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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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reale Seite der Alterthumsstudien eher vernachläßigte; als die höchsten Vorzüge derAlten aber bezeichnte er ihre Jugendlichkeit, Naturwahrheit und Simplicität. Ebendarum war ihm Homer so thener, und vielleicht ist er unter den Neueren der Erste,dein die ganze Herrlichkeit homerischer Poesie anfgegangen und Gegenstand eines leben-digen Verständnisses geworden ist. Darum suchte er nun auch seinen fürstlichen Zöglingdadurch, daß er diejenigen Gesänge der Odyssee, welche die Irrfahrten des Helden er-zählen, für ihn in freien: Auszuge übersetzte, in diese Wnnderwelt einzuführen. Wieeng mit diesen Bestrebungen der Telemach Fsnolons zusammenhängt, braucht hier ebennur angedeutet zu werden. Von den römischen Historikern lernte der Prinz nach undnach Cäsar, Livius und Tacitus kennen, und es ist bezeichnend für den Schüler undfür den Lehrer, daß der Elftere besonders an Tacitus sich erfreute, dessen Werke erspäter vollständig übersetzte. (Für das Einzelne hier fast überall Fonolons vialoZuessnr l'olognsllvs zu vergleichen.)

Der historische Unterricht der späteren Jahre war vorzugsweise eine umsichtig ge-leitete Lectüre. Um die Entwicklung der Kirche genauer kennen zu lernen, las der Prinznächst den historischen Büchern der heiligen Schrift ausgewählte Briefe von Cyprian,Ambrosius, Angustin und Hieronymus, Stücke von Prudentius und Paulinus; daranschloß sich die Beschäftigung mit Bossuets Uistoiro ckss variatiovs, woran indes auchdas Lesen des Sleidan sich geschlossen hätte, wenn das Werk dieses protestantischenHistorikers in französischer Uebersetzung zu haben gewesen wäre. Bei der Staaten-geschichte blieb natürlich fortwährend die französische Geschichte für den Prinzen Haupt-sache; aber er las nach und nach auch die Hauptwerke über die Geschichte der Nieder-lande, Deutschlands re. Mit der Lectüre traten mancherlei schriftliche Ausarbeitungen(Auszüge, chronologische Tabellen re.) in Verbindung. Für Realien hatte der Prinzdas lebhafteste Interesse; es ist hieraus zu erklären, daß man mit ihm auch Cato's Buchvom Landbau, Columella, Hcsiods Werke und Tage, Tenophons Oekonomicus las.Merkwürdig erscheint, daß er vom Studium der Physik fern gehalten wurde, weil zubesorgen war, er werde auf diesen Gegenstand mit Leidenschaft sich werfen und dann fürdas Wichtigere keinen Sinn mehr haben.

Die Entwicklung des jugendlichen Fürsten war in der erfreulichsten Weise geför-dert, sein Gemüthsleben zum Tröste für alle, die den launenhaften, unlenksamen Knabengesehen hatten, wie nmgewandelt worden, als Fönolon, durch Bossuets Eifersucht undLeidenschaft in unglückselige Streitigkeiten verwickelt und eines schwärmerischen Quietis-mus angeklagt, das Vertrauen des Königs verlor und Versailles verlassen mußte (August1697). Einer königlichen Weisung gemäß begab er sich nach Cambray, auf dessen erz-bischöflichen Stuhl Ludwigs Dankbarkeit zwei Jahre vorher ihn erhoben hatte. Wirhaben hier weder die Känsirfe, welche die Katastrophe herbeiführten, eingehender zu be-sprechen, noch die segensreiche Wirksamkeit, welche Fcmolon nun als Oberhirt einesweiten Sprengels entfaltete, oder die Hochherzigkeit, mit welcher er den kirchlichen Zwistzu Ende führte, zu schildern. Und auch in Bezug auf den Einfluß, den er nach derTrennung noch auf den geliebten Zögling ausübte, dürfen wir kurz sein. Zunächstschien ihn: freilich jede Möglichkeit dazu abgeschnitten. Im Januar 1698 wurden auchseine Freunde, die Abbos de Beaumont und de Langeron in rauher Weise von: Hofeentfernt, und er selbst schien so tief in Ungnade gefallen zu sein, daß die Hofleute kaumseinen Namen auszusprechen wagten.

Das Erscheinen der ^.vonturss cko lolonmgns, wider seinen Willen erfolgt, ver-schlimmerte dieses Verhältnis. Der Plan zu diesen: Werke war früh entworfen, imwesentlichen wohl auch schon in den Jahren 1693 und 1694 ausgeführt worden; aberdie Arbeit hatte doch mannigfache Unterbrechungen erfahren, und ihre Abrundung undVollendung fällt erst in die Zeit, wo er unmittelbar auf seinen Zögling nicht mehrWirker: konnte und nun um so mehr das Bedürfnis fühlte, wenigstens noch mittelbardie Bildung des Thronerben vollenden zu helfen. Ueber das Werk als Kunstwerk könnendie Ansichten auseinandergeher:, wie es denn gleich anfangs sehr verschiedene Urtheile