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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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F6n6lon.

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erfahren hat; allein darüber kann kein Streit sein, daß es für den Zweck, dem es dienensollte, außerordentlich gut berechnet war. Fönolon wollte dem künftigen Könige vonFrankreich zeigen, wie umfassend und schwierig die einst zu lösende Aufgabe sei undwelcher Einsicht und Kraft er bedürfen werde, nur durch die Gefahren seiner Bahn hin-durchzukommen. Darum hat er ihm nun auch das Königthum von allen Seiten dar-gestellt, in glorreicker Entfaltung und in schimpflicher Entartung, in gesicherter Haltungund in bedenklichen Krisen, in: Glanze großer Erfolge und im Jammer schlimmer Ent-täuschungen; er hat erkennen lassen, wodurch ein Volksleben recht gedeiht, wie vieldabei die persönlichen Fehler des Regenten stören und verwirren, wie aber auch wiederWeisheit und Kraft desselben anregend und belebend, ordnend und fördernd, schirmendund versöhnend wirken können; er hat veranschaulicht, wie viel dabei der freien Tätig-keit des Volkes überlassen werden darf, welchen Nachtheil ungeschicktes Eingreifen in diegesunde Lebensbewegung desselben bringt, wie indes Fahrläßigkeit, die den rechtenMoment unbenützt läßt, unwiderbringliche Einbußen verschuldet, und wie jedenfallsdurch weise Gesetze Großes sich gründen und halten läßt. Mit vieler Kunst sind dieverschiedenen Gebiete der menschlichen Thätigkeit in belebten Bildern dem Leser vorAugen gestellt, sind über Landbau, Industrie und Handelsverkehr, Künstthätigkeit, öffent-liche Erziehung, völkerrechtliche Verhältnisse bedeutsame Lehren eingewebt. Zugleich wirddeutlich gemacht, wie bald auch der weiseste König getäuscht, der gerechteste zu Unrechtund Härte verleitet werden kann, wie der Tyrann sich selbst einen Kerker baut undsein Mißtrauen auch rings um ihn Mistrauen weckt, wie ein König für jedes Unrechtschwerer als andere Menschen büßen muß, zuweilen nach gemachten Fehlgriffen derbesseren Einsicht nicht folgen kann, oft unter dem Joche unwürdiger Günstlinge vergeblich»ach Befreiung seufzt, wie gerade die absoluten Herrscher die weniger mächtigen sinduud die Größe der sie umstrahlenden Herrlichkeit der Größe ihrer Verantwortlichkeit beiweitem nicht gleicht. Dazu nun noch eine Fülle ganz allgemeiner Lehren für dasLeben: über Besonnenheit und Ausdauer in der Gefahr, über Versckwiegenheit, überdie Sophistereien der Leidenschaft, über die erlaubten Vergnügungen, über die Unter-ordnung jeder Neigung unter das Gebot der Pflicht re. Es war eine grobe Ver-leimung Fönolons, wenn mau in diesen Schilderungen eine hämische Satire auf Lud-wig XIV. und seine Regierung suchte, und völlig verkehrt ist das Bemühen gewesen,bis in das Einzelne die Beziehungen auf Menschen und Dinge jener Zeit auszuspähen(die erste Ausgabe mit so speciellen Ausdeutungen ist die von H. PH. de Limiers,Amsterdam 1719, nach welcher dann ähnliche auch in Deutschland gemacht sind). Aller-dings aber hatte Fonolon selbst unwillkürlich aus dem, was er gesehen und erlebt hatte,Züge in seine Darstellungen ausgenommen, und da er an eine Veröffentlichung seinesWerkes nicht gedacht, unbedenklicher und entschiedener alles ausgesprochen, was seinempädagogischen Zwecke zu dienen schien. Je größer nun damals in Frankreich und Europadas Misvergnügen Uber Ludwigs Herrschaft war und je seltener bis dahin eine Kritikderselben sich hatte versuchen lassen, desto willkommener war dieses Buch eines so aus-gezeichneten. Mannes, das allen Misstimmungen Recht zu geben und zu kühnerer Beur-teilung aufzumuntern schien. Gewiß hat das Werk auch die Neigung geweckt, ausdem Alterthume, bei welchem man bis dahin vorzugsweise Musterbilder für oratorischeund poetische Darstellungen gesucht hatte, auch politische Ideale abzuleiten, an diesendann die Zustände der Gegenwart zu messen und in der gerade hierdurch gesteigertenUnzufriedenheit die Helden und Lebensordnungen des Alterthums in um so hellereinLichte zu sehen. Die in dieser Beziehung von Fönolon gegebenen Anregungen habensich durch das ganze achtzehnte Jahrhundert fortgesetzt, das ja überhaupt die Alterthums-studien besonders darum festhielt, weil er sie so kräftig empfohlen hatte. Die Ge-schichte des Buchs, der zahlreichen Ausgaben, die dieserFürstenspiegel' erlebte, derUebersetzungen, durch welche auch andere Völker das Buch sich aneigneten, der Nachbil-dungen, die es veranlaßte, würde Gegenstand einer sehr ausgedehnten Darstellungwerden können, wie denn auch eine historische Betrachtung der rein pädagogischen Be-