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Felbiger.
Volksschulwesens und an den geschichtlichen Ursprung einer namentlich in Oesterreich fürlange Zeit herrschend gewordenen didaktischen Richtung verknüpft ist, weswegen er hiernicht fehlen darf, um so weniger, als seine Wirksamkeit minder gekannt ist und erst inden neueren Bearbeitungen der Geschichte des Volksschulwesens aus dem Helldunkel her-vortritt (vergl. Ersch und Gruber und besonders Heppe, Gesch. des deutschen Volks-schulwesens. Gotha 1858. 1859. I. S. 78 f.).
Wie von den äußeren Lebensumständen, so von der inner« Entwicklung des Mannesist uns wenig mehr als das Oberflächlichste bekannt. Geboren den 6. Januar 1724 zuGroßglogau in Schlesien, von katholischen Eltern, studirt F. später auf der Universität: zu Breslau Theologie und tritt 1746 in das fürstliche Stift 6s.uonioorci.iii roZuIuriuiu
1 Oräiuis 8. ^uAustiui OollArsAskiouis Imtsrsususis Unserer lieben Frauen zu Sagauin Schlesien, wird 1758 Archipresbyter (Erzpriester) des Sagan'schen Kreises und bald! nachher Abt und Prälat daselbst. Als solcher hatte er die Aufsicht über das Kirchen-j und Schulwesen der Stadt und einer Anzahl dazu gehöriger Dörfer auszuüben undj wurde in dieser Stellung bald auf die allgemeinen Zustände des katholischen Volksschul-wesens aufmerksam. Dieses war bis jetzt unter der österreichischen Herrschaft im aller-erbärmlichsten Zustand geblieben. Die katholische Kirche, in deren Händen das Volks-schulwesen lag und insbesondere die Jesuiten, die seit 1550 (Ferdinand I.) in Oester-reich zur Herrschaft gelangt waren, hatten dafür so viel als nichts gethan. Während inden evangelischen Kreisen mit der Reformation auf diesen: Felde eine lebendige Tätig-keit erwacht war und allerdings auch die katholische Kirche in den ersten Jahrzehntennach der Reformation nothgedrungenerweise dem evangelisch-christlichen Neligiousunter-! richt einen römisch-katholischen Unterricht entgegenzusetzen versucht hatte (doch war 1553j der Bischof zu Breslau genöthigt, in seinen städtischen Parochialschulen protestantischeLehrer anzustellen, weil er keine katholischen Lehrer finden konnte), war — namentlichseit der Restauration des Katholicismus mit dem 30jährigen Kriege und der völligenObmacht des Jesuitismus in Oesterreich und insbesondere in Schlesien, eine völligeGleichgültigkeit und Unthätigkeit auf diesem Gebiete eingetreten. Auch die pietistischenBewegungen auf dem Unterrichtsfelde in Deutschland im Anfänge des 18. Jahrhundertswaren bei der Abgeschlossenheit Oesterreichs und des Katholicismus überhaupt vomdeutsch-nationalen Leben bis jetzt ganz spurlos vorübergegangen. Es gab in Schlesienin der Mitte des 18. Jahrhunderts nur wenige, namentlich städtische und zwar nachDisciplin und Methode im ersten Kindheitszustande befindliche Volksparochialschulen. —Da war es der eigentümlich erregte neue Zeitgeist, welcher, nachdem von ihm um dieseZeit immer weitere Kreise des deutschen Lebens ergriffen und die mannigfachsten Stre-bungen im volkstümlichen Sinn erregt worden waren, auch in Schlesien sich geltendmachte. Der Zugang wurde ihm hier durch die politischen Veränderungen, welche derösterreichische Erbfolgekrieg mit sich führte, und den Uebergang Schlesiens unter preußischeHerrschaft (seit dem Dresdner Frieden 1745) gebahnt und erleichtert. Zu seinemOrgan aber wußte er sich nach seiner Stellung und seiner besonder« — uns nichtnäher bekannten — Individualität unfern Felbiger zu machen. (Das Folgende nachder „Nachricht von der Verbesserung der römisch-katholischen Schulen im HerzogthumSchlesien und der Grafschaft Glatz" in Walch, Neueste Neligionsgeschichte II. Lemgo1772 S. 214 f.) Nachdem dieser in dem Drang, die intellectuell traurig verwahr-losten Zustände des Volks zu verbessern, zuerst im Jahr 1761 den localen Versuchgemacht hatte, die katholische Schule in Sagan zu heben, derselbe aber an der Untüchtig-keit der Lehrer gescheitert war (die Katholiken selbst zogen es theilweise vor, ihre Kinderin die evangelische Schule zu senden), begann er zur Begründung umfassender undgründlicher Reformen seine Aufmerksamkeit auf die gerade damals im weiteren preußischenVaterland sich regenden Bewegungen in dem Gebiet des Unterrichts zu richten. Vorallem zogen die regelmäßig erscheinenden „Nachrichten von der Berlin'schen Realschule"seine Augen auf diese in merkwürdiger Weise aus dem Halle'schen Pietismus hervor-gegangene, durch Cons.-Rath Hecker (vergl. den Art.k im Jahre 1739 gegründete und