Fnßreisen.
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einer größeren Anzahl von Zöglingen ausführen, weil diese fast in allen Schulen möglichgemacht werden können, ohne auch den Sonntag zu Hülfe zu nehmen oder die Ferienabzuwarten, während größere gemeinsame Ferienreisen ein Zusammentreffen von gün-stigen Bedingungen voraussetzen wie es nur selten eintritt. Doch bieten glücklicherweiseauch jene kleineren Reisen, wenigstens der Art nach, im wesentlichen dieselben päda-gogischen Vortheile, wie die größeren, und von dem vorzugsweise über sie hier zu Sa-genden läßt sich mit Leichtigkeit die Anwendung sowohl auf größere gemeinsame Schul-reifen als auf solche Reisen machen, welche ein einzelner Erwachsener mit einem einzelnenZöglinge, etwa der Vater mit dem Sohne, unternehmen will. Auch für die weiblicheJugend würden jene kleineren Reisen sehr heilsam sein, da in den sogenannten gebildetenStänden die Mädchen das Gehen nicht selten förmlich verlernen und damit einen Theilder reinsten, kräftigendsten und bildendsten Genüsse entbehren müssen. Uebrigens habenwir hier nur den pädagogischen Gesichtspunct zu vertreten, und von den zahlreichen undanerkannten diätetischen Vortheilen der Fußreisen kann nur gelegentlich die Rede sein.Wer darüber genauere Belehrung wünscht, findet sie bei: Hilarius, Buch vom Reisen.Berlin, 1824; C. H. Th. Schreger, Reisediätetik. Halle, 1827, wo S. 51—75 „Ge-sundheits- und andere Lebensregeln für Fußreisende" recht zweckmäßig zusammengestelltsind; L. Fleckles, Die Krankheiten der Reichen. Wien, 1834, S. 1V1 ff.; Oesterlen,Handbuch der Hygieine. 1. Aust. Tübingen, 1857, S. 851.
Wir beginnen mit den Worten Räumers, der, selbst ein vielgewandter Wanderer,zum Preise der Fußreisen sagt (Gesch. der Päd. III, S. 217): „Die beste Gelegen-heit zu Abhärtungen und Entbehrungen aller Art geben Fußreisen. Schlechtes Wetter,böse Wege, elende Wirthshäuser und andere dergleichen Unannehmlichkeiten widerfahrenauch dem glücklichsten Reisenden. Das erträgt sich alles, besonders in jugendlicher Ge-sellschaft mit Muth, ja mit fröhlichem Uebermuth; wer bei Regenwetter und schlechterKost sauer sieht, der leidet doppelt. Es ist zu beklagen, daß Dampfschiffe und Dampf-wagen dem Fußreisen der Jünglinge großen Eintrag thun." — Schade, wenn nichtjeder Erzieher ans eigner Erfahrung einstimmen kann in diesen Preis! wenn ihm nichtdie Erinnerung auftaucht an jene glücklichen Tage, wo man am frischen Morgen desAusmarsches in munterem Schwarme muthig und erwartungsvoll, wie ein Eroberer, aus-rückte, einer friedlichen, niemand beeinträchtigenden und doch sicheren Eroberung entgegen.Nach ein paar Stunden schon that eine neue Welt sich auf, wo alles die Aufmerk-samkeit wunderbar anregte, zumal da, was viele junge Augen, noch obendrein durch dieErmunterung des Lehrers geweckt, entdeckt hatten, doch einem jeden einzelnen zu gutkam. Wie wurden da so manche Lehren der Naturgeschichte, Geographie, Geschichte,ihren wirklichen Objecten gegenüber, erst recht lebendig! Wie schloß man im Gefühlegleichen Genusses und gleicher Anstrengung so innig sich aneinander an, wie an denLehrer, der aus den bestimmt abgeprägten und gleichförmigen Verhältnissen der Schuleheraus in den mannigfaltigen persönlichen Verkehr einer Lebensgemeinschaft mit uns ein-getreten war, als väterlicher Freund durch wohlmeinenden Rath, ermunterndes Beispielund freundliche Beihülfe leitend und unterstützend. Gewiß, wer solche Eindrücke sichvergegenwärtigt, dem kann nicht entgehen, wie heilsam es ist, wenn die Lehrjahre unsererJugend zum Theil auch Wanderjahre sind. Versuchen wir den Grund und die ein-zelnen Momente jener Eindrücke uns etwas deutlicher zu machen!
Um mit dem allgemeinsten zu beginnen, so haben wir einen Hauptnutzen der Fuß-reisen schon in dem gesummten Verhältnisse zu erkennen, in welches sieZöglinge und Erzieher zu einander bringen: in keinem anderen Falle trittder Zögling so in seiner gesammten Persönlichkeit dem Erzieher gegenüber, in keinemandern ist die pädagogische Einwirkung des Erziehers so unbehindert. Währendin der Schule der Zögling eben nur Schüler ist und die beim Schulunterricht unerläß-lichen festen Ordnungen die freie Bewegung des Einzelnen nothwendig zurückdrängen,giebt er sich auf der Reise als Mensch und entfaltet unbefangen seine gesammte Eigen-thnmlichkeit. Der Vortheil, welchen Äahn (Deutsche Turnkunst, S. 215) vor anderegPädag. Emyllopädle. ii. 2. Aufl. 49