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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Friedrich der Große.

höheren Unterrichtes, wo er doch ganz bestimmte und von dem Bestehenden vielfach !abweichende Ideale verfolgte, sich drückender und herabwürdigender Maßregeln enthielt,während er das Schulwesen für die unteren und mittleren Stände ganz den im Volkenatürlich vorhandenen Richtungen und Strömungen überließ. Aus diesen Strömungenentstand denn auch unter seiner Regierung das Realschulwesen (vgl. d. Art. Real-schule), das trotz der großartigen Anlage der Hecker'schen Anstalt, trotz der allgemeinenGunst, die es allenthalben beim Publicum genoß, damals doch noch nicht bestimmtwar, neben den Gymnasien einen eigenthümlichen Weg zur höheren Bildung aufzu-stellen, sondern lediglich dem Leben und seinen Bedürfnissen in möglichst directer Weisezu dienen. Es waren die Gymnasien, die Ritterakademien und die Universitäten,in deren Sphäre Friedrich der Große am meisten eigene Gedanken durchzuführen suchteund von den erstercn im Grunde wieder nur die größeren und berühmteren Anstalten:mit einem Worte die Bildungsstätten des Adels und der höheren Beamtenwclt. Auchdie häusliche Erziehung und zwar sowohl des weiblichen als des männlichen Geschlechtesin diesen Ständen beschäftigte ihn, namentlich in der zweiten Hälfte seiner Regierung,sehr lebhaft. Er verspottete jene vornehme Jugend, die statt den alten Germanen zugleichen, sich verweichliche und in Nichtsthuerei vergehe; die Circassier mögen ihreTöchter zu allen Künsten der Coketterie abrichten, um sie desto theurer an den Groß-herrn zu verkaufen, nicht aber der Adel eines freien und gebildeten Volkes. Ein jungesMädchen möge sich an weiblichen Arbeiten, Musik und Tanz ergetzen; aber vor allem 'solle man ihren Geist bilden, ihren Verstand an solide Kost gewöhnen, sie im Haus- )halt unterrichten. Von den Gymnasien vermuthet Preuß (III. S. 118), daß der iKönig sie wohl nicht recht gekannt habe, allein dies geht aus der von ihm erwähnten !Stelle der lsttrs sur l'ckäuoution nicht hervor. Der König nennt einige der größten 'Gymnasien und bemerkt, daß sie tüchtige Lehrer besitzen und daß der einzige Vorwurf,den inan ihnen machen könne, zu einseitige Hebung des Gedächtnisses auf Kosten desSelbstdenkens sei. Man kann nicht annehmen, daß Friedrich auch bei größerer Detail-kenntnis und Autopsie, die ihm freilich fehlte, dies Urtheil würde geändert haben*).

*) Wir geben hier die schon Bd. I. S. 257 von uns citirte wichtige Cabinctsordre Friedrichsihrem ganzen Wortlaute nach wieder. Sie ist zuerst gedruckt in: Fr. Nicolai, Anekdoten vonKönig Friedrich II., 5 Heft, S. 3340 (1791), dann unter dem Titel: Schreiben vom 5. Setzt.1779 an den Etats-Minister Freiherrn von Zedlitz in den Oeuvres Vol. XXVII., 3. partioS. 253257, und lautet:

.Mein lieber Etats-Minister Freiherr von Zedlitz. Da ich gewar geworden, daß bei de»Schulanstalten noch viele Fehler sind und daß besonders in de» kleinen Schulen die Rhetorik undLogik nur sehr schlecht oder gar nicht gelehrt wird, dieses aber eine vorzügliche und höchst not-wendige Sache ist, die ein jeder Mensch in jedem Stande wissen muß und das erste Fundamentbei Erziehung junger Leute sein soll. Denn wer zum besten räsonniret, wird immer weiter kommenals einer, der falsche Consüquences ziehet; so habe Euch hierdurch Meine eigentliche Willens-Meinung dahin bekannt machen wollen. Wegen der Rhetorik ist der Quintilien, der muß ver-deutschet und darnach in allen Schulen informiret werden; sie müssen die jungen Leute TraductiovSund Discours selbst machen lassen, daß sie die Sache recht begreifen, nach der Methode deSQuintilien; man kann auch ein Abr6g6 daraus machen, daß die jungen Leute in den Schulenalles desto leichter lernen; denn wenn sie nachher auf Universitäten sind, so lernen sie davonnichts, wenn sie es aus der Schule nicht schon mit dahin bringen. Zum Unterricht in der Logikist die beste im Deutschen von Wolfs; solche ist wohl ein bischen weitläuftig, aber man kann si«abrsgiren lassen. Die ersten Schulen sind immer Schuld daran, wenn die jungen Leute nichtslernen; die Lehrer lassen die jungen Leute nicht selbst arbeiten, sondern sie herum laufen, und halte«sie nicht genug zum Lernen an. Lateinisch müssen die jungen Leute auch absolut lernen, davon geheIch nicht ab; es muß nur darauf raffiniret werden, auf die leichteste und beste Methode, wiesden jungen Leuten am leichtesten beizubringen; wenn sie auch Kaufleute werden, oder sich zu mSanderm widmen, wie es auf das Genie immer ankommt, so ist ihnen das doch allezeit nützlichund kommt schon eine Zeit, wo sie es anwenden können. Im Joachimsthal und in den ander«großen Schulen muß die Logik durchgehends gründlich gelehret werden, auch in den Schulen der