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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Freistellen, Freitische.

sich lockten (s. m. Programm, die Benützung der Iesuitenschulen durch Protestanten.Zittau 1856.) Solche Freitische sind nun bis auf die Gegenwart gewährt worden,und daß in dieser Beziehung hier und da noch viel guter Wille sich bethätigt, zeigenz. B. die speciellen Angaben in den Programmen des Gymnasiums zu Torgau (1856bis 1857 waren wöchentlich 128 Freitische gegeben worden). Daß in einzelnen Fälleneingetretene Mißstimmungen in solche Hebung der Wohlthätigleit Stockungen brachten,darf nicht befremden. So erfahren wir, daß in Salzwedel um d. I. 1712 die Bürgerihre Unzufriedenheit mit dem Rector Ungnade auch dadurch an den Tag legten, daßsie den armen Schülern keine Freitische mehr gaben und auch die sogenannten Hospitiaeinzogen. Danneil, Programm von 1844, S. 7. Indes wurde Salzwedel geradewegen der Geneigtheit seiner Bürger, ärmeren Schülern Freitische zu geben, noch amEnde des Jahrh. von vielen ausgesucht. (Harnisch, Mein Lebensmorgen S. 47).Dagegen wirkten in andern Fällen sogar die Stadträthe sehr direct auf Erweckung derWohlthätigkeit gegen ärmere Schüler hin. In Görlitz ließ der Magistrat 1572 durchDeputirte die Bürgerschaft beschicken und jeden Bürger befragen, was er zur Erhaltungder Schüler thun wolle; schon vorher war den armen Schülern, einheimischen und aus-ländischen, ausdrücklich gestattet worden, sich bei den Bürgern eine Beihilfe zu erbitten.Um 1612 gaben daselbst über 166 Bürger fremden Schülern freie Wohnung und meistwohl auch freien Tisch. Knauth, Das O^nmasium ^.aAustam zu Görlitz (1765)S. 54 f. 83.

Nur beiläufig mag hier erwähnt werden, daß die ältere Zeit nicht bloß auf demGebiete der Volksschule, sondern auch bei den Gelehrtenschulen Freitische fürLehrer kannte. Wir finden solche z. B. in Güstrow, also in einer fürstlichen Re-sidenz, noch gegen das Ende des 17. Jahrhunderts, wo indes der Vorschlag gemachtwurde, den Lehrern für die Freitische eine Geldentschädigung zu gewähren, »weil dieSchule, wenn die Schulcollegen mit Speise und Trank durch Nöthigung gütiger Wirthesich überfüllet, versäumet wird, auch weil es den Schulcollegen durch Genuß so man-cherlei Getränkes an ihrer Gesundheit schädlich." Raspe, Zur Gesch. der GüstrowerDomschule (1853) S. 56. Ganz ähnliche Einrichtungen und Bedenken bereits amAnfang jenes Jahrhunderts in Halberstadt. Siderer, Gesch. des Halberst. Mar-tineums (1845) S. 13 f. Aber noch der große Winckelmann war als Conrectorzu Seehausen (1743—48) mit auf Freitische „bei einigen wohlwollenden Freunden'angewiesen. Winckelmanns Briefe an seine Freunde, herausgegeben von Daßdorf,Bd. I. S. 13.

Wenden wir nun noch in der Kürze den Verhältnissen der Gegenwart die Auf-merksamkeit zu, so ist unleugbar, daß es für Aermere immer schwieriger wird, denWeg der höheren Studien zu verfolgen, da die allgemeine Steigerung der Preise, daauch die äußeren Anforderungen, welche die Schule selbst macht, oft weit über dashinausgehen, was Familien des Mittelstandes und namentlich der Beamtenkreise fürihre Söhne aufzubringen vermögen. Hiezu kommt, daß manche Einrichtungen zurUnterstützung ärmerer Schüler, wie sie die patriarchalische Einfachheit der Väter ge-troffen hat, jetzt nicht mehr festgehalten werden können, während zugleich der Wohl-thätigkeitssinn dürftigen Schülern gegenüber nicht überall groß genug ist, um auf neueArten der Unterstützung zu denken. Es dürfte namentlich da, wo die Gemeindeschulenin Staatsanstalten sich verwandelt haben, die Neigung der zunächst stehenden Bevölke-rung oft sehr groß sein, auch in dieser Beziehung der Omnipotenz des Staates dasNöthige zu überlassen, der doch für das, was die Gemeinden früher gerade nach dieserSeite thäten in frommer Gesinnung und starkem Selbstgefühl, keinen rechten Ersatz zuschaffen vermag. Das Nächste und Beste, was er thun kann, wird immer das sein,daß er an den von ihm unmittelbar abhängigen Anstalten Freistellen begründetoder die Zahl der vorhandenen vermehrt. Daneben können Rectoren und Lehrer inihren Kreisen zu manchem guten anregen, mancherlei Unterstützung vermitteln. Freilichhält es zu Zeiten schon schwer, Freitische armen Schülern auszuwirken. Und doch