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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Fnßreisen.

Erziehern dem Vorsteher einer Turnanstalt zuschreibt, er kommt auf einer Fußreisejedem Lehrer im wesentlichen zu gut:offenbarer, als jedem andern entfaltet sich ihmdas jugendliche Herz. Der Jugend Gedanken und Gefühle, ihre Wünsche und Nei-gungen, ihre Gemüthsbewegungen und Leidenschaften, die Morgenträume des jungenLebens bleiben ihm keine Geheimnisse." Andererseits bringt es zwar die Natur derSache mit sich, daß auf der Reise die Zügel der Diftiplin etwas minder straff ange-zogen werden; aber dafür fallen hier auch eine Menge Hindernisse des pädagogische»Einflusses weg. Insbesondere bieten Fußreisen einen ganz vortrefflichen Anlaß zur Be-seitigung verweichlichender häuslicher Gewohnheiten in Bezug auf Kleidung, Nahrungu. s. w. Dergleichen Schwächen thun sich großentheils bei solchen Gelegenheiten ersthervor, werden zum Theil schon durch die Verwunderung kräftiger gewöhnter Genossenzurückgedrängt, und jedenfalls wird es dem Erzieher nicht schwer, ihre Beseitigung an-zubahnen, da die Einwirkung überängstlicher Eltern ihn nicht hindert, die allen vvrge-schriebene gemeinsame Neiseordnung aber dem Einzelnen es leicht macht, auch Ungewohntesmitzumacheu, ganz abgesehen davon, daß zur Befriedigung jener übelangewöhnten Be-dürfnisse sich häufig nicht einmal die Möglichkeit finden wird. So können auch kleineFußreisen in den Zöglingen selbst gegen eine weichliche häusliche Zucht eine heilsameReaction begründen. Und wie das freiere Zusammensein die Zöglinge auffordert, ihrWesen dem Erzieher unbefangen zu erschließen, so giebt es auch diesem mannigfaltigeGelegenheit, das Vertrauen der Zöglinge zu ihm zu vermehren und zu befestigen, durchdas ermunternde Vorbild der eigenen Rüstigkeit und guten Laune bei den Anstrengungenund Beschwerden, welche die Reise mit sich bringt, durch die Umsicht und Sicherheit inder Behandlung der äußeren Lebensverhältnisse, durch die Fähigkeit, auf die tausendFragen, welche die wechselnde Umgebung veranlaßt, Rede und Antwort zu geben, durchdie freundliche Sorgfalt, womit er die kräftigeren leitet, die ermüdenden ermuntert,die schwachen unterstützt. Und endlich dient nichts so sehr dazu, den eigenen Geistfrisch und empfänglich zu erhalten, als die Bewegung mit der munteren Jugend in derfreien Natur, so daß der Lehrer schon um seiner selbst willen diese Erholung suchen sollte.

Die für pädagogische Einwirkung so günstige Situation, welche durch Fußreise»herbeigeführt wird, erweist sich nun vor allen Dingen für körperliche Kräftigungund Uebung ersprießlich. Grade darin liegt für unser sitzendes und lesendes undschreibendes Zeitalter der Hauptwerth dieser Reisen. Wie die Turnkunst (Jahn, a. a. O.S. 209 ), sollen auch sie helfendie verloren gegangene Gleichmäßigkeit der mensch-lichen Bildung wieder Herstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leib-haftigkeit zuordnen, der Ueberfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit dasnothwendige Gegengewicht geben, und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Men-schen umfassen und ergreifen." Und wenn die Turnkunst die gleichmäßige Stärkung undUebung des Muskelsystems voraus hat, während beim Gehendie oberen Theile unsresKörpers und deren Muskulatur nicht in demselben Grade, wie die Beine in Thätigkeitversetzt werden" (Oesterlen, a. a. O.): so hat dagegen das Wandern den Vorzug,daß es zugleich das vegetative Leben fördert, gegen die Einflüsse der Witterung, derNahrung n. dgl. in höherem Grade abhärtet und zur Schärfung und Uebung derSinne die vielseitigste Gelegenheit darbietet. Hierbei handelt es sich nicht bloß darum,die Fernsicht zu schärfen, für deren Uebung sich sonst wenig Anlaß findet; sondern zu-mal bei der städtischen Jugend wird es darauf ankommen, die Aufmerksamkeit auch fürdie nächste Umgebung zu wecken. Ausgehend von der Unterscheidung der Getreideartcn,der Feld- und Waldbäume aus der Nähe und Ferne, muß der Lehrer zu ausgebreitctererKenntnis der Pflanzen- und Mineralwelt anleiten, und während so das Auge geübtwird, darf dem Ohre keine Vogelstimme erschallen, die nicht ihre richtige Deutung er-führe. Pflanzen-, Mineralien-, Jnsectensammlungen, welche letztere durch Anleitung undAufsicht des Lehrers ihr Bedenkliches verlieren, werden den Reiz, wie den Nutzen derReise erhöhen; und wenn auf diese Weise ein ernstes Interesse an den Naturdingen sichgebildet hat, so verschwindet von selbst jene Unart der Stadtjugend, die den unbeschas-