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Freiheit des menschlichen Willens.
sterei durch, ohne die Annahme von etwas Uebergreifendem, Schlechthinigem im Willen,welches von dem Komplex aller Ursachen und Determinationen nicht ergriffen wird undwerden kann, sondern sie ergreift und ihnen die Richtung erst gickst, in welcher siewirken sollen? Wenn wir nun aber so mitten in der zeitlichen Entwicklung ein solchesso zu sagen relativ absolutes Princip im Willen voraussetzen, das über alle Bestimmt-heit übergreift und sie beherrscht, so fürchtet der Determinismus: es werde auf dieseArt alle Stetigkeit der sittlichen Entwicklung aufgehoben, insbesondere also auch alleauf die Bildung einer solchen Stetigkeit gerichtete Thätigkeit, alle Erziehung unmöglichgemacht (vgl. darüber insbesondere Romang, Untersuchungen über die menschlicheFreiheit. Bern 1835), im Gegentheil sei nur unter der Voraussetzung einer absolutenBestimmtheit alles menschlichen Thuns, wo Ursache und Wirkung unmittelbar sich ent-sprechen, ein planmäßiges Verfahren der Erziehung, das auf einen Erfolg rechnen könne,denkbar (vgl. den Art. Erziehung II. B. S. 321). Diese Einwendung trifft nicht, sobaldman nur nicht den Begriff der Freiheit mit dem schrankenloser Willkür gleichsetzt; viel-mehr reichen die oben bezeichnten Schranken der Willensfreiheit schon hin, um jenesBedenken des Determinismus zu beseitigen. Weiter aber ist daran zu erinnern, daßder richtig gedachte Begriff der Freiheit keineswegs in sich schließt, daß der menschlicheWille sich ursprünglich ganz gleich zum Bösen wie zum Guten verhält; vielmehrist (vgl. den Art. Erbsünde) der menschliche Wille ursprünglich erschaffen mit einerRichtung auf das Gute hin, so gewiß der Mensch Gottes Ebenbild ist und war, nurdaß er diese Richtung nun selbstthätig ergreifen und affirmiren konnte und auch sollte,wie er auch dieselbe abbrechen und sich zum Bösen wenden konnte, aber nicht sollte.Damit ist eine ursprüngliche Wahlverwandtschaft des Willens mit dem Guten gegeben,an welcher die Erziehung einen wesentlichen Anknüpfungspunct hat. Mag nun auchdiese ursprüngliche Wahlverwandtschaft mit dem Guten durch die eingetretene Machtder Sünde factisch in das Gegentheil umgeschlagen sein, so kann sie doch durch dieWirkung der erlösenden göttlichen Gnade wieder belebt werden und ist dann wiederfür die Erziehung eine Garantie ihres Gelingens, wenn auch selbstverständlich keineabsolute. Ebenso hat die Erziehung am Gewissen, an seiner gebietenden, warnendenund drohenden Stimme ihren Bundesgenossen, welcher die Freiheit zügelt, wenn er sieauch nicht zwingen kann und soll. Wenn so das Gute das ist, worauf das menschlicheWesen ursprünglich angelegt ist und worauf es innerlich und äußerlich hingewiesen uudhingeleitet wird, so wird das allgemeine Gesetz, daß jede Kraft durch Uebung und Ge-wöhnung eine stetige Richtung erzeugt und sie bestärkt, um so gewißer auch in diesemGebiete der sittlichen Entwicklung seine Bestätigung finden; das Gute wird infolgeder Erziehung, Gewöhnung und Uebung mehr und mehr zum Charakter, ja so zusagen zur andern Natur werden; in welchem Sinne und unter welchen Einschränkungen,werden wir unten noch sehen, wenn wir von der Freiheit als materialer im Unter-schied von der formalen und im Verhältnis zu ihr weiter reden werden. Immerhinwird schon nach dem Bisherigen die Furcht als grundlos erscheinen müßen, als obunter Voraussetzung einer wahren Willensfreiheit jeder Zögling in jedem Augenblickedas mühsame Werk der Erziehung wieder zerstören und alle Grundsätze, die ihm em-gepflanzt wurden, wieder auf die Seite werfen könnte. Auf der andern Seite folgtfreilich aus der Annahme einer Willensfreiheit auch die allgemeine Möglichkeit einersolchen, die bisher eingehaltene stetige Richtung plötzlich abbrechenden Bewegung desWillens. Der Indeterminismus ist aber auch so weit entfernt, dies bestreiten zuwollen, daß ihm vielmehr gerade die unleugbare und in sittlicher Hinsicht so wichtigeThatsache einer solchen nicht nur partialen, sondern radikalen und totalen Aenderung,eines solchen unberechenbaren plötzlichen Umschlagens in das Gegentheil sowohl imGuten als im Bösen als ein Beweis der Willensfreiheit gilt, während der Determi-nismus auch diese Thatsache nur als das nothwendige Resultat innerer und äußererVerhältnisse betrachten kann, damit aber auch die sittliche Bedeutung eines solchen Um-schwungs abschwächt. Im Angesichte dieser Thatsachen kann daher nicht eine absolute