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Frohsinn, Heiterkeit.
4) Im Spiele, wo die jugendliche Phantasie sich freithätig und schöpferisch eineWelt gestaltet, findet der Frohsinn seine liebste Bethätigung. Mit der Spielfreiheitwürde auch die Spielfreudigkeit unterdrückt. Darum sollen die Erwachsenen jene nichtschmälern, das Spiel fördert die Arbeit, weil es den jugendlichen Geist munter undfrisch erhält und das Gleichgewicht in seiner Thätigkeit wieder herstellt. Aber umgekehrtmuß auch die Arbeit das Spiel würzen; ohne sie würde es den Reiz verlieren. Darumtrage man nicht das Spiel in die Arbeit hinein; auch das Kind schon verlangt nachfestbestimmter Thätigkeit und freut sich der größten Anstrengung, wenn sie seine Kräftenicht übersteigt. Ein tändelnder spielender Unterricht ohne den Ernst der Arbeit würdegeradezu den Frohsinn untergraben. Im Ueberwinden von Schwierigkeiten, wo jedesGelingen das freudige Gefühl erhöhter Kraft*) gewährt und zu neuer Anstrengungtreibt, sprudelt eine unversiegbare Freudenquelle. Die Jugend, die nicht arbeiten ge-lernt hat, wird schwerlich auch recht beten lernen und jenen höheren geistigen Ernstgewinnen, ohne welchen Freude und Fröhlichkeit zu bloß sinnlicher Lustigkeit werden. Daßes unserer Jugend vielfach an der rechten Spiellust und Frohmüthigkeit gebricht, hatgewiß nicht seinen Grund darin, daß wir ihr zu viel Arbeit zumuthen; viel eher darin,daß wir ihre Thätigkeit zu sehr zersplittern und an ruhiger Vertiefung hindern, daßwir ihre Geistesentwicklnng verfrühen und sie die Genüsse späterer Altersstufen anticipirenlassen. Die Hast und Unruhe und Disharmonie unseres Gesammtlebens wirkt auchhier ein.
5) Je mehr das Kind an geregelte Beschäftigung und fleißige Arbeit gewöhntwird, desto seltener werden auch Laune und mürrisches Wesen sich geltend machen, unddesto leichter wird es dem Erzieher, Uebellaune und Schmollen zu beseitigen; keinenfallsdarf er solchen Stimmungen sich selbst überlassen, sondern er muß sie von der morali-schen Seite fassen als Pflichtverletzung, wodurch der Friede und die Harmonie der Um-gebung gestört wird, und die Selbstthätigkeit wach rufen, welche die schlechte Launemuthig bekämpft und überwindet. (Vgl. Schreber „Kallipädie" S. 130).
6) Verdrießlichkeit und Trübsinn wirken ansteckend; Kinder folgen dem Beispiele auchhier und stimmen sich auf den Ton ihrer Umgebung. Darum haben Eltern, Lehrerund Erzieher vor allem zu sorgen, daß sie selber sich leiblich und geistig frisch erhaltenund die Heiterkeit des Gemüths sich wohl bewahren. Salzmann stellt in seinem „Amei-senbüchlein" als erste Forderung an den Erzieher: Sei gesund! und läßt als zweitefolgen: Sei heiter! Der kränkliche Lehrer und Erzieher fühlt seinen Zustand zu sehrim Contrast mit der Lebensfrische und Lebenslust der Jugend, als daß er freudig ihrenBewegungen zu folgen und theilnehmend sie zu leiten vermöchte. Darum sollten Lehrermindestens der Nahrungssorgen enthoben sein und nicht durch Privatstunden und sonstigeNebenarbeiten in die Nothwendigkeit versetzt werden, sich die frische Lehrkraft für dieSchule zu schwächen. Uebrigens thnt es leibliches Wohlsein für sich allein auch nicht;
Rede über den jugendlichen Frohsinn (Neue Jahrbücher f. Pädagogik, 1851, 1) hat auch aufdiesen Punct Rücksicht genommen, setzt dann aber hinzu: „Inniges Mitleid mit einem Knaben,welcher nur aus Mangel an Lebenskraft vom frohen Kreise seiner Altersgenossen sich zurückziehtund die Einsamkeit oder den Umgang Erwachsener sucht: ganz gegen die Natur, gleichviel ob eineitles Streben nach Altklugheit zu Grunde liegt oder feige Furcht vor den Genossen, weil ein un-gebundener Jugendkreis den Feind nicht schonen will, den Freund nicht schonen darf. Er versäumteine nothwendige Entwicklung seines Selbst, während sein heiterer, geselliger Mitschüler streitendseine Kräfte übt."
*) Vgl. den Art. „Arbeit" (Bd. I, S. 197). Doch auch zu beherzigen, was Herbart (UmrißPäd. Vorlesungen, 2. Ausl. S. 79) bemerkt: „So schädlich ein durchgehends tändelndes Benehmenist, wenn es einen ernsten und gründlichen Unterricht verdrängt: so nöthig ist es oft in Fällen,wo etwas nicht schwer ist aber schwer scheint, den Lehrling durch ein gewandtes und heiteres, fastspielendes Vorzeigen dessen, was er nachahmen soll, in Gang zu bringen; wogegen unnütze Um-ständlichkeit und Schwerfälligkeit schon durch die Langeweile, die sie erzeugt, auch das Leichtestemisrathen macht."
Pädag. Sncyklopädie. II. 2. Aufl.
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