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Freiheit des menschlichen Willens.
logische, psychologische, ethische und metaphysische Gründe ins Feld. Schon das all-gemeine Gesetz des zureichenden Grundes soll eine Wahlfreiheit ausschließen, sofern,wenn die Entscheidung nicht absolut grundlos sein soll, doch die Borstellung eines be-stimmten Objectes, das gewollt wird, vorausgehen und auf die Entscheidung des Willensals Motiv einwirken müße. Dem gegenüber giebt der Indeterminismus freilich zu,daß es allerdings keine Willensentschlüsse und Willensacte geben könne ohne voraus-gehende Vorstellungen, weil sonst jene Entschlüsse und Acte des Willens keinen be-stimmten Inhalt hätten, aber er behauptet ebenso entschieden, daß diese Vorstellungendie Entscheidungen des Willens zwar bedingen, aber nicht schlechthin bestimmen. DerIndeterminismus kann nicht sagen wollen: daß der Wille in jedem Augenblicke ansschlechthiniger Bestimmungslosigkeit in Bestimmtheit übergehe, weil jeder Willensacteinen bestimmten sittlichen Zustand des handelnden Subjectes voraussetzt und eine be-stimmte äußere Lage und Stellung, aus welcher die Vorstellung hervorgeht, die zumAntrieb für den Willen wird, aber der Wille kann nun nicht nur, wie der Determi-nismus meint, der einfache Durchgangspunct für jenen Antrieb sein, sondern es findeteine wirkliche Wahl und Entscheidung statt; der Mensch ist sich bewußt bei jeder Ent-scheidung, daß er auch anders hätte entscheiden, daß er jenen bestimmten Grund, welchener wirken ließ, vermöge der innern Selbstmacht des Willens auch hätte zurückmeisenkönnen. Der Wille ist nicht dadurch nur frei, daß er überhaupt etwas will und wollenkann, daß er unter verschiedenen Möglichkeiten entscheidet, sondern daß er sich aussich entscheidet, ja daß er die ganze Unendlichkeit des Willens, in welcher er wesentlichmit Gott, dem unendlichen schöpferischen Willen, verwandt ist, in das hineinlegt, waser wählt (vgl. Weizsäcker, Jahrbücher für deutsche Theologie, I. Band. 1. HeftS. 187). In dieser Selbstmacht des Willens liegt also der Grund, allerdings dernur forinale, nicht materiale Grund der einzelnen Handlung, und es kann daher auchmit Recht nicht behauptet werden, daß der Indeterminismus das Handeln zu etwasabsolut Grundlosem mache, oder wenn dies, so sage man: worin denn die Ichheit, derpersönliche Wille des Menschen bestehen soll, was am klarsten in die Angen springt,wenn man das Thun des Menschen mit dem des Thieres vergleicht. Wenn beimMenschen ebenso wie beim Thiere sein einzelnes Thun nur die nothwendige Folge desZusammentreffens äußerer, anregender Ursachen und der innern Triebe sein soll, warumspricht man dann nicht ebenso von einer That des Thieres wie des Menschen, um somehr als das Thier auch nicht durch physischen Zwang in seinem Thun bestimmt wird,sondern dieses Thun auch durch Vorstellungen vermittelt ist? Antwortet man deter-ministischerseits: durch das begleitende Selbstbewußtsein unterscheide sich das Thun desMenschen von dem des Thieres und werde jenes zu einem Thun im vollen Sinne desWortes, so kann vielmehr gerade schon die Thatsache des Selbstbewusstseins als Beweisder Freiheit des Menschen betrachtet werden; schon darin, daß ich mich als Ich weiß,setze ich mich allem dem, was mich bestimmt, sei es mein eigener Leib oder die Ge-sammtheit der Naturnrsachen, ja auch die letzte und höchste Ursache von allem Creatür-lichen, Gott, entgegen, fixire mich durch diese Reflexion in mich als eine sich mitsich zusammenschließendc selbständige Einheit und beweise darin meine Freiheit. Alleinauch abgesehen davon ist doch mit diesem das Thun des Menschen begleitenden Be-wußtsein und Selbstbewußtsein der Unterschied des menschlichen Thuns von dem desThieres nicht erschöpft. Der unbefangenen Beobachtung muß vielmehr das Thun desMenschen für sich als ein anderes und höher geartetes, als ein nicht nur dem Grade,sondern der Art nach vom thierischen verschiedenes erscheinen. Das menschliche Thungeht, wie auch der Determinismus zuletzt zngeben muß, aus der Selbstbestimmunghervor, diese aber schreibt man dem Thiere im eigentlichen Sinne nicht zu. Aber wasist Selbstbestimmung, wenn nicht ein wirkliches Selbst, eine über alle Bestimmtheitübergreifende Macht des Willens anerkannt wird? und warum sagt man vom Thierenicht, daß es etwas mit Willen thue, in etwas einwillige, und warum vom Menschen,daß er bei dem, was er thut, sich selbst überwinde? Kommen wir hier ohne Sophi-