Furcht.
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s consequenter als Rousseau, haben freilich angenommen, daß auch die Furcht vor der
! Finsternis, ebenso die Furcht vor gewißen Thieren, wie Mäusen, Spinnen, Fröschen
! u. s- w. nur durch verkehrte Behandlung in die Kinder hineingebracht würde (vgl. dieAnmerkungen von Campe, Trapp, Gedike zu Aeußerungen von Rousseau und Locke,Allgem. Revision II, S. 533 ff. IL, S. 345). Allein die Bemerkung, daß diese Furcht,wenn sie natürlich wäre, auch unter allen Umständen eintreten müßte, genügt nicht, dadie Gewöhnung auch manches andre seine Wirkung verlieren läßt. Unter ungewöhn-lichen Umständen, namentlich in fremder Umgebung, werden auch gut gewöhnte Kinderleicht in den Fall kommen, das Schauerliche der Finsternis zu empfinden. Um unterallen Umständen zu sichern, muß daher nothwendig zu der Gewöhnung Pflichtgefühl undGottvertrauen hinzutreten. Daß bei einmal vorhandener krankhafter Neigung zur Furchtnicht mit Strenge zu verfahren und Furcht mit Furcht zu vertreiben ist, wird von ein-sichtigen Pädagogen aller Richtungen angenominen. Ein ernstes Wort, selbst eine Strafezur rechten Zeit, mag zwar angewandt werden, aber die Hauptsache wird bleiben, an-fangs die Anlässe möglichst zu vermeiden, auf physische und geistige Stärkung imallgemeinen hinzuarbeiten und sodann allmählig und mit möglichster Vermeidung neuer! Ausbrüche in der Gewöhnung fortzuschreiten. Noch gefährlicher als die Furcht ist der
i Schrecken, der nicht nur als acute Form der Furcht zu betrachten ist, sondern auch
eigenthümliche Ursachen und Wirkungen hat, die noch weit enger als die der Furchtmit der physischen Natur zusammenhängen. Schreckhaftigkeit kann ebensowohl Folgevon Schwäche sein, wie auch heftiger und namentlich wiederholter Schreck physisch zuGrunde richten kann. — lieber Furcht in physivl. und psychol. Hins. vgl. Domrich,psych. Zustände, Jena 1849. Lotze, medicin. Psychologie K 44» ff. Volkmann,Grundr. der Psych. 8 127. — Von älteren Pädagogen handelt über GespensterfurchtUnxkisns Voxius I, o. II. — Von Neueren vgl. Campe, Allg. Rev. II, S. 508bis 552. Schwarz, Erziehl. 2. Ausl. II, 212 ff. Beachtenswerth ist die Mittheil,in „Erziehungsresultate" Hannover 1857. S. 234 ff. — Vgl. die Art. Aber-glaube, Aengstlichkeit, Blödigkeit).*) A. Lange I.
Fußrcisen. (Vgl. A. Kapp, Die Gymnasialpädagogik im Grundrisse. 1841,S. 182—191; Baur, Grundzüge der Erziehungslehre. 3. Ausl. 1876, S. 234 sf.;Raumer, Gesch. d. Pädagogik, 1847. III, S. 217 ; Palmer, Ev. Pädagogik (4. Ausl.),S. 206 ff.; Schieber, Ein ärztlicher Blick in das Schulwesen. Leipzig, 1858;Derselbe, Die planmäßige Schärfung der Sinnesorgane. Leipzig, 1858). Guts-Muths Gymnastik für die Jugend ansgearbeitet vonF.W. Klump, 1847. S. 126—136.
Daß Fußreisen als Erziehungsmittel empfohlen werden, setzt, insoweit es sichdabei um Beförderung des Könnens handelt, Verhältnisse voraus, in welchen das Gleich-
*) Die Furcht vor wirklichen Gefahren kann dem Kinde nicht in jedem Falle erspart, sie sollnur durch Belehrung und durch dis Ruhe und den Muth der Erzieher gemäßigt werden. DasBeispiel ist auch in diesem Stücke von besonderer Wichtigkeit; wenn die Mutter bei jedem geringenLeiden, das sie trifft, seufzt und jammert, bei dem kleinsten Unfall, der dem Kinde droht oderzustößt, aufschreit, bei den Donnerschlägen des Gewitters erschreckt zusammenfährt u. dgl., so nimmtoder schwächt sie dem Kinde vielleicht auf sein Lebenlang jenen natürlichen Muth, der auch insittlicher Beziehung von unschätzbarem Werthe ist. — Am tiefsten steckt in dem natürlichen Menschen! die Furcht vor dem Tode, und ihre Bekämpfung fällt in gewißem Sinne mit der Aufgabe derErziehung im allgemeinen zusammen, sofern nämlich diese dazu helfen will, daß der natürlicheMensch in einen geistlichen umgewandelt werde. Dazu gehört nun auch, was Raumer (Gesch.d. Päd. III, b. S. 183) räth, die Kinder sollen beim Tode der Liebsten lernen, die Todten seiennun beim lieben Gott, durch den Tod gelange man in den Himmel zum Heiland, sie sollen schonfrühe die hierauf bezüglichen Bibelsprüche und die schönen tröstlichen Verse aus unfern alten Kirchen-liedern lernen, damit sie alle Thränen, die sie vergießen sehen, nur auf das schmerzliche Vermißen> der geliebten Seligen beziehen; weichmüthige Kinder weinen mit, denen, die nicht weinen, soll man! es nicht als Hartherzigkeit auslegen; der getroste Glaube der Kinder kann in solchen Fällen denAlten selber zum Tröste werden. — Eine weitere Art von Furcht, die Furcht vor der Strafe, istin dem Art. Strafen zu besprechen. D. Red.