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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Felbiger.

Familie, Familiengeist, Familiensinn.

ganz andern Verkehr mit ihnen stehen, als in dem der Familie. Anfangs vermissen siediese letztere, aber sie gewöhnen sich an dieses Entbehren und verlieren so leicht denSinn dafür. Deshalb ist es von größtem Werth, daß solche junge Leute, die dies Be-dürfnis haben, Zutritt in Familien finden, wo sie nicht Staatsvisiten zu machen haben,sondern daheim sein dürfen. Ehemals war den Lehrlingen, den Provisoren, Commis,Substituten u. s. w. immer am Familientisch gedeckt; jetzt zahlt man sie aus und schicktsie ins Wirthshaus, um nicht genirt zu sein; damit legt man den Grund zu jenerGesinnung, die das Haus als einen Kerker, die Schenke als rechte Heimat betrachtet.

8) Wir haben oben gesagt, das Familienleben müße ein nach außen relativ ab-geschlossenes sein. In dieser Beziehung ist noch ein Moment besonders zu erwähnen,das nicht wie mehrere andere vorhin besprochene nur unter gewitzen ökonomischen undsocialen Voraussetzungen Statt finden kann, sondern jeder Familie, sei sie bürgerlich oderadelig, habe sie einen Familiensitz oder wohne sie zur Miete, durchaus möglich, zurPflanzung des Familiensinnes durchaus nothwendig ist: daß nämlich die innern An-gelegenheiten des Hauses auch innere bleiben. Giebt es in einer ehrenhaften Familiez. B. ein Zerwürfnis, so wird das iutra xariotss ausgeglichen; hat eine ehrenhafteFrau über den Mann oder er über sie zu klagen, so läuft man nicht zu Nachbarn undGevattern, zu Pontius und Pilatus, sondern trägt sein Leiden in der Stille. Das istnicht Heuchelei, wofür es eine Art frommer Schwatzhaftigkeit hält, die ihre innerstenHerzensangelegenheiten, ihre Führungen und Erfahrungen alle an die große Glocke hängt;sondern es ist der ehrenhafte Sinn, dem die Ehre des Familiennamens höher steht, alsdie Satisfaction, die das eigne Ich in Publicationen jener Gattung findet. Und hierannun müßen auch die Kinder früh gewöhnt werden. Wie es unter ihnen selber alsSchande gilt, aus der Schule zu schwatzen, so soll es ihnen auch als etwas ganz nieder-trächtiges vorgestellt und verwiesen werden, wenn ein Geschwister vom andern etwasaussagt, das diesem zur Unehre gereicht (z. B. eine empfangene Züchtigung). Ueberhauptsoll und das ist besonders den Plaudertaschen unter den Mädchen immer wieder cin-zuschärfen von dein, was im Hause vorgeht, nirgends gesprochen werden; wer dasthut, der begeht das Unrecht, daß er sich als Individuum von der Gemeinschaft, in derer doch leiblich und geistig wurzelt, losreißt, sich als Individuum auf ihre Kosten geltendmacht; das heißt eben den Familiensinn verleugnen. Und da es von Kindern, ohneeigentlich Arges zu wollen, in Gedankenlosigkeit und Leichtsinn geschieht, so muß die Zuchtdem steuern und dadurch dem Kind über seine eigne Ehre, die eins ist mit der gemein-samen, die Augen öffnen. Die Kehrseite dieser Abgeschlossenheit nach außen ist die,daß nach innen alles offen, alles gemeinsam ist. Keines der Kinder soll Verbindungenhaben und Wege gehen, die dem Hause ein Geheimnis sind; wo das der Fall ist, drohe»große Gefahren. In wie weit freilich jedes einzelne Kind alles, was ihm begegnet, waSes erfährt, womit es sich innerlich beschäftigt, auch im Familienkreise mittheilen kannund soll, darüber giebt es keine gemeine Regel, weil dies ebenso von dem Grade derindividuellen Mittheilsamkeit als von der Empfänglichkeit, dem Entgegenkommen der an-dern abhängt. Am leichtesten wird solche Mittheilung dann eintreten und zum Be-dürfnis, zur Lebensgewohnheit werden, wenn die Familie sehr klein ist; ein schönes Bildsolchen Verkehrs zwischen einer einzigen Tochter und der Mutter, da jene alles, was sieirgend im Herzen trägt und bewegt, mit der Mutter durchspricht und es dann ersteigentlich als ihr geistiges Besitzthum ansieht, nachdem sie es der Mutter gesagt undderen Meinung vernommen hat, ist gezeichnet in der Schrift: Emmy Herbert, v. E.Sewell, eingeleitet von G. H. v. Schubert. 2. Ausl. Stnttg. 1858. Palmer t.Familienerzichliug und Jlistitutserziehung, s. Jnstitutserziehung.

Familieiimiterbriligimg, s. Waisenhäuser.

Fassungskraft, s. Erkenntnisvermögen.

Fehler, s. das Böse.

Felbiger, Johann Ignaz von, so lautet der Name eines Schulmanns,mit dem das Andenken an eine eigenthümliche Phase der Entwicklung des deutsche»