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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Freiheit des menschlichen Willens.

thum zurückblickt, so liegt darin die unvertilgbare Gewißheit der Freiheit des Willens..Dadurch, daß der Wille die ganze Unendlichkeit des Selbst in das hineinlegt, fürwas er sich entscheidet, dadurch hat die That ihre unermeßliche Schwere, nicht dadurch,daß sie als Geschehenes unabänderlich ist; die unabänderliche Vergangenheit dessen, wasgeschehen ist, geht vorüber, zieht mit dem großen Strome des Geschehens von dannen,aber die geschehene That bleibt eine ewig gegenwärtige, eben weil sie frei ist" (Weiz-säcker, Jahrbücher für deutsche Theologie, Band I). Eben darum klagt sich auch derMensch, wenn er gegen sein eigenes sittliches Bewußtsein wahr ist, um dieses gethaneund nicht nur um ein geschehenes Böses unnachsichtlich selbst an und hält sich dasselbeum so mehr als verwerflich vor, als es nicht nur überhaupt eine Verletzung desheiligen Willens Gottes ist, sondern als es ein freier Wille ist, welcher sie unterlassenkonnte und gleichwohl sie sich zu Schulden kommen ließ, und als durch dieses Bösedem Guten, welches allein ein Recht auf das Dasein hat, die Kräfte und Mittel ent-zogen worden sind. Wer das Böse als ein solches innerlich erkennt und verabscheuenlernt, wird sich gewiß nicht die Deutung gefallen lassen: das Böse sei ihm schmerzlich,weil und sofern er das Gute noch nicht verwirklichen konnte, während doch seinSchmerz vielmehr gerade daran haftet, daß er das Gute auch bisher schon noch nichtverwirktlicht hat, daß er das Böse gethan hat, wo er Gutes hätte thun können undsollen; und diese schmerzliche Erkenntnis einer selbstverschuldeten Versäumnis wird zueinem um so kräftigeren Antriebe werden, wenigstens das noch übrige Leben um sogewissenhafter im Dienste des Guten anzuwenden. Das, was der Determinismus inseiner Befangenheit für das Unpraktische an dem Schuldbewußtsein und der Reue er-klärt, ist vielmehr gerade das am meisten Praktische und Vorwärtstreibende, womitnicht geleugnet werden soll, daß auch dieser in die Vergangenheit gekehrte Blick derReue krankhaft und verkehrt, zu einem solchen Sichvertiefen in den Abgrund der Sündewerden kann, durch welches dem Geiste die Kraft und Freudigkeit geraubt und derFortschritt der sittlichen Entwicklung gelähmt werden müßte. Es bedarf kaum der Be-merkung, daß auch vom Erzieher der Hebel der Erziehung, welcher sich in diesen sitt-lichen Factoren, dem Schuldbewußtsein, der Reue, der Buße darbietet, nimmermehr mitvollem Ernste und voller Kraft in Bewegung gesetzt werden kann, wenn er, von deter-ministischen Anschauungen ausgehend, das Wesen und die Wahrheit derselben nicht voll-kommen zu erkennen im Stande ist, daß er vielmehr zu einer Simulation gezwungenwäre, welche die Kraft der Einwirkung nothwendig schwächen inüßte, so gewiß nur derSchlag recht in das Gewissen des zu Erziehenden trifft, der aus dem eigenen Gewissendes Erziehers kommt, und der volle sittliche Schmerz über die Sünde und das Unrechtdem Gemüthe des Verirrten nur dann sich mittheilen kann, wenn der Strafende undZüchtigende ihn mitempfindet und zuerst empfunden hat. Freilich haben nun mancheDeterministen die Wahrheit und den Werth aller dieser sittlichen Erscheinungen wieSchuldbewußtsein, Reue, Buße, oder alles dessen, was auf eine Umänderung der bis-herigen Lebensrichtung sich bezieht, bestritten und behauptet: es sei Thorheit zu meinen,daß man den Charakter anderer oder seinen eigenen verändern könne; wie sehr dieHandlungen auch durch äußere Umstände mögen modisicirt werden, die Grundrichtungdes Willens, sein Dichten und Trachten bleiben unverändert dieselben, nach dem spani-schen Sprüchwort: „Was man mit der Muttermilch einsog, dasselbe schüttet man insLeichenhemde aus", so Schopenhauer (vgl. d. Art. Erziehung) und ähnlich, nur nochderber manche neue materialistische Naturforscher und Cultnrhistoriker. Was an dieserbizarren, monströs-pessimistischen Ansicht, welche den Menschen eigentlich unter das Thierherabwürdigt, wahr ist, ist nur soviel, daß durch Buße und Bekehrung .kein Menschseine Natureigenthümlichkeit ausziehen kann, welche allerdings von der Wiege bis zumGrabe dieselbe bleibt", also nicht in ihr absolutes Gegentheil verwandelt werden, sondernnur ein anderes Gepräge, eine der Idee des Guten entsprechende Richtung empfangenkann; man vergleiche darüber die Bemerkung von Martensen, die christliche Ethik, S. 167u- ff- Zu diesen ethischen Schwierigkeiten des Determinismus, die wir nachgewiesen, und