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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Fußrcisen.

gewicht zwischen leiblicher und geistiger Bildung auf Kosten der elfteren gestört ist; in-soweit das Wissen bereichert werden soll, Verhältnisse, in welchen dein Gebildeten einüber die unmittelbare Umgebung, worin er zu wirken berufen ist, hinausgehendes In-teresse zugemuthet und demgemäß auch von der Erziehung die Erweckung und Befrie-digung eines solchen Interesses erstrebt wird: von dem pädagogischen Werthe der Fuß-reisen weiß darum erst die moderire Pädagogik zu reden. Im Alterthum trat einerseitsdie Rücksicht auf das Wissen hinter der auf ein den Nächstliegenden einfachen Lebensaufgabendiendes Können zurück, andererseits wurde für dieses letztere die leibliche Kraft nichtminder vorbereitet, wie die geistige. Obgleich darum auch z. B. viele griechischeWeisen mit Göthe sagen konnten:Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert",und obgleich die griechische Gymnastik, wie die Kraft, Gewandtheit und Ausdauer desKörpers überhaupt, so auch die Marschfertigkeit in hohem Grade ausbildete, wofürnamentlich die sogenannten Hemerodromen einen Beweis liefern*): so wurde doch aufFußreisen als auf ein besonderes Mittel leiblicher und geistiger Bildung kein Werthgelegt, ja den Spartanern erschien bei den Anstrengungen, die ihre Gymnastik demKörper zumuthete, Spazierengehen als ein erschlaffendes Sichgehenlassen: Aelian(Vs-r. bist. II, 5) erzählt:Als die Ephoren zu Lacedämon erfuhren, daß ihre Leute,die in Decelia in Besatzung lagen, Abendspaziergänge zu machen pflegten, so entbotensie ihnen:Gehet nicht spazieren." Denn ihre Ansicht war, es sei dies ein Vergnügen,nicht aber eine körperliche Anstrengung, und die Lacedämonier sollten nicht durch Spazier-gänge, sondern durch Leibesübungen für ihre Gesundheit sorgen." Auf der anderenSeite dürfen wir in der Werthlegung der späteren Römer auf die aurdulatio einSymptom des Uebergangs zu modernen Zuständen und Anschauungen erkennen (z. B.Seneca, Os trewg. unirni, 0 . 17: luckuIZsuckum sst auilno ckunckumguo Sllbiuäootium, guock uliwsvti us viriurn looo sit, st in uinbulutiouidus upsrtis vuAunäuw,ut ooslo libsro st multo sxiritu auzsat ucktollatgus ss auimus. aliguancko vsotutioitsrgus st ruututu rszio viZorsiu äubunt).

Doch soll hier nicht vom Spazierengehen gehandelt werden, sondern eben von Fuß-reisen. Eine Fuß reise unterscheidet sich von einem Spaziergange hauptsächlichdurch die Verschiedenheit des verfolgten Zieles und demnächst durch ihre längere Dauer,woraus die übrigen Unterschiede von selbst folgen. Der Spaziergänger sucht in be-kannter, gewohnter Umgebung, die zugleich den Geist angenehm berührt, ohne ihn auf-zuregen, in wenig anstrengender Bewegung lediglich Erholung von geistiger Anstrengungoder auch von einseitiger körperlicher Thätigkeit. Der Reisende verfolgt ein bestimmtesZiel, welches jenseits der gewohnten Umgebung liegt und zugleich im Stande ist, diegrößere Anstrengung und die längere oder kürzere Verzichtleistung auf die gewohnteLebensordnung zu belohnen, ohne welche es nicht erreicht werden kann. Wir stehenhiernach nicht an, den Gang nach einer mehrere Stunden entfernten Höhe, einem Strom,einer Burg, oder einen: interessanten Puncto anderer Art, wenn Hin- und Herweg einenvollen Tag in Anspruch nimmt, schon unter den Begriff der Fuß reise zu fassen; nochmehr ist die Anwendung dieses Begriffes gestattet, sobald die Entfernung so groß ist,daß an einem fremden Orte übernachtet werden muß. Ja, wir haben bei diesem Artikelganz besonders solche kleinere Fußreisen im Auge, welche ein oder mehrere Lehrer mit

*) Die gewöhnliche Weite eines Tagmarsches betrug bei den griechischen Heeren 34 deutscheMeilen; doch kommt in besonderen Fällen eine Steigerung bis zu 6, ja bis zu 10 Meilen vor(Rüstow und Koch ly, Geschichte des griechischen Kriegswesens. Aarau, 1852, S. 189. 305).Nach der Schlacht bei Salamis lief der Plattier Euchidas, um von Apollons Altar reines Feuerzn holen, den Weg von Platää nach Delphi und zurück, also 1000 Stadien oder 25 deutscheMeilen, in Einem Tage und wurde freilich ein Opfer dieser patriotischen Anstrengung. Nochmehr und überhaupt das Größte, was in dieser Beziehung geleistet worden ist, würde neuer-dings der englische Schnellläufer Cootes geleistet haben, der 1000 englische, also 217 deutscheMeilen, in 100 Stunden, also 4 Stunden mehr als 4 Tagen, zurückgelegt haben soll (Valen-tin, Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 2. Ausl. Braunschweig, 1847, I, S. 117 ff.).