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Freiheit des menschlichen Willens.
und so ist dann auch der Glaube als das vollkräftig gewordene Verlangen nach Be-freiung von der Last der Schuld und der Macht der Sünde, und als die unbedingteHingabe an den versöhnenden und erlösenden Gott, und als das vertrauensvolle Er-greifen seiner sündenvergebenden und neuschaffenden Gnade zwar kein productiver Actdes menschlichen Willens, sondern ein receptiver, genauer in der Receptivität wirksamerAct, ein Act des Empfangens, Ergreifeus und Ergreifenwollens, als solcher aber danndoch auch ein durchaus ethischer Act. Oder sollte dieses gänzliche Verzichten auf sichselbst, das Hinaustreten aus allem eigenen Werth-, Rechts- und Kraftgefühl und daswillige Eingehen in die ganze Wahrheit der sich selbstbezeugendeu und mittheilendenGerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe Gottes, wie es im Glauben gegeben ist, sollte diesnicht eine sittliche That und eine weit größere, aus der gewaltigsten innern Anstrengunggeborene sittliche That sein, als irgend eine Leistung der menschlichen Tugend, welchein dem löcherichten und schmutzigen Mantel eigener Kraft und eigenen Verdienstes sichbläht? Und wenn nun in diesen Glauben als die aufgeschlossenste, intensivste Empfäng-lichkeit des innern Menschen hinein das neue Leben aus Gott gezeugt ist durch dasschöpferische Wirken des göttlichen Geistes und ebendamit der göttliche Wille des Gutendein menschlichen Willen trieb- und lebenskräftig eingepflanzt ist, so ist es wieder dieGnade und die Freiheit, welche mit einander wirken und wirken müßen, um das zurEntfaltung und Gestaltung zu bringen, was in der Wiedergeburt des Menschen be-gonnen ist. Die Gnade ist es fortan, welche den Willen beseelt, antreibt und stärkt, undder Wille muß diese Impulse und Mittheilungen der Gnade ergreifen und sie selbst-thätig umsetzen in Entschlüsse und Handlungen eines gottgefälligen Lebens. In EinemAthem sagt Paulus Philipp. 2, 12. 13 einerseits: Gott ist es, der in euch wirketbeides, das Wollen und Vollbringen (nach dem Texte: das Wirken) nach seinem Wohl-gefallen, und andererseits: schaffet daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern; vgl. Iauch 2 Petri 1, 11. 12. Die Bibel weiß, recht verstanden, nichts von einer unwider-stehlich wirkenden Gnade, wie auch nichts von einer Gabe der Beharrlichkeit, vermögewelcher die Erwählten selig werden müßten; sie stellt die Erlangung des Zieles in dieTreue des bewahrenden, stärkenden und vollbereitenden Gottes, wie in die Treue desMenschen, welcher mit dem anvertrauten Pfunde wuchert, um die Vollkommenheit undSeligkeit zu erringen. Auch die Gläubiggewordenen und Geretteten sind der Bibelsolche, die wieder abfallen können, und obwohl sie ihnen die Arme der göttlichen Gnadeoffen läßt zu wiederholter Umkehr, so weist sie doch auch hin auf einen Abgrund desAbfalls und der Verstockung, wo eine Umkehr vor allem deswegen nicht mehr möglichist, weil der Mensch nicht mehr umkehren will, weil er nun das Böse um des Bösenwillen thut und das Gute als das Gute haßt. Die durch die Erlösungsgnade undden Glauben innerlich Freigemachten gewinnen zwar durch ihren treuen Fortschritt imchristlich Guten und die nie stillestehende, sondern sich immer mehr vertiefende Arbeitdes göttlichen Geistes an ihrem Innern eine wachsende Festigkeit und Stetigkeit deschristlichen Charakters, so daß ihnen das Gute mehr und mehr zur andern Natur wirdund das Böse zu etwas Fremdem, ja mehr und mehr sogar sittlich Unmöglichem; allemes ist wohl zu beachten einmal, daß diese Einigung des Willens mit dem göttlichGuten, vermöge deren das letztere im ersten zum herrschenden Princip wird, in diesemZeitleben der Versuchung und Prüfung nie vollkommen wird und werden kann, sondernerst in jenem Leben der Vollendung, wo die zeitliche Art der Thätigkeit und Entwick-lung ein Ende haben wird, weil nun der Mensch zur Reife gekommen ist; dann ist zubeachten, daß die Unmöglichkeit des Bösen in den vollendeten Geistern und die Noth-wendigkeit des in ihnen zur andern Natur gewordenen Guten, die „beutu usosssitss .doui" auch nicht, wie der Determinismus wieder meint, eine metaphysische Unmöglichkeit .und Nothwendigkeit, sondern eine ethische ist, oder, wenn man so will, eine metaphy-fische, nur auf dem Grunde einer ethischen, ebendarum nicht eine Aufhebung der for- ^malen Freiheit, sondern vielmehr die vollkommenste Bethätigung und Erfüllung der- tselben; die Vollendeten können darum besonders nicht mehr anders als gut handeln, '