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Freundschaft, Jngendfremidschaft.
! eines gemüthlichen Familienlebens hüllt. Darum muß in dem einzelnen Gliede der
i Familie das Bewußtsein wach bleiben, Glied an dem großen Leibe zu sein, der alles
! in allem füllet, damit die Liebe die Schranken des Hauses durchbreche. Und dieser
Drang der Liebe nach freier Betätigung wird bei der Jugend am natürlichsten durchdie Freundschaft Befriedigung suchen. In ihr geht der Mensch, ohne die Familien-Lande zu zerreißen, frei einher: sie liegt darum auf dem Gebiete der Freiheit, dersittlichen Selbstbestimmung, der Wahl durch Liebe. In ihr tritt der Jugend diejenige! Menschheit nahe, mit welcher sie keine natürliche Bande verbinden: sie liegt auf dem
! Gebiet der Idealität, des Geisteslebens, der Verwirklichung des Reiches Gottes. In
diesen beiden Momenten, daß sie auf der Anziehung freier Liebe beruht und von dieserj Liebe beschwingt geistige Güter erstrebt, liegt die tiefste Bedeutung wahrer Freundschaft.Wo die Liebe fehlt, die an dem Freunde nicht sucht, was er hat, weiß oder kann,sondern den Freund, sein Herz, sein Selbst, und dieses nicht anders, als indem siesoviel einsetzt als sie selbst gewinnen möchte, den ganzen Reichthum der eigenen Persön-lichkeit; und wo die Idealität fehlt, die in der Freundschaft nicht bloß Aeußerliches,Sinnliches, Vergängliches sucht, sondern eine Förderung des inner» Menschen, ein! Sichverbinden für höhere Zwecke der Menschheit, da ist keine echte Freundschaft, son-
dern nur Bekanntschaft, Kameradschaft, vielleicht Complott. In diesem ihrem Wesens nun, daß sie in der Tiefe des Gemüths ihren Ursprung und in der Höhe göttlicherGedanken ihr Ziel hat, daß darum in ihr das innerste und idealste Leben der JugendI sich offenbart, liegt die erzieherische Bedeutung der Freundschaft. Eltern und Lehrerthun darum wohl daran, die Freundschaften ihrer Kinder zu beobachten und wahreFreundschaften derselben zu fördern.
Es mag oft etwas schmerzliches au der Warnehmung sein, daß in einem ge-wissen Zeitpuncte das Kind sich mit Eltern und Geschwistern nicht mehr genügen läßt,sondern sich selbst zu der häuslichen noch eine andere Welt erwirbt durch die Ver-bindung mit Freunden. Auch wird sich im häuslichen Leben der Einfluß der Freund-- schaft gar oft wie ein Miston geltend machen. Daß die sorgfältig gehütete Sprache
des Kindes auf einmal derb und roh wird, ist noch nicht das Schlimmste: das sitztgemeiniglich auf der Oberfläche und hängt zum Theil mit knabenhafter Großthuerei! zusammen. Schlimmer ist, wenn der Sohn die im Freundeskreise errungene trotzige! Selbständigkeit im Geschwisterkreise gegen Schwestern und jüngere Brüder geltend macht, und die von den Eltern gepflegte Eintracht der Geschwister stört, wenn Sohn oderTochter im Freundesverkehr an der Süßigkeit des Zusammenseins mit Eltern und Ge-schwistern den Geschmack verlieren und ihre liebsten Stunden außer dem Hause haben.Auch das Schlimmste kommt vor, daß die Freundschaft unbewacht und ungeleitet ausharmlosem Anfang zu sündigem Verkehr wird und die wohlthätige Einwirkung allerErziehung untergräbt. Wer darum sollen die Eltern das Recht der Individualität,sich Freunde zu wählen, nicht verkümmern, sondern nur auf der Pflicht der Individua-lität bestehen, innerhalb der Ordnungen Gottes sich zu bewegen: sie sollen die Freund-schaften ihrer Kinder bewachen und leiten. Sie dürfen nicht im ungewissen sein, wasdas für eine Jugend ist, die täglich zu ihren Kindern kommt, mit ihnen zusammen-zusitzen oder draußen umherzuziehen. Sie thun wohl daran, die Freunde der Kinderin das Familienzimmer zu rufen, sie an festlichen Tagen einzuladen, die Ferien inihrem Hause zubringen zu lassen, um die Freunde ihrer Kinder und in ihnen dieKinder selbst kennen zu lernen. Was sie da beobachten: daß die Kinder gerade solcheFreunde sich gewählt, wie sie zu ihnen stehen, herrschend oder dienend, das Ihre suchendoder das was des Freundes ist, wie und' was sie ihnen geben und von ihnen nehmen,und welches die geistigen Realitäten sind, in denen die Freundschaft wurzelt: das alleswird ihnen in das Wesen ihrer Kinder neue Einsicht geben. Sie werden oft bangewerden und oft sich freuen über die sittliche Welt, die ohne ihr Zuthun um die Kindergeworden ist, sie werden erkennen, daß es in keines Menschen Macht liegt, einem an-dern Menschen das Gepräge des eigenen Wesens aufzudrücken, weil ein jeder ein eigen-