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Freundschaft, Jugeildfrenndschast.
Gefühls, der andre als frühreifes Eingreifenwollen in die öffentlichen Verhältnisse kenn-zeichnet. Besonders häufig schlägt die Freundschaft jenen ersten Weg ein in schwäch-licher Sentimentalität, die sich nicht damit begnügt zu fühlen, wo des gesunden Men-schen Gefühl erregt wird, sondern das Gefühl zum Zweck inacht und zwar zu demegoistischen des Gefühlsgenusses und nun die Höhen und Tiefen des göttlich-menschlichenLebens auf- und absteigt, nur um an allen Puncten in schönen Gefühlen sich selbstbespiegeln zu können. Diese Sentimentalität der Freunde sucht dann gerne zum größtenNachtheil des Studirens in der Poesie ihre Nahrung, wie sie die Natur des Schöpfers,das Gedicht des Dichters und der eigene poetische Versuch bietet, wozu dann gewöhnlichein gemeinsames Durchempfinden und Durchleben der ersten Regungen der Liebe zumandern Geschlecht sich gesellt. Goethe sagt:
„Auf das empfindsame Volk Hab ich nie was gehalten; es werden,
Zeigt sich Gelegenheit, nur schlechte Gesellen daraus,"
und hat an einem andern Orte den Rath gegeben:
Jüngling, merke dir in Zeiten, wo sich Geist und Sinn erhöht,
Daß die Muse zu begleiten, doch zu leiten nicht versteht.
Jedenfalls ist dem Jüngling, wenn seine Freundschaft auf den Irrweg der Senti-mentalität geräth, ein kräftiges: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! zuzurufen und zuzeigen, daß der poetische Genuß eben nur Genuß sein soll, der durch tüchtige Arbeitund Rüstung für den künftigen Beruf verdient werden muß. — Wird dagegen der ent-gegengesetzte Irrweg eingeschlagen, daß die Freunde schon jetzt umgestaltend ins Lebeneintreten wollen, wie das besonders in aufgeregten Zeiten geschieht, haben die Ideenvon Freiheit und Vaterland zu verfrühten Entschlüssen getrieben, die Uebelstände ab-zustellen und glücklichere Zustände herbeizuführen, dann gilt es gleichfalls, die Jünglingeauf den nüchternen Boden des Lernens mit einem energischen: Hio llliockirs, llio sultu!hinzuweisen, und, wo solche Frühreife gerne im Gewand des religiösen Zweifels oderUnglaubens auftritt, zu zeigen, daß keine Weltverbesserung anders anheben kann alsmit der Heiligung des eigenen Wesens, und daß diese unmöglich sei ohne die Demuthund Stille des Christenglaubens. In den meisten Fällen wird es aber dem Zuspruchder Eltern und Lehrer gelingen, die Jugend von Irrwegen zurückzuführen. Und selbstdann, wenn ihnen das nicht völlig gelungen zu sein scheint, dürfen sie, wo überhauptwahre Freundschaft gewesen ist, der Zuversicht leben, es werde eine gute Frucht darausersprießen. Denn das idealste Leben der Jugend verknüpft sich doch immer mit derFreundschaft. Sie bringt das Familienleben in heilsame Verbindung mit der Außen-welt, sie vertieft den Naturgenuß, sie fördert das wissenschaftliche Streben, sie treibtan, für den künftigen Beruf sich zu rüsten, und so sehr die Jugend vor politischenSchwindeleien zu warnen ist, so müssen sich alle, die selbst an Freiheit und Vaterlandei» tieferes Interesse haben, darüber freuen, wenn in dem Freundesverkehr der Jüng-linge die Gesinnungen gepflegt werden, welche einst das Vaterland gegen außen zuschützen und im Innern in der realen Freiheit zu fördern geeignet sind; nur kleine,knechtische Menschen können bei dem heißen Triebleben einer freihcitsbegeisterten Jugendnur bange werden. „Den Schlechten ward es graulich, wir hielten gar zu treu."
Was gesagt worden ist, scheint hauptsächlich von der Freundschaft der Knabenund Jünglinge hergenommen zu sein. In der That wird bei der männlichen Jugendim allgemeinen das eine Moment: die Gemeinsamkeit des Interesses für die Weiter-förderung der Menschheit mehr hervortreten, bei der weiblichen das andere: die Mit-theilung des persönlichen Lebens, und wenn die Freundinnen darüber hinausgehen, dannwird es naturgemäß weniger Staat und Kirche, Kunst und Wissenschaften sein, was siebewegt, als das eigenthümliche Gebiet des Weibes: das Haus und die Familie. Dochsoll nicht vergessen werden, daß Gott dann und wann gerade in Jungfrauenseelen dieLiebe zum Vaterland und allem hohen, was mit ihm steht und fällt, zur lodernden