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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Freiheit des menschlichen Willens.

alles Seienden zu erkennen und so ein geschlossenes System des Wissens zu bildenhabe, so liege darin die Voraussetzung, daß auch das Seiende eine in sich vollkommengeschlossene Einheit, einen ununterbrochenen Zusammenhang darstelle. Allein diese Be-stimmung der Aufgabe der Philosophie auch zugegeben, läuft dabei doch eine wesent-liche Verwechslung unter. Das Wirkliche und Geschehene stellt allerdings eine Einheitund einen Zusammenhang dar, in welchem Ursachen und Wirkungen in einander greifen -daraus folgt aber noch keineswegs, daß diese jetzt vorhandene Einheit und dieser realeZusammenhang diese einfache, gleichsam ungebrochene Erscheinung eines ewig Noth-wendigen sei und nicht vielmehr das gemeinsame Product des welterhaltenden undweltregierenden göttlichen Willens einer- und des freien menschlichen Willens anderer-seits, so zwar, daß die göttliche Weltregierung die Folgen der freien Willensentschei-dungen, „die Entwicklung der That zur Begebenheit," in ihrer Hand hat, und, mögennun die Willensentscheidungen mit den Forderungen des göttlichen Willens zusammen-stimmen oder ihnen widerstreiten, jedenfalls jene Folgen, sei es bestätigend oder hin-dernd, beschränkend und umbcugend immer wieder einen Zusammenhang herstellt, durchwelchen der göttliche Weltplan dem Ziele entgegenführt, an welchem alle zeitliche Ent-wicklung als eine gemessene Größe zuletzt ankommen muß. Mag daher auch dasProduct, die Welt in ihrem wirklichen Sein und Dasein oder als vergangene undgegenwärtige betrachtet, als ein fortschreitender Zusammenhang von Ursachen und Wir-kungen erscheinen, darum ist der Grund und die Quelle desselben keineswegs eine ewige,unabänderliche Nothwendigkeit. Und wenn die Philosophie in ihrem System ein Abbildder Welt, wie sie wirklich ist, geben will, muß sie alle die psychologischen und ethischenThatsachen, welche nur aus der Freiheit erklärbar sind und nicht etwa aus einer vor-ausgesetzten, von der Philosophie aber nicht einmal im Einzelnen nachweisbaren Noth-wendigkeit, zugleich mit der fortlaufenden Verkettung alles Wirklichen anerkennen;mag sie immerhin das Zusammengreifen aller realen Factoren der Weltgeschichte rück-wärts Nachweisen können, so kann sie damit die Freiheit als formalen Factor nichtbeseitigen, weil ein Theil, und ein sehr wesentlicher Theil jener realen Factoren nurunter der Voraussetzung einer wahren Willensfreiheit sich begreifen läßt. Aber sagt mannun weiter, wenn es nun eben doch die göttliche Weltregierung sein soll, die denZusammenhang in allem Wirklichen herstellt, so müße diese Herstellung des Zusammen-hangs von vornherein eine schlechthin unbedingte sein, weil das Göttliche, als das Ab-solute seinem Begriff nach das schlechthin Wirkende und alles Bestimmende sein müße.Allein denkt man sich das Absolute pantheistisch, so wäre zu beweisen, was bis aufdiesen Tag nicht bewiesen ist, daß nicht entweder der Begriff des Absoluten, wenn mansein Sein nicht real unterscheidet von dem des Endlichen, zerstört oder der Begriff desEndlichen zu einem Schein gemacht oder vielmehr ein Standpunct eingenommen wird,auf welchem man alternirend von einem jener Jrrthümer in den andern übergeht.Denkt man sich aber das Absolute thcistisch und behauptet gleichwohl, daß die Allmachtund Allwissenheit des persönlichen Gottes der Freiheit des menschlichen Willens keinenRaum lasse, so kann man den Begriff der göttlichen Heiligkeit und Liebe gegenübervom Bösen, dessen Ursache Gott sein müßte, nicht unverletzt erhalten. Will man dies,so hat man keine andere Wahl als anzunehmeu, daß Gott seine Allmacht, ebendamitaber auch seine Allwissenheit, in der Schöpfung, Erhaltung und Regierung freierWesen, welche eben nur in ihrer Freiheit, in ihrer „derivirten Absolutheit" ein wahresvollkommenes Abbild des persönlichen, selbstmächtigen Gottes sind, vermöge seiner Liebeund Heiligkeit beschränkt habe und fortan beschränke. Die Möglichkeit einer solchenSelbstbeschränkung folgt zwar unmittelbar aus dem reinen und vollen Begriff dergöttlichen Liebe, welcher auch als metaphysisches Princip zu verwerthen ist, kann aberim Gegensatz zu den erhobenen Bedenken hier nicht weiter begründet werden, sondernist im Zusammenhang der christlichen Glaubenslehre festzustellen (man vergleiche Mar-tensen, christliche Glaubenslehre, Jul. Müller, Lehre von der Sünde). Uebrigensist durch die Nachweisung aller der Schranken, in welche die Freiheit des Willens ein-