anstrengung die Leiber und ihre verschiedene Leistungsfähigkeitunterschieden werden mäßen. Von den Regeln, deren Befolgung die Anstrengung er-leichtert, heben wir nur hervor: Möglichst leichtes Gepäcke, durchaus frugale Kost,namentlich Spirituosen in der Regel nur nach vollbrachtem Tagewerk, weil sie währendder Wanderung selbst auf eine vorübergehende Aufregung Erschlaffung folgen lassen,und bequeme Fußbekleidung mit dicken Sohlen!

Mit der Kräftigung und Uebung des Körpers steht die Stärkung des Willensin dem unmittelbarsten Zusammenhänge. Auch von dem Fußwanderer gelten die Wortedes Schiller'schen Reiterliedes:Da tritt kein andrer für ihn ein, auf sich selber stehter da ganz allein!" Nichts dient so sehr zur Erregung eines kräftigen, gesunden Selbst-gefühls, als das Bewußtsein, durch tüchtige Anstrengung die Länge und die Beschwerdendes Weges überwunden und ein lohnendes Ziel erreicht zu haben, das Bewußtsein,

unabhängig von Locomotiven und Kutschern, Eselstreibern und Packträgern, auf eignen

Füßen gehn und stehn zu können. Dein durch Fußreisen geübten rüstigen Knaben undJünglinge werden Wind und Wetter allmählich zu eingebildeten Uebcln, ja zu willkom-menen Herausforderungen, mit der Kraft des Körpers und des Willens den Kampf gegen

sie zu versuchen; ein Kampf, der dann für den jungen Kämpfer auch ohne Gefahr ist,

wenn dieser, bevor die Anstrengung in Erschöpfung übergeht, auf eine trockne und warmeUnterkunft rechnen kann.

Wie ferner Fußreisen für die Bereicherung und namentlich für die Be-lebung des Wissens nutzbar gemacht werden können, ist bereits berührt worden.Die oben angedeuteten Vortheile, welche der Naturkenntnis erwachsen, sind allerdingsdie Nächstliegenden und bedeutendsten. Doch gehen auch Geographie, Statistik und Ge-schichte nicht leer aus. Nicht bloß erhalten die geographischen Grundbegriffe von Berg,Thal und Ebene, Gebirgszug, Bergrücken und Wasserscheide, Quelle, Bach und Flußu. dgl. erst ihren realen Inhalt, sondern auch die Verhältnisse, welche Gegenstand derpolitischen Geographie bilden, die verschiedene Dichtigkeit der Bevölkerung, der Unter-schied des Stadt- und Landlebens, die Verschiedenheit der Bodenbeschaffenheit und derBodencultur werden klarer werden. Der Besuch industrieller Etablissements wird dazudienen, nach dieser Seite hin den Blick zu erweitern; ganz besonders aber bieten dieDenkmale der Vorzeit zu geschichtlicher Belehrung Veranlassung dar, die gewiß niemalsbesser haftet, als bei solcher Gelegenheit. Für die so geleitete Jugend sind die Wortedes alten Turnerliedes:Und uns allen wohlbekannt wird das deutsche Vaterland"keine bloßen Worte mehr: daß ihm das deutsche Vaterland bekannt und lieb wird, istdie schönste und werthvollste Errungenschaft des rüstigen Wanderers.

Dies führt uns auf den letzten Punct, auf den Einfluß, welchen Fußreisen auf die