^ Fürstcnschulen. 763
gebildet und befestigt werden müßen. Daß die Behörden zu aller Zeit für würdigeBesetzung der Lehrerstellen Sorge getragen, lehrt die Geschichte der Fürstenschulen.
! Mancher bedeutende Name glänzt unter denselben. Aber es ist auch ebenso gewiß, daßes Zeiten gegeben hat, wo die Lehrer weder als Gelehrte noch als Pädagogen besondersausgezeichnet waren, und dennoch haben die Schulen geblüht. Sie verdankten diesihren eigentümlichen Einrichtungen. Diese bildeten stets einen Gegenstand der Auf-merksamkeit der Behörden. Die Schulordnungen von Kurfürst August (1. Jan. 1580),von Christian I. (25. Febr. 1588), von Christian II. (von 1602)*) beweisen dasBestreben die Schulen immer mehr zu vervollkommnen. Der jeder Schule vorgeordneteadelige Jnspector — erst in diesem Jahrhundert wurde dies Amt in Wegfall gebracht —übte eine stete Aufsicht namentlich über Disciplin und Verwaltung und dazu kamen seitI6S4 jährliche Visitationen, meistens durch Universitätsprofessoren gehalten.**) Zwarwurde 1700 die Regelmäßigkeit derselben aufgehoben, aber die Sache noch häufig durchMitglieder des Oberconsistoriums geübt. Wenn auch einige Verordnungen vieles inden Schulordnungen veränderten, so wurde doch erst 1773 eine umfassende neue Schul-ordnung erlassen.***) Doch wurden auch später noch, namentlich durch Reinhard, viel-W jache Verbesserungen, besonders in Bezug auf Anpassung des Lehrgangs an die For-Mderungen der Zeit, Vermehrung der Lehrkräfte, Classeneintheilung und Disciplin vor-^ genommen;)) jetzt gelten für die Fürstenschulen dieselben Bestimmungen, wie für alle«Gymnasien. Gehen wir die vorhandenen Lectionspläne durch, so finden wir die Fürsten-k,;, schulen mit den meisten für wohl eingerichtet geltenden Gelehrtenschulen der jedesmaligenMZeit in Einklang (S. die Beilagen Lei Palm a. a. O-). Theologische und elastischeH Studien überwiegen anfänglich die nur spärlich bedachte Mathematik, während der Ge-sang eine ausreichende Berücksichtigung findet, dann aber Logik und Dialektik stark be-trieben. Die mathematischen Studien fanden zuerst ernste Beachtung. In Meißen ward1724, in Pfvrta 1725, in Grimma 1726 ein eigener Lehrer dafür angestellt. DasBedürfnis des Geschichtsunterrichts wurde im Anfänge des 18. Jahrhunderts tief ge-^ fühlt))) und bald seit 1727 durch geographische und geschichtliche Lectionen zu befriedigen
mung, daß wenn die Eltern die Unmöglichkeit einer genügenderen Vorbildung Nachweisen können,eine Aufnahme snb eomtitione, d. h. mit der Forderung, daß in einer bestimmten Zeit das Feh-lende nachgeholt werde, statt zu finden hat. Auch die Bedingung, den Schulcursus innerhalb6 Zähren zu vollenden, wird vielfach mild geübt. Wenn aus mehreren zum Genüße einer Stelleeiner zu erlesen ist — dies Certiren kommt nur bei den Koststellen vor, wenn vom Ministeriummehr zur Anwartschaft zugelassen, als Stellen vorhanden sind — so wird bei der Aufnahme-prüfung doch vor allem die Frage, ob die Reife überhaupt vorhanden sei, beantwortet und der-jenige, welcher dann auch nicht die Stelle erhält, findet doch in der Regel Aufnahme, wenn auchzeitweise mit höherer Bezahlung. Die königl. Freistellen werden stets nur solchen verliehen, welchebereits recipirt sind. (Anders bei den Württemberg. Seminaren, vergl. d. Art. Klosterschulen,sowie den Art. Landexamen.)
*) Die ersten findet sich in dem 6o4sx ^ugustvus p. 574—94; auch die beiden anderen findmehrmals abgedruckt.
**) Müller I. S. 113—16.
***) Erneuerte Schulordnung für die kursächsischen drei Fürsten- und Landesschulen. Dresden! 1773. 160 S. 8. Sie ist hauptsächlich das Werk I. A. Ernestis (vgl. d. Art.) und verdient als! eine vollständige Gymnasialpädagogik des vorigen Jahrhunderts alle Beachtung. Der heilige Ernst,der sie durchdringt, kann noch jetzt vielen zum Spiegel dienen.
)) Während ursprünglich nur Ober- und Unterlection unterschieden wurden, erhielt später derCötus eine vielfältigere Gliederung. Jetzt haben die Sächsischen Fürstenschulen jede 4 Classen mit17- jährigen Cursen, Pforte 5 Elasten, 4 mit einjähr., Prima mit 2jähr. Curs. Die 1801 er-; folgte Anstellung von Collaboratoren hat sich als mit den ursprünglichen und traditionellen Ein-i Achtungen nicht harmonirend nicht bewährt; man mußte vielmehr die Erfahrung machen, daß nurmit der vollen Auctorität bekleidete Lehrer auch gut zu wirken im Stande seien. S. Kirchner imProgr. 1843 S. 69 ff.
))) Müller I. S. 39.