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Freiheit des menschlichen Willens.
j Bestimmtheit des menschlichen Willens als nothwendige Bedingung einer sittlichen Ent-! Wicklung, und darum auch der Erziehung als der auf die sittliche Entwicklung ab-H zielenden Thätigkcit postnlirt werden. So wenig dies, daß wir vielmehr umgekehrt» sagen mäßen, daß durch die deterministische Grundvoraussetzung das Wesen und derWerth der Erziehung gefährdet und verletzt werde. Soll die Erziehung nicht durchden freien Willen vermittelt sein, so wird sie in Wahrheit zur Dressur und bloßenGewöhnung, jedenfalls nur zu einer die nothwendige Selbstentfaltung veranlassendenund äußerlich regelnden Einwirkung, damit aber ist der Energie und der Würde deserziehenden Willens, welcher in gleichem Maße sich anspannt, als das Ziel der Er-ziehung ein großes und schweres ist und ein freier Wille zu diesem Ziele geführtwerden muß, der Nerv abgeschnitten; nicht weniger wird aber auch die Würde undEnergie des zu erziehenden Willens herabgedrückt, wenn er nicht als ein seinem Wesennach selbstmächtiges Princip, sondern in Wahrheit nur als der Einheitspunct der zu-sammenwirkenden notwendigen äußern und innern Ursachen in Anspruch genommenwird. Man könnte sich nun dagegen auf das Beispiel solcher Pädagogen berufen, dieaus den angegebenen Gründen deterministisch sein wollen, aber nun doch das Ziel derErziehung so hoch und würdig als möglich stellen, und die Forderung an die Erzieherund Zöglinge nicht um ein Jota herabstimmen wollen, im Vergleich mit denen die ihrePädagogik unter indeterministischen Voraussetzungen aufbauen. Aber was beweist das?Nichts als daß die unüberwindliche Wahrheit sie so ergreift und beherrscht, daß ihrefalschen deterministischen Prämissen nicht aufkommen, vielmehr jene Wahrheit sie zurJnconsequenz zwingt; da findet also kein „weil", sondern ein „obgleich" statt (manvergleiche deterministische Pädagogen wie Schleiermacher, Herbart und andere). Alleindies ist nicht einmal immer der Fall, vielmehr treibt die Consequenz der falschen deter-ministischen Prämissen dazu fort, die Idee der Pädagogik und die ihr zu Grundeliegende Idee des Sittlichen abzuschwächen und zu verfälschen. Man sieht dies an allenSystemen des Pantheismus von Spinoza bis auf diesen Tag, sofern die Einheit desAbsoluten mit sich selbst fordert, die Welt, sofern sie mit dem Absoluten eins ist, alsununterbrochene Kette von Nothwendigkeiten zu denken, mithin alle wahre Freiheit desmenschlichen Willens zu leugnen; man sieht es aber noch mehr an der monistisch seinwollenden Naturwissenschaft, besonders der von Darwins Vorstellung einer stetig fort-schreitenden Entwicklung und Umbildung beherrschten. Alle diese Systeme verwerfendie menschliche Willensfreiheit schlechthin, heben aber auch den Begriff eines Abso-luten gänzlich auf und machen das Sittliche zum Relativen, Veränderlichen, vonäußeren Bedingungen Abhängigen, vom Nützlichen nicht wesentlich Verschiedenen, washier nicht weiter ausgeführt werden kann, daher ich in der Kürze verweise auf die treff-liche Auseinandersetzung Schmid's in seiner Schrift: die Darwinschen Theorien undihre Stellung zur Philosophie, Religion und Moral, Stuttg. 1876 , S. 367 ff. Mitder Idee des Sittlichen leidet aber überall hier der Begriff der Erziehung, welche diehöchsten Ideale des Menschen preisgiebt. Aber bange machen darf und kann allesdas dem Indeterminismus nicht, geschweige daß er sich für überwunden erklären müßte;denn kein pantheistisches System hat sich bis jetzt als probehaltig erwiesen, und ebensowenig ist es der heutigen Naturwissenschaft, der ganz oder halb materialistischen trotzdes Terrorismus, mit dem sie sich geltend macht, gelungen, das Feld zu behaupten.Wir müßen aber nun noch einen Schritt weiter gehen und sagen, daß der Deter-minismus den positiven Thatsachen des unmittelbaren, insbesondere des unmittelbarensittlichen Bewußtseins, welche die Hauptstütze des Indeterminismus bilden und für die, Erziehung von größter Wichtigkeit sind, nicht gerecht wird und werden kann. Dasunmittelbare Bewußtsein setzt bei allem, was der menschliche Wille wirklich thut, vor-aus, daß er es auch nicht thun und daß er auch anders hätte handeln können. DerDeterminismus bestreitet nun freilich, daß dies eine Thatsache des unmittelbaren Be-. wußtseins sei, erklärt es vielmehr für ein nachfolgendes und zwar falsches Urtheil,) daraus entspringend, daß nur der nächste Ausgangspunct des Handelns im Willen ins