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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Freiheit des menschlichen Willens.

Auge gefaßt wird, ohne daß man die Gesammtheit der tieferliegenden, nothwendig be-stimmenden inneren und äußeren Ursachen erkennt. Dagegen läßt sich aber schon mitZeller (Ueber die Freiheit des Willens rc. in s. theolog. Jahrbüchern, 1846, 3. Hxst) !erwidern, daß es sich nicht begreifen lassen will, wie sein der Voraussetzung nachdurchaus nothwendiges Thun den: Subjecte als willkürliches zum Bewußtsein komme,oder vermöge welcher Nothwendigkeit das, was in keiner Beziehung anders sein kann,sich ganz allgemein im Bewußtsein als ein andersseinkönnendes abspiegeln sollte?und warum denn das menschliche Bewußtsein an dieses falsche Urtheil, an diesenSchein ohne Realität nothwendig gebunden sein müßte? Dies ist schon für sich be-trachtet eine schwere Beeinträchtigung der Wahrheit des unmittelbaren Bewußtseinsoder, wenn man will, des unmittelbaren Urtheils im Menschen, aber es wird nochviel schlimmer im Verhältnis zu den sittlichen Grundthatsachen. Der Mensch sieht sichunmittelbar gedrungen, das, was er thut, sich als die eigene, durch die Entscheidungseines persönlichen Willens ohne schlechthinige Nöthigung von außen und innen herbei-geführte That zuzurechnen, sich als Urheber seines Thuns im strengen Sinne desWortes zu betrachten, insbesondere aber fühlt er sich gedrungen, sein Thun mit demsich innerlich ankündigenden und seinen Gehorsam in Anspruch nehmenden Sittengesetzzu vergleichen und die Uebereinstimmung oder Nichtübereinstimmung desselben mit dieserNorm als eine durch ihn selbst verursachte entweder zu billigen oder anzuklagen. Einebesondere Schwierigkeit in ethischer und pädagogischer Beziehung entsteht dabei durchdas Schuldbewußtsein, vermöge dessen der Mensch das Böse, das er gethan hat,nicht nur als böse, als Störung der göttlichen Ordnung, sondern auch als durch ihn !selbst verursachte Störung der göttlichen Ordnung erkennen muß, womit sich dann das >Gefühl der Unlust verbindet und zwar in der Gestalt der Scham, indem das Bewußt- jsein des eigenen bessern Selbst, das göttliche Ebenbild im Menschen reagirt gegen dasbegangene Böse und dem Menschen dasselbe als eine Herabwürdigung und Entweihung izu fühlen giebt. Dazu kommt aber auch die Empfindung der Strafwürdigkeit, das ^quälende und ängstigende Bewußtsein, für die Störung der göttlichen Ordnung in die ^Genugthuung an den verletzten göttlichen Willen, in die Strafe verhaftet zu sein. ^Dieses Schuldbewußtsein im vollen Sinne des Wortes ist aber etwas, was den Menschenzunächst wider seinen Willen ergreift; nicht eigentlich er hat es, sondern es hat ihn, !erfaßt und beherrscht ihn, aber er kann nun demselben innerlich Raum und Recht ^geben oder nicht. Im erstern Falle entsteht das ernstliche und tiefe Leid um die be- sgangene Sünde, das Sichschuldigbekennen, und der schmerzliche Wunsch, das Böse, dasman hätte unterlassen können, nicht begangen zu haben, oder die Reue, mit welchersich unmittelbar verbindet das Verlangen nach der Herstellung des gestörten harmo- !nischen Verhältnisses mit Gott und der Wille einer Umkehr der Lebensrichtung, was !man gewöhnlich Buße nennt. Wie will nun der Determinismus, obwohl er dieWillensfreiheit leugnet, gleichwohl diese Thatsachen des Schuldbewußtseins, der Reue,der Buße erklären, welche die Willensfreiheit unmittelbar vorauszusetzen scheinen? Die !Sünde, sagt der Determinismus, ist die eigene That des Menschen und ihm zuzurechnen, ssofern sie nicht die unmittelbare Folge äußerer Einwirkungen ist, sondern aus deinInnern des Menschen zunächst hervorgeht, sofern das, was durch den Menschen ge-schieht, in ihm selbst, in seinem persönlichen Wesen seinen Grund und seine Quelle hat.Und weiter muß der Mensch vermöge einer inner» Nöthigung sein Thun mit dem ihmeinwohnenden Sittengesetze vergleichen und dasselbe als diesem angemessen oder nicht -angemessen erkennen. Die Angemessenheit oder Nichtangemessenheit zu diesem Gesetz! !bleibt aber dieselbe, ob die That frei oder nothwendig ist. Durch das Bewußtseindes Gesetzes einerseits und das der Unangemessenheit zu demselben andererseits wirdsofort der Trieb angeregt, über diese Unangeinessenheit hinauszudringen zu Erfüllung ^der sittlichen Forderung. Ueberhaupt sind alle die Gefühle und Urtheile, welche das ^Handeln begleiten und ihm folgen, nach der Anschauung des Determinismus ebenso ^viele von Gott geordnete Triebfedern, durch welche der Mensch dazu bewegt werden