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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Frohsinn, Heiterkeit. Frühaufstehen.

der Schwerpunct der Heiterkeit liegt in der Freiheit des Gemüths. Die Arbeits- undBerufsfreudigkeit des Lehrers vermag auch körperliche Schwächen zu überwinden; sie istdie erwärmende und belebende Sonne, der sich die Schülerseelen fteudig öffnen und i »deren Strahl sie mit Lust auch das schwerste Werk vollbringen. Wir dürfen nicht ver- lkgessen, daß der Frohsinn einerseits aus dem Gefühl der frei und frisch von Statten Igehenden Thätigkeit Leibes und der Seelen entspringt, andrerseits auch wieder zuinHebel wird für eben diese Thätigkeiten, daß die Freudigkeit des Gemüths alle Functionenunseres Organismus lebhafter, elastischer, wirksamer macht.

7) Wie verhält sich der jugendliche Frohsinn zum Ernst des christlichen Lebens?

Es giebt zarte fromme Seelen, aber auch starre Rigoristen, die in einer finsteren Lebens-ansicht befangen in der Jugendlust, weil sie mitunter tobt und lärmt, etwas anstatt- >Haftes wo nicht sündliches erblicken, die auch dem Kinde schon das Sündenbekenntnis !und den Bußernst der Erwachsenen zumuthen und sich nur abweisend und verbietend ^zur heiteren Lebhaftigkeit der Kinder verhalten.*) Diese übersehen ganz, daß sich die tJugend erst in die Welt hineinbilden, in der frohen Hingabe an das gegenständlich -Sein den Geist entwickeln und stärken muß, damit er zu jener Kraft gelange, welch >sich auch der Welt entgegenzusetzen und sie innerlich zu überwinden vermag. Den Froh- ,sinn der Jugend dämpfen oder gar tilgen wollen, hieße ihre Werdelust hemmen, ihre« ?Lebenssaft verstecken, ihre Federkraft abspannen. Wem die Heiterkeit der Jugend ge- ,trübt und vergällt wurde, dessen Gemüth wird für die ganze Lebenszeit etwas schweresund gedrücktes behalten er ist flügellahm geworden. Jeneunbefangene Glückselig- !keit" (vgl. Rothe Ethik. III, S. 700) der Kinderjahre ist ein warmer Lebenshauch >der noch im spätesten Mer sich spüren läßt und sich freundlich mit der Stimmung !christlicher Liebe eint, die, obwohl auf tiefstem Ernste ruhend, in ihrem Wesen dochdurch und durch heiter ist. A. W. Grube.

Frühaufstehen. Die Zeit des Aufstehens am Morgen bedingt die Einthcilung ;des Tages. Es wurden im vierzehnten Jahrhundert in Paris alle Läden um 4 Uhr -geöffnet, jetzt um 7 Uhr. Damals dinirte Frankreichs König um 8 Uhr des Morgens, ;unter Heinrich VIII. wurde um 7 Uhr gefrühstückt und um io das Mittagsmahl ge- ,halten. Jetzt ist in vielen Städten 4, 5 oder 6 Nachmittags die Stunde des Mittag- ^essens und die Morgenstunde beginnt nach 7. Das ganze Geschäfts- und Familienleben !verschiebt sich nach der Zeit des Aufstehens. Das Frühaufstehen der Kinder ist ^durch das der Eltern und deren Lebensweise bedingt. Da die letztere durch Ort und jBerufsarbeit u. s. f. bestimmt wird, so ergiebt sich eine große Verschiedenheit der Lebens-weisen, wie denn schon ein Unterschied zwischen dem Stadt- und Landleben augenfälligist. Von dem Berufe und Stand der Eltern ist das Aufstehen zur Tagesarbeit ab-hängig, und davon wieder das Aufstehen der Kinder. Jedoch ist auch das Alter maß-gebend. Ein Kind von 1 Jahre hat viel mehr Schlaf nöthig, als das von 6, Uoder 16 Jahren. Außerdem ist zu beachten die Körperbeschaffenheit der Kinder selbst,ihre Nahrung, geistige und körperliche Anstrengung. Es läßt sich deshalb keine allge-meine Norm der Schlafzeit aufstellen. Ziehen wir die Zeit in Betracht, worin dieKinder schulpflichtig werden. Es ist sehr begreiflich, daß Kinder, welche iw4 Uhr aufstehen und vor der Schule 3 Stunden arbeiten, um zehn Uhr schläfrig sind.

Es sollte sich also das Frühaufstehen während der Schul- und Studienzeit nach deinBeginn des Unterrichts und der Vorlesungen richten oder umgekehrt. In Städte«,

*)Das viele Bußpredigen, das viele Reden von den Sünden der Menschen im allgemeine«giebt nur einen hohläugigen widerlichen Ernst, dem es an Trübheit nicht fehlt, dem aber dieTiefe abgeht, der wohl sauer aber nicht reinigend ist. Man wolle nicht schon die Kinder dieSünden schmecken lassen, welche sie erst künftig begehen werden, und die vierjährigen Blüte«-Menschen nicht schon mit dem Herbst bekannt machen, der sie erwartet, nachdem sie vierzig Zaftin der Ehe gelebt haben.' W. Harnisch, Frisches und Firnes III. S. 21 ff. vergl. den Art.Frömmigkeit.