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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Freundschaft, Jngendfrenndschaft.

thümlicher Schöpfergedanke Gottes ist, aber sie werden die Pflicht fühlen, treulich dieKinder vor gefährlichen Einflüssen zu hüten. Und das wird sie namentlich auch dazutreiben, daß sie mit den Lehrern sich wegen der Freundschaft ihrer Kinder in Vernehmensetzen. Und wie wichtig ist es für die Lehrer, in diese Welt einen klaren Blick zuthnn! Wie kurzsichtig wäre es zu meinen, daß die Schule nur mit der Familie sichin das Leben der Schüler theile! Wie überwiegend stark sind oft die Einflüsse der inder Schule angesponnenen Freundschaften auf die Schule im Vergleich mit den Ein-flüssen der Schule selbst! Könnten die Lehrer in alle die Wege ihrer Schüler hinein-schauen, in denen sie gehen, wenn die Schulstunden vorüber sind und Freund zumFreund sich findet: sie würden entdecken, daß viele Schularbeiten den nicht zum Ver-fasser haben, der sie vorzeigt, daß die Schüler zum großen Theil die Wörter nicht selbstaufgeschlagen, die Rechnungsaufgaben nicht selbst gelöst, ja selbst die mit Schwungvorgetragenen Aufsätze nicht selbst verfaßt haben. Sie würden warnehmen, daß tieferensittlichen Einwirkungen der Schule unsittliche Complotte der Schüler entgegenstehen.Mancher Schüler, der in der Schule sich geltend zu machen wußte, würde in bedenk-lichem Lichte erscheinen und manches tiefere Gemüth, dem die Gewandtheit sich darzu-stellen abgeht, würde vor Verkennung bewahrt. Für manche Ermüdung in der Schulewürde der Lehrer Erquickung finden, wenn er im Freundesverkehr vieler seiner Schülerden frischen Quell höheren Lebens rauschen hörte. So kann die Freundschaft Elternund Lehrern als Schlüssel zu der Eigenthümlichkeit der Zöglinge dienen und mittelbarfür die ganze Erziehung Frucht schaffen. Wahre Freundschaft hat aber auch unmittel-baren Segen für die Zöglinge.

Schon sehr frühe ist die tiefere Natur zu wahrer Freundschaft fähig. Knabenknüpfen mit zwölf Jahren und noch früher Verbindungen mit andern Knaben, die,weit über das Spiel- und Lerninteresse emporragend, ein Interesse bekunden, das diePerson an der Person hat und das ein tägliches, wo möglich stündliches Zusammenseinzum Bedürfnis macht. Da werden die innersten Saiten der Seelen angeklungen; istdie Phantasie rege, so thut sich eine zukünftige Welt auf, in welcher natürlich dieFreunde selbst als Hauptpersonen auftreten und zwar in edelster Handlung und schönstemGenuß. Mit dem reiferen Knabenalter fängt der künftige Beruf an bestimmter insBewußtsein zu treten, die Thatkraft regt sich und äußert sich, indem die Freunde ge-meinsame Pläne machen und durchführen, die von der schönsten Wirkung für die sitt-liche und geistige Entwicklung sind: gemeinsam werden die Schwierigkeiten des Lernensüberwunden, der Natur ihre Entzückungen abgewonnen, die Quellen poetischen Genussesausgesucht- Die Blütezeit der Jugendfreundschaft aber ist das Jünglingsalter und zu-mal das beginnende. Das wunderbare Triebleben, die geheimnisvolle Werdelust dieserZeit, eine Jdeenfülle, der die Ausführung versagt ist, ein Kraftgefühl, dem der Raumzu eng wird, Verschlossenheit gegen die große Welt und doch das Verlangen, die großeWelt zu umfassen, — das alles ist ja ganz dazu angethan, die Freundschaft hervor-zurufen, in welcher der Jüngling an der Brust des Einzigen den Geist durch alleRäume fliegen läßt. Gerade jetzt aber ist auch die Freundschaft in der größesten Gefahranszuarten, zunächst in der Weise, wie sie sich dem Freunde gegenüber verhält, damaber auch in der Weise, wie sie das Leben auffaßt. Wie leicht geschieht es, daß derFreund, weil seinem Alterl noch die Geliebte versagt ist, dem Freunde gegenüber zumLiebhaber wird und ganz die Weise desselben annimmt, nicht allein in Hingabe undTreue, sondern auch in süßer Tändelei und bittrer Eifersucht. Einem so krankhaftenGefühl gegenüber muß dem Jüngling gezeigt werden, daß der gesunden Jugend Tändeleiund Verliebtheit nicht ziemt und am wenigsten, wenn dadurch die berechtigtsten Liebes-erweisungen gehindert werden, daß Eltern und Geschwister, Lehrer und Mitschüler undnoch andere auch ein Recht an seine Liebe haben, und daß es Unrecht ist, diese ganzin der egoistischen Neigung zu dem Freunde zu vergessen. In Bezug auf die Welt-anschauung, die in dieser Zeit durch den Freundesverkehr gefördert zu werden pflegt,giebt es hauptsächlich zwei Irrwege, von denen der eine sich als Ueberspannung des