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Freundschaft, Jugeudfreundschast.
Flamme werden läßt und daß darum auch der Freundschaft junger Mädchen die Gutfür die großen Interessen der Nation und Menschheit nicht fremd ist. Namentlich aberist es der Christenglaube, der in der Zeit des geistlichen Werdens, etwa unter demEinfluß eines gemeinsamen geistlichen Führers, zur innigsten und edelsten Freundschaftzwischen Jungfrauen führt und in späterer Zeit dieser Freundschaft durch gemeinsame kArbeit für Arme und Alte, für Kinder und allerlei Hülfsbedürftige Nahrung giebt.
Zwischen jugendlichen Angehörigen beider Geschlechter sind wahre Freundschaftennicht unmöglich, aber nur in sehr seltenen Fällen wird es geschehen, daß sich nichtetwas geschlechtliches in die Neigung mit einmischt. Denn es wird kaum anders ge-schehen können, als daß jede Annäherung zwischen jugendlichen Personen beiderlei Ge-schlechts, die zu einem Bestimmten in der Liebe noch nicht gekommen sind, die Fragehervorruft, ob dies Bestimmte jetzt nicht werden solle.
Der Werth der Jugendfreundschaft scheint durch die Betrachtung sich zu ver-mindern, daß sie häufig von kurzer Dauer ist. Es ist nicht zu leugnen, daß, weil diedauernde Lebensanschauung und Gesinnung erst dem Manne als reife Frucht der ge-sammten Entwicklung des jugendlichen Alters zufällt und meistens nur in der Hitzeherber Lebenserfahrungen reifen kann, der Mann sich oft mit den schwärmerischstenFreunden seiner Jugend auf ganz verschiedenen Bahnen sieht. Und namentlich wenndie Jugendfreundschaft ohne Bekehrung zu Christus verlaufen war, muß eine Scheidung jeintreten, sobald der eine auf diesem Grunde sich gründet, der andere zurückbleibt !Aber dem Zurückbleibenden kann die Freundschaft zu dem, welcher Christum erkannt -hat, noch einst die Handhabe werden, bei welcher die Gnade ihn ergreift. Und der ,zur Erkenntnis Gekommene kann, wenn es einst wirkliche Freundschaft gewesen ist, nichtauf sie als ein Werthloses zurückblicken, sondern wie er überhaupt in der Idealität ^seines Jugendlebens den Zug des Vaters zum Sohne erblicken muß, so auch in derFreundschaft, in welcher das ideale Leben eine reiche Quelle hatte. Die wechselseitigepersönliche Werthschätzung aber kann beide dazu treiben, sich nicht aufzugeben, sonder» ^in Liebe zu ringen, bis sie sich aufs neue in dem gefunden haben, in welchem der -Mensch erst zu seinem wahren Werthe kommt. Darum muß sich der, welcher für die ^Erziehung der Jugend Interesse hat, immer freuen, wenn er irgendwo Jugendfreund- !schaft in frischer Blüte stehen sieht. Man sagt, sie gedeihe heute nicht mehr wie vor ^Zeiten. Und es mag wahr sein, daß der oberflächliche, prosaische, industrielle, mate- ,rielle Geist unsrer Tage eine sehr ungünstige Luft ist für das tiefe, warme, poetische, ^idealische Leben der Jugendfreundschaft. Doch ist gewiß nicht bloß Verlust auf der !Seite unsers Zeitalters. Haben die Jugendfreundschaften abgenommen, die ihre Nah- ^rung besonders aus dem Reiche der Poesie zogen und etwa die Art des Göttinger !Hainbunds in sich wieder zu erwecken suchten, so haben wir dafür eine hoffnungsreiche ,Saat für die Zukunft unsres Volkes in den Jugendfreundschaften gewonnen, die aus iGymnasien, Seminaren, Hochschulen und in Gesellen- und Jünglingsvereinen, um mit ^dem berühmten Zinzendorf'schen Bundeslied zu reden, „auf Jesu Marter" geschlosst» iworden sind. Freundschaft und Jugend gehören zusammen. Das lehrt uns nicht bloß ^die individuelle Lebensführung, sondern auch die Geschichte der Völker, insbesondere deS ?deutschen Volks. Es ist eine sehr bemerkenswerthe Thatsache, daß die jugendliche», ^frischen, schöpferischen Zeiten unsers Volks, in denen etwas neues werden wollte, tirgend eine Gährung zur Klärung rang, auch reich an Freundschaften der edelsten Artwaren. Die geistige Jugendfrische der Männer, in denen das Neue keimkräftig sich ^regte, fand sich zusammen, ihr Zusammenschluß brachte das Neue zur Gestalt und sie twurden ein Segen für das Volk. Es sei nur an die Kreise erinnert, welche sich W ^Luther in Wittenberg, um A. H. Francke in Halle sammelten, an die Macht der Person- stlichen Anziehung „schöner Seelen" in den von Zinzendorf angeregten Gemeinschaften, san den Hainbund unter Klopstocks Patronat, an Schiller und Goethe, an Schleiermacher ^und die mit ihm verbundenen Männer der Romantik erst und nachher der vater- !ländischen Erhebung, an den Nachwuchs, den die Begeisterung der Befreiungskriege