Freiheit des menschlichen Willens. Freistellen, Freitische. 725
weil sie nicht anders wollen. Man behauptet nun zwar von deterministischer Seite,gerade eine solche doutu vsoossitns doni, wie man sie geltend mache, sei mit einemindeterministischen Freiheitsbegriff unvereinbar, weil dieser die fortdauernde Möglichkeitdes Wiederabfallens in sich schließe. Allein der indeterministische Freiheitsbegriff istnicht identisch mit äquilibristischer Willkür, die allerdings das menschliche Leben in einunaufhörliches ziel- und zweckloses Penelopegewebe verwandelt. Dann übersieht der De-terminismus bei seiner Einwendung gegen die deutu usosssitus doni, wie sie der In-determinismus lehrt, die ursprüngliche Wahlverwandtschaft des menschlichen Geistes alseines göttlichen Ebenbildes mit dem göttlich Guten. Die bsatu uoosssitus doni istaber das verwirklichte göttliche Ebenbild, wo die Erfüllung des göttlichen Gebots zu-gleich Erfüllung der menschlichen Bestimmung ist, wo der Mensch ganz von Gott ab-hängig, ganz in sich frei ist und die volle Demuth des Empfangens ganz eins mit dervollen Kraft und Selbstmacht des Wirkens, daher die Bibel die Engel, welche inDemuth vor Gott stehend seine Befehle ausrichten, so unübertrefflich schön die starkenHelden nennt. Es gehört der ganze Eigensinn und die ganze Kurzsichtigkeit banal ge-wordener philosophischer Voraussetzungen und ebenso der ganze Uebermuth einer sichselbstvergötternden Naturwissenschaft dazu, um in der bisher entwickelten Anschauungvon der Freiheit, wie sie vom evangelisch-christlichen Standpunct sich ergiebt, Wider-spruch und Jnconsequenz zu finden und in ihr die sittliche Lauterkeit, Wahrheit undKraft zu vermissen. Ebendarum ist es auch nicht nöthig, noch viele Worte zu verlierenüber die Bedeutung und Berechtigung der vertheidigten Anschauung für die Pädagogik,indem von selbst in die Augen springt, daß dem Hochmuth, der Ungeduld und demdoch wieder mit ungerechter Strenge wechselnden philanthropischen Liberalismus einerpelagianischen Pädagogik gegenüber, welche der menschlichen Natur mit Kräften schmei-chelt, die sie nicht besitzt, und Forderungen an sie stellt, welche sie für sich allein nichterfüllen kann, ein Standpunct sich wird behaupten können, welcher den Menschen in denStaub beugt, nur um ihn desto mehr zur wahren Höhe zu erheben, und die Demuthund den Eifer, die Liebe und ven Ernst im Werke der Erziehung dadurch mit einanderverschmilzt, daß er den Erzieher zum Werkzeug und den Zögling zum Gegenstand eineram innern Menschen arbeitenden göttlichen Gnade macht. Länderer.
Freiheitssinn, s. Unabhängigkeitstrieb.
Freischule, s. Armenschule.
Freistellen, Freitische. Alumnate als Anstalten, in welchen für eine größere oderkleinere Menge von Schülern alles zum äußern Bestehen und zur geistigen Ausbildungerforderliche dargeboten wurde (s. d. Art.), galten im Zeitalter der Reformation alsdas Beste, was bei den zahlreichen Reformen im Schulwesen hergestellt worden, undvon allen Seiten blickte man auf die sogenannten Fürstenschulen und Klosterschulen mitTheilnahme, aber freilich auch mit dem Gefühle, daß solche Einrichtungen nur unterbesonders günstigen Verhältnissen möglich seien. Der treffliche Unterricht, den geradediese Anstalten darboten, die straffe Zucht, die sie anwandten, die durchgreifende Rege-lung der Studien und aller Lebensthätigkeit, wodurch sie in den meisten Fällen denihnen Anvertrauten einen vollständigen Erfolg zu sichern schienen, hatten in den äußernVortheilen, die sie zugleich gewährten, eine so erfreuliche Ergänzung, daß die Freistellenderselben sehr gesuchte wurden. Was nun die Zahl der Freistellen anlangt, so warsie zum Theil sehr bedeutend. An der Fürstenschule in Meissen z. B., welche bei derStiftung durch Herzog Moriz 60 Schüler gezählt hatte, waren schon unter KurfürstChristian I. unter 105 Stellen 85 Freistellen, wozu später ( 1728 ) der sogenannteTrützschler'sche Freitisch für 12 Schüler kam. Die Besetzung der Stellen erfolgte theilsvom Landesherrn durch den Kirchenrath, theils von Adelsgeschlechtern und Städten desLandes, und zwar anfangs so, daß die Adelsgeschlechter nur Knaben aus ihrer Mitte,die Städte nur Stadtkinder (mit besonderer Rücksicht auf die Söhne der Pastoren undDiakonen) designiren sollten; im allgemeinen sollten sämmtliche Alumnen Landeskinder