Friedrich der Große.
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Denn Weckung des Nachdenkens und der Selbstthätigkeit war so recht eigentlich seinpädagogisches Princip. Er faßte dasselbe schroff und scheute sich nicht hinsichtlich desk Stoffes auf manchen Gebieten geradezu Oberflächlichkeit zu fordern, damit nur derUeberblick, das Urtheil, die Herrschaft des Subjectes über das Object erhalten werde.Und Friedrich vertraute der Erziehung viel, er muthete ihr viel zu. Ihm lag derGedanke fern, daß man, indem man dem Geist positive Nahrung giebt, die Entwicklungder Selbstthätigkeit großenteils der Natur überlassen dürfe. Friedrich wollte, daß seine^ Unterthanen räsonniren sollten und er verlangte, daß man es sielehre; wo möglichbis zum geringsten Bürger und Bauern herab, auf jeden Fall aber in den höheren. Ständen. Bei alle dem war er nichts weniger als pädagogischer Formalist. Unsreheutigen Formalisten ordnen den Inhalt der classischen Schriftsteller an directem Werthder Geistesarbeit des genauen grammatischen Verständnisses unter. Um das letztere istes Friedrich wenig zu thun. Er empfiehlt einen möglichst ausgedehnten Gebrauch von
; kleinen Städte, damit ein jeder lernt einen vernünftigen Schluß machen in seinen eigenen Sachen;; das muß sein. Die Lehrer mäßen sich auch mehr Mühe geben mit dem Unterricht der jungenM Leute und darauf mehr Fleiß wenden, und mit wahrem Attachement der Sache sich widmen; dafürD werden sie bezahlet, und wenn sie das nicht gebührend thun und nicht ordentlich in den Sachen' sind, und die jungen Leute negligiren, so muß man ihnen auf die Finger klopfen, daß sie besserattent werden. Die Rhetorik nach dem Quintilian und die Logik nach dem Wolfs, aber ein bischenabgekürzet und das Lateinische nach den Auctoribus classicis muß mit den jungen Leuten durch-gegangen werden, und so mäßen sie unterrichtet werden, und die Lehrer und Professores müßendas Lateinische durchaus wissen, so wie auch das Griechische; das sind die wesentlichsten Stückemit, daß sie das den jungen Leuten recht gründlich beibringen können und die leichteste Methodeausfindig zu machen wissen. Ihr müßet daher mit der Schulverbesserung in den großen Städtenals Königsberg, Stettin, Berlin, Breslau, Magdeburg rc. zuerst anfangen. Auch ist die Elisabeth-Schule zu Breslau, wo gute Leute gezogen werden, die hernach zu Schulmeistern genommenwerden können. Bei den kleinen Schulen muß erst angefangen werden, denn da wird der Grundgelegt; die jungen Leute mögen hiernächst auf einen Juristen, Professor, Secretär, oder was esist, studiren, so müßen sie das alles, auch Lateinisch wissen. Eine gute deutsche Grammatik, diedie beste ist, muß auch bei den Schulen gebraucht werden, es sei nun die Gottschedsche, oder eineandre, die zum besten ist.
Von großem Nutzen wird es sein, wenn die jungen Leute so in einem Schulhause beständigbeisammen wären, wofür die Eltern was gewisses bezahlten; so würden sie weit mehr lernen, alswenn sie zu Hause sind, wo sie die Eltern nur herum laufen lasten; wie im Joachimsthal, dakönnen sie gut studiren, da sind sie immer bei einander. Die Rhetorik und Logik ist für alleStände, alle Menschen haben sie gleich nöthig; nur muß die Methode des Unterrichts ein bischenreformiret werden, damit die jungen Leute besser lernen. Und wenn ein Lehrer oder Professordarin sich hervor thut, so muß man dann sehen, wie man dergleichen Lehrer auf eine Art avanta-giret, daß sie aufgemuntert und die andern gereizet werden, sich auch zu befleißigen, daß sie nichtso grob sind. Die Auctores classici müßen auch alle ins Deutsche übersetzet werden, damit diejungen Leute eine Idee davon kriegen, was es eigentlich ist; sonsten lernen sie die Worte wohl,aber die Sache nicht. Die guten Auctores müßen vor allen übersetzet werden ins Deutsche, alsim Griechischen und Lateinischen der Xenophon, Demosthenes, Sallust, Tacitus, Livius, und vomCicero alle seine Werke und Schriften, die sind alle sehr gut; desgleichen der Horatius und Virgil,wenn es auch nur in Prosa ist. Im Französischen sind es auch excellente Sachen, die müßenebenfalls übersetzet werden. Und wenn dann die jungen Leute was gearbeitet haben, so muß das! gegen die deutsche Uebersetzung gehalten, und ihnen gewiesen werden, wo sie Unrechte Wörter an-gebracht und gefehlet haben. Gegenwärtig geschiehet der Unterricht nur schlecht, und es wird nichtgenug Attention auf die Erziehung in den Schulen gewandt. Drum lernen die Kinder auch nicht- viel; die ersten Fundamente sind nicht nutze. Wer zum besten räsonniren kann, wird immer zumweitesten kommen, besser als der, der nur falsche Schlüsse ziehet. Für junge Leute, die beimCommerce gehen wollen, sind so ein Haufen gute Bücher, woraus sie das Commerce einer jedenNation in der ganzen Welt kennen lernen können; für Leute, die Officiers werden, ist die HistorieEhig; auch für andre Leute, und zwar muß solche gleich zum Anfänge gelehret werden, denncs sind Abrogos genug davon da. Anfänglich muß man sie nur kurz unterrichten, und bei denalten Zeiten nicht zu lange sich aufhalten, doch so, daß sie eine Kenntnis von der alten Ge-Vidag. LncyNopLdie. II. 2. Aufl. 47