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Fiirstenschulc».
schulen ist eine bedeutende Thatsache in der Geschichte der Reformation, indem sie dieerste aus dem Herzen und Geiste der evangelisch-lutherischen Kirche hervorgegangene,zu ihrer Stützung, Förderung und Erweiterung gegründete Schöpfung sind. Den evan-gelisch-lutherischen Charakter, der von vornherein ihr Wesen war, haben sie fort undfort bewahrt.*) Und schon an und für sich mußte eine Stiftung, welche einer großenZahl junger unbemittelter Knaben die Mittel zur wissenschaftlichen Ausbildung gewährte,als ein Werk eben so hochherziger christlicher Liebe, wie tiefer staatsmännischer Weisheitanerkannt werden. Für die Geschichte der Pädagogik hat sie aber auch noch die Bedeu-tung, daß dem längst gefühlten Bedürfnis einer gründlichen Vorbereitung für daseigentlich wissenschaftliche Studium der Universitäten eine festgeregelte und umfassendeBefriedigung zu Theil wurde. Die sächsischen Fürstenschulen haben nun auch stets sicheines großen Ansehens in der pädagogischen Welt zu erfreuen gehabt, sie sind häufigals wahre Musterschulen bezeichnet worden und im eigenen Vaterlande hat man sich desSegens, den sie gestiftet, mit frommer Dankbarkeit stets gefreut. Es ist nicht diesesOrts, eine ausführliche Geschichte der drei Anstalten zu geben, wohl aber in möglichsterKürze die Ursachen, worauf ihre Bedeutsamkeit beruht, darzulegen.
Die Stürme der Zeit haben die drei Landesschulen nicht unberührt gelassen, diegewaltigen Kriege, welche ans Sachsens Gebiete geführt wurden, haben ihr Bestehenmehr als einmal gefährdet,**) die Streitigkeiten in Glaubenssachen wie Zerwürfnisseunter den Lehrern haben zu Zeiten eben so ihr Inneres, wie gewissenlose Verwaltungihr materielles Bestehen gefährdet, aber sie haben gerade auch dann die gnädige Be-wahrung Gottes und die treue Fürsorge der Landesfürsten und der denselben vertreten-den Behörden — nach dem Uebertritt Friedrich Augusts zur katholischen Kirche: desevangelischen Kirchenraths — in reichstem Maße erfahren. Ihr Aeußeres hat sich viel-fach durch Umbauten und Erweiterungen, aber immer nur zum Bessern verändert,***) unddie zu ihrer Erhaltung gestifteten Mittel sind vermehrt und vergrößert worden. Frei-lich ist manches, was ursprünglich beabsichtigt war, unterblieben oder unterlassen worden,die gänzliche Unterhaltung der Alumnen selbst mit Kleidernf) und Büchern ist späterhinweggefallen, aber dagegen die Zahl der Stellen allmählich erhöht und erweitert wor-den, ff) Alle drei Schulen sind in herrlichen Gegenden gelegen, kurz alle äußeren Be-
*) Katholiken können nicht zum Genüsse einer Stelle gelangen.
**) Der 30jährige Krieg hat mehrmals die völlige Schließung nöthig gemacht. Bei demEinfalle des Schwedenkönigs Karls XII. verhütete nur ein später hochherzig in eine Stiftung ver-wandelter Vorschuß des Herrn Wilh. Ernst Bernh. Vitzthum von Eckstädt die Nothwendigkeiteiner Schließung von Grimma und Meißen. Der 7jährige Krieg traf am härtesten Meißen, ließaber auch die beiden anderen Schulen nicht verschont. Glücklicher wurden die Gefahren währendder Napoleonischen Kriege abgewandt.
***> Als eine gnädige Bewahrung Gottes muß es erkannt werden, daß kein Brandunglückdie Landesschulen getroffen hat, und daß selbst solche Unfälle, wie der Einsturz des SpeisesaalsjUomxtsr) in Pforta, den Verlust keines Menschenlebens gekostet haben (Schmidt u. Kraft S. 62 f.)
f) Bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts blieb eine vorgeschriebene Tracht, ein kurzer Man-tel (8ebolnoa, daher Schalaune). Die hohe runde Mütze (der sogenannte Spanier in Pforta)wich zuerst dem Hute.
ff) Die ursprünglich beabsichtigte Zahl siehe oben. Bei der Stiftung wurde denen, welcheein geistliches Lehen im Betrag von jährlich 25 fl. zu vergeben gehabt hätten, das Recht, einenKnaben zu einer Stelle in den Landesschulen zu präsentiren zugesagt. Die vielfachen Veränderun-gen im Laufe der Zeit übergehend, theilen wir das jetzt Bestehende mit. In Pforta bestehenlaut der Bekanntmachung des Kgl. Provincialschulcollegiums zu Magdeburg vom 20. Febr. 1858140 Freistellen, 20 alte Koststellen (deren Inhaber zu den Kosten der Verpflegung einen Beitragzu leisten haben), 20 neu fundirte Koststellen, 20 Extraneerstellen. Von den Freistellen sind 60königliche, eine (die Organistenstelle) wird von dem Rector verliehen; 69 haben Städte, 5 dasDomstift Naumburg, 5 adelige Familien zu verleihen. Bei der Aufnahme werden 10 Thlr. 25 Sgr.nebst einem freiwilligen Beitrag zur Bibliothek entrichtet, beim Abgang 10 Thlr. 17'/- Sgr.,sonst nach den Vermögensverhältnissen jährlich 6, 8,MO, 12, 14 Thlr. Beitrag zur Schulkaffe,