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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Fürstenschulen.

Eltern ans Herz legt. Auch hier bewährt sich die Weisheit der Stifter darin, daß dieGrundzüge der discjplinellen Einrichtungen trotz vielfacher Modisicationen im einzelnendennoch bis auf den heutigen Tag stehen geblieben sind. Wenn man die ältesten Schul-gesetze*) betrachtet, so wird man überall Gottes Gebot als den Ausgangspunct finden,und den tiefsten Ernst, dasselbe auch im Kleinsten zu erfüllen, Demuth, Gehorsam, Be-scheidenheit, Züchtigkeit selbst im Aeußern darzustellen. Die Disciplin trug nach demCharakter der Zeit in den häufigen vorgeschriebenen religiösen Uebungen und in derBeschränkung der Freiheit, die sogar beim Essen das Anhören nützlicher Vorlesungenforderte, einen mönchischen Charakter,**) aber wer da weiß, daß Frömmigkeit, Selbst-überwindung, Entsagung, Pünctlichkeit und Ordnungsliebe die Grundpfeiler der Erziehungsind, der wird wohl hier und da die Wahl falscher Mittel tadeln, aber dem Willenund Streben die vollkommenste Anerkennung zollen, und selbst dem Streben allenKleiderluxus abzuschneiden. Die Fürstenschulen würden in der That einen frevelhaftenAbfall von dem Willen ihres Stifters begehen, wollten sie den Ernst der Zucht auf-geben, abgesehen davon, daß schon die Selbsterhaltung, was anderwärts pedantisch er-scheint, hier zu einem nothwendigen macht. Die Gemeinsamkeit des Lebens, welche jaauch so unendliche Vortheile gewährt, fordert von jedem Zöglinge zu ihrem Bestehendie Auferlegung eines Zwanges, das Versagen vieler Dinge, die anderwärts alsgleichgültig betrachtet werden können. Mag mancher Nachtheil einer so ernsten undstrengen Zucht nachgewiesen werden, die Heilsamkeit derselben wird durch überwiegendeZeugnisse bewiesen werden.***) Tyrannisch würde diese Strenge nur dann mit Rechtwerden können, wenn sie der Besserung keinen Raum gestattete; daß aber zu jeder Zeitauf den Fürstenschnlen die Langmuth geübt worden ist, welche den Fehlenden Zeit zurBesserung läßt, aber auch eine Zeit ihrer Erschöpfung fest hält, ist ebenso gewiß, wiedaß der Laune und Willkür stets ein fester Damm gezogen war. Unter den Strafenfindet sich zwar in der ältesten Zeit die daoulatic,, doch bezeugen alle Nachrichten, daßsie nur selten zur Anwendung gekommen ist. Entziehung der Wohlthat, also Ausschlußaus der Schule ist stets die härteste Strafe gewesen und unnachstchtlich geübt, wo ent-weder Verwirkung durch gemeine Vergehen oder die Gefährdung des Seelenheilesanderer und des Wohles des Ganzen eingetreten war. Die Strafen innerhalb derSchule sind zu allen Zeiten auf Entsagung und zugleich Auferlegung von einem nütz-lichen Thun berechnet gewesen. Tyrannisch würde ferner jene Disciplin genannt werdenkönnen, wenn sie nicht die Ueberzeugung zu gewinnen trachtete. Daß aber die älterenund bewährteren Schüler selbst zur Handhabung und Aufrechterhaltung der Ordnung alsJnspectoren, Obergesellen, Mittelgesellen verwendet werden, hat nicht nur den Ernstgemildert, sondern auch einen Geist erzeugt, der jene Ordnung als nothwendig erkennt,ja der die morss über die lsZos stellt oder die Beobachtung des Gesetzes als Sitteheiligt.fi) Doch will man mehr, so frage man die gewesenen Zöglinge der Fürsten-schulen, ob sie nicht, mögen sie auch während ihrer Schulzeit ein noch so heftiges

*) Palm a. a. O. S. 3038.

**) Daß schon von Anfang an der Zeitgeist gegen die Disciplin sich sperrte, steht man ausdem Urtheile, welches Joh. Cogeler und Petrus Vincentius um 1570 über die Meißner Schuleerstatteten: dlon xlaeult ratio dtisiiousis, guocl xropter uimiain OissiMuas soverioris rtgorosi-tatoiu moiiLlllios insirlsos potius ^uam viros politos atr^us Nootos prusstarst. S. Müllee 1.S. 70, wo aber auch die beifälligen Beurtheilungen Auswärtiger zu lesen sind. Daß auch dasVolk bei der Gründung der Fürstenschulen die Aufrichtung einer neuen Möncherei argwöhnte,darüber giebt Lorenz Bericht S. 21 urkundlichen Beweis.

***) Lange's Rede: Ne ssveritate Niseipllirus kortsnsis. Weichert: Ns autigua sclrolni-uiuproviuoialium Niseipliira siusPie salubrito-te. (Zilmiull. 1828; auch in Friedemanns Sammlungvon Schulreden abgedruckt.

fi) Wir verweisen auf unseren Artikel Alumnate, in welchem auch viele andere Einrich-tungen der Fürstenschulen, z. B. die Tntoren oder Verleger, Besprechung gefunden haben. Vgl.auch F. Ranke, Rückerinnerungen an Schulpforte. 1874.