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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Frühreife.

scheu Predigers zu Schwabach im Anspachischen, sprach am Schluß seines dritten Lebens-jahres geläufig lateinisch, französich und deutsch. Später lernte er, zum Theil durchSelbststudium, griechisch, hebräisch, syrisch und chaldäisch, trieb Philosophie, Mathematik,Astronomie und Kirchengeschichte, trat im dreizehnten Jahre als Schriftsteller auf, starbaber schon (1740) an der Schwindsucht, als er sein Leben auf 19 Jahre gebracht hatte.Auf den ersten Blick ist hier gegen Mozart nur Verschiedenheit, es scheint das Urbild krank-hafter Frühreife der gesunden gegenüberzustehen; allein die Sache gestaltet sich bei näheremZusehen etwas anders. Auch in dem jungen Baratier fand sich, wie aus vielen Zügenseiner Biographie hervorgeht, eine ungewöhnliche Kraft und Selbständigkeit des Geistes.Auch kann man von ihm, wie von Mozart sagen, daß seine Entwicklung ihre Norm inseiner eigenen Natur gehabt habe; die Bemühungen des Vaters um ihn waren freilichbedeutend, allein bei weitem das Meiste kam aus eigenem Streben. Er war frühproductiv, allein seine Products konnten aus Mangel an Zeit und Ruhe nicht zurReife gelangen. Das Lebenstempo, welches sich bei Mozart nur wenig beschleunigtzeigt, nimmt hier die Form der rasenden Hast an; ein Studium jagt das andere, einPlan zu umfassenden Untersuchungen den andern. Das Ergebnis hiervon war einefrüh sich einstellende greisenhafte Skepsis, die doch immerhin ebenfalls wieder ein Zeichenvon Originalität bleibt. Man gebe einem solchen Geiste mehr Körperkraft, mehr Ruheund jene weise, mäßigende und ernsthafte Leitung, die Mozart bei seinem Vater genoß,und es würde wohl eine Frucht sich ergeben, die noch in anderer Hinsicht als der derFrühreife glänzte. Baratiers Vater erzog dem Kleinen die Frühreife nicht an, aber erstachelte sie. Elfteres wirft ihm der Prediger Witte vor, während es in der Thaiweit mehr auf ihn und die Erziehung seines Sohnes Karl paßt (Erdgeschichte I, 350).Die letztere gewährt uns wieder ein ganz anderes Bild, eine völlig verschiedene Com-bination der bei der Frühreife wirksamen Factoren. Der Knabe K. Witte war schonvor seiner Geburt bestimmt, ein ausgezeichneter Mensch zu werden. Es sollte an ihmder Satz bewiesen werden, daß jeder wohlorganisirte Mensch ein ausgezeichneter werdenkönnte, wenn er die geeignete Erziehung fände. Der Vater, ein Prediger, dem seineUmstände viel Zeit und Freiheit ließen, war Erzieher von Fach gewesen, er theilte dieSchwächen der Pädagogen jener Uebergangszeit von Basedow zu Pestalozzi, allein erwar jedenfalls in einem ganz seltnen Grade Meister der pädagogischen Technik undbefolgte namentlich auch hinsichtlich der physischen Erziehung vernünftige Grundsätzemit äußerster Sorgfalt. Die Anlagen des Sohnes, an dem jene Probe gemacht wurde,waren, wenn auch nicht mittelmäßig, wie ein Freund des Vaters sie nennt (I, 24), sodoch auch keineswegs ganz außergewöhnlich. Das Experiment hat insofern alle erforder-lichen Bedingungen gehabt und bleibt für Pädagogik und Psychologie äußerst werth-voll. Das Resultat war der bewunderungswürdigste Fortschritt ohne Hemmung derGesundheit bis zum sechszehnjährigen Doctor der Jurisprudenz und der Philosophie;späterhin Stillstand. K. Witte lebt noch jetzt als Professor des Rechtes in Halle. Diefrühe Reife hat ihm nichts genützt, als daß er durch sie einen Namen erhielt und einigeJahre früher da anlangte, wohin auch andere kommen können; was sie geschadet hat,ist schwer zu übersehen. Ein bemerkenswerther Zug, der Baratier und K. Witte ge-meinsam ist, ist der ungewöhnlich lange Schlaf von 1012 Stunden bis in dasJünglingsalter: offenbar ein Ersatz für die außergewöhnliche Anstrengung der jugend-lichen Denkkraft. Bei Christ. Heinr. Heinecke, dem Lübecker Wunderkind (geb. 1521ktrat offenbar verfrühte natürliche Reizbarkeit mit methodischer, aber nicht vernünftigerAusbildung durch den Vater zusammen. Es ergab sich die Merkwürdigkeit eines Kindes,das mit 5 Jahren eine lateinische Rede hielt, dabei noch die Mutterbrust genoß undbald darauf über der Entwöhnung starb. Als zu Tode erzogen kann man wohl auchdie Söhne Quintilians betrachten (vgl. die ziemlich ausführl. Erzähl, in inst. or.6. VI. xroosm., wozu Anm. bei Oolomsrius). Eine große Reihe älterer Beispielefindet man namhaft gemacht bei Oronius äo sruäitions oowxaranäu I.UAÜ. Lut.1699. x. 37 u. ff. in einer Anmerkung zu loaoil. Oanwrar. xrasosxta vitao xusillis.