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Fürstenschulen.
gesucht. Die Uebung in der deutschen Sprache blieb freilich lauge Zeit auf das Über-setzen aus den alten Sprachen beschränkt, doch wurde schon 1727 und 28 die Uebungder unteren Schüler in deutschen Briefen und das Achten auf die Reinheit der deutsche»Sprache bei dem Uebersetzen, bald auch die Correctur deutscher Aufsätze anempfohlen'schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann in Pforta der Professor N. Johan»Gottlieb Schmidt deutsche Literatur zu lehren. Für die neueren Sprachen wurde bereitsim vorigen Jahrhundert gesorgt (1724 ein französischer Sprachmeister in Meißen), auchseit 1719 Tanzunterricht ertheilt. Man kann daher nicht mit Recht behaupten, daß dieFürstenschulen neben den alten Sprachen alle anderen Elemente der Bildung ausgeschlossenhätten, wohl aber haben sie den elastischen Unterricht als den Kern und Mittelpuwtstets festgehalten und selbst mit tyrannischer Kraft. *) Ebenso ist es ein Jrrthum, wemman die philologische Gelehrsamkeit als das Ziel der Fürstenschulen hinstellt. IhrHauptverdienst ist vielmehr zu allen Zeiten darein zu setzen, daß sie nicht auf de»Unterricht, sondern auf das eigne Arbeiten der Schüler das größte Gewichtlegten. Schon die ältesten Ordnungen stellten überall Arbeitsstunden zwischen die Lectione»und ganze Tage zu dem eignen Studiren hin; die Emendation (die Zurückgabe undVerbesserung der gefertigten Arbeiten) nimmt immer einen bedeutenden Raum ei».Allerdings hatten hierbei die Fürstenschulen als Alumnate größere Mittel die Thätigkeitzu erhalten und zu überwachen, allein wir könnten auch Hunderte von Zeugnissen au-führen, welche darlegen, wie schnell der Geist den Zögling ergriff, mit welcher Lust ge-arbeitet wurde**) und zu welcher staunenswerthen Fertigkeit, in lateinischen Verse»z. B., es im allgemeinen gebracht wurde. Und hat etwa diese von manchen einseitiggescholtene Uebung, hat etwa diese im Leben keinen materiellen Vortheil gewährendeFertigkeit nicht die besten Früchte getragen? Ist sie nicht der einzige Grund der i»der ganzen Welt anerkannten Tüchtigkeit der Fürstenschüler? Wenn die Fürstenschule»daher in der Pädagogik einen anerkannt heilsamen conservativen Einfluß geübt habe»,so verdanken sie dies jenem Geiste, in dem sie gegründet wurden und der nie aus ihue»entschwunden ist, jenem gesunden, pädagogischen Grundsätze, der weit entfernt das Wisse»zu verachten, doch das Können, die Entwicklung und Stärkung der Kraft voranstellt,jenem in ihnen traditionell fortlebenden Grundzuge ihres Wesens, der jeden schnellergriff und forttrug. Nicht übergehen dürfen wir, wie viel zu der wissenschaftlichen Aus-bildung der Zöglinge jene gleich von Anfang getroffene Einrichtung, wonach die Obere»den Unteren Unterricht zu ertheilen haben, beitrug.
Neben der Lehre haben wir in den Stiftungsurkunden am Eingänge dieses Artikelsdie Zucht betont gefunden, das zweite Erziehungsmittel, welches Gottes Wort de»
*> Wenn im vorigen Jahrhunderte die Uebung in deutschen Versen und die Lectüre der Modi-schriftsteller für ein Verbrechen galt, so kann man vernünftigerweise darin nichts anderes schal,als wenn heutzutage ein Lehrer einen Schüler, den er dem Literatenthum statt einem ernsten Lebens-berufe entgegeneilen steht, mit allen Mitteln davon abzubringen sucht. Die Lesewuth unsemJugend sollte eine billigere Beurtheilung der Vergangenheit vermitteln. Man braucht übrigensnur auf die Valediction Klopstocks bei seinem Abgänge von Pforte hinzuweisen, um den Beweiszu liefern, daß die Fürstenschulen ein wahres inneres Streben nach dem Höchsten nicht tödtete»,sondern hoben. Wenn Danzel im Leben Lessings dem Pedantismus der Meißner Schule manchesin dessen späterem Leben zuschreibt, so muß man dagegen in die Wagschale werfen, wie viel de»»der große Geist eben dadurch gewonnen.
**) Es genüge eine Aeußerung Klopstocks aus einem Briefe an den Rector Heimbach (Schmidtund Kraft S. 81): „Die Pforte bekommt, wie ich höre, noch 6 Lehrer und ein neues Schubgebäude. Werden jene in den Repetirstunden (d. h. Arbeitsstunden) vorgeschriebenen Unterrichtgeben? Oder wird den Schülern, wie sonst, freistehen, nach eigener Wahl zu arbeiten, sollte eiauch zuweilen nur wenig sein? Wenn im ersten Falle das Lehren in einem fort geht, und da»»die Repetirstunden eingehen, so wird die Pforte ein Pädagogium und es ist, fürchte ich, bald auSmit ihr." Vgl. auch die Aeußerungen von Thiersch und Döderlein in den pädagogischen Verhand'lungen der Philölogenversammlung zu Stuttgart.