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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Familie, Familicngeist, Familiensinn.

macht- Doch darf in dieser wie in andern Beziehungen nicht vergessen werden, daßder Conservatismus unsrer Vorväter unter den einmal vorhandenen und nicht zu um-gehenden Verhältnissen einer Modification unterliegen muß. Als die Stände noch vielmehr kastenartig geschieden waren, als der Sohn, namentlich der älteste, regelmäßig demBeruf des Vaters folgte oder die Tochter einen Zunftvcrwandten heirathete: da konntedie Familiensitte, es konnte das seit Generationen fortgeerbte Hans u. s. w. beibehaltenwerben. Jetzt wo die Stände ganz anders sich durchkreuzen, fängt auch jeder, der einHaus gründet, eigentlich wieder von vorn an. Bei der in der Weise unsres Staats-dienstes liegenden Mobilität ist es für den Beamten schwer, mit der Familie irgendwoso anzuwachsen, daß das Familienbewußtsein solch einen reellen Halt an einer Localitäthätte. Dem Mann und der Frau wird der Ort ihres ersten Aufenthalts, das Haus,in das sie von der Hochzeit her eingezogen sind und das erste Eheglück genossen, viel-leicht auch das erste elterliche Leid getragen haben, lebenslänglich theuer bleiben undauch die später gebornen Kinder werden leicht dafür ein entsprechendes besonderes In-teresse gewinnen; aber in dein Umfang, wie Riehl sich die Consistenz des Familienbesitzesunter obigem Gesicktspuncte denkt, ist dieselbe nur bei adeligen Familien und bei derreichen Bauerschaft (dem echten Bauernadel) möglich. Unsere Zeit die Zeit derKirchentage, der Gelehrtenversammlungen u. s. w. bietet dafür ein andres, vonweitverzweigten Familien öfters angewendetes Mittel, das freilich nur für die Lebendenvorhanden ist, jedoch, recht gebraucht, auch das Gedächtnis der Todten wach erhaltenHilst, nämlich Versammlungen aller Familienglieder nach bestimmten oder beliebigen Zeit-abschnitten. Ist die Leitung solch eines Familiencongresses in guter Hand, sind beimFestmahl die geistigen Elemente, Rede, Poesie, Gesang gehörig vertreten, so können solcheTage, vorausgesetzt, daß sie nicht zu oft wiederholt werden, für das Leben der Familie,für das Einwachsen der neueingetretenen Mitglieder und der in ihrem Umkreise gebornenKinder, von großem Segen werden.

ä) In manchen Familien ist es traditionell, dem ältesten Sohn immer denselbenTaufnamen zu geben, überhaupt eine gewisse Stetigkeit in der Namengebung zu beob-achten, wie dies in fürstlichen Häusern Sitte ist. Wir wollten diesen Punct hier nichtübergehen, bekennen aber, darauf nicht gerade bedeutendes Gewicht zu legen, da dasgleichzeitige Vorkommen derselben Namen bei mehreren Familiengliedern auch sein Un-bequemes und Misverständliches hat. Immerhin kann, wie der Taufname überhaupt, sos derselbe als Name eines trefflichen Vaters, Großvaters u. s. w. dem Kinde mit zu einem^ Sporn dienen, sich dieses geehrten Namens würdig zu zeigen.

e) Eine edle Frucht alten Familiensinnes haben wir in der Menge von Stiftungenzu genießen, die für alle möglichen Zwecke, namentlich für Studien und für die Armutgemacht sind; heute noch, zumal da die Behörden jetzt wieder gewissenhafter daraufsehen, daß die Verwaltung im Sinne des Stifters geschieht, wird sich der echte Familien-geist in solchen Handlungen äußern, gegenüber dem auch in mittleren und höheren Kreisennicht seltenen Proletariersinn, der, wie man für sich selber keine Zukunft, keine Ewigkeithofft und fürchtet, so auch an kommende Geschlechter zu denken und sich deshalb etwaszu entziehen für altväterische Thorheit hält. Leid thut es uns andrerseits freilich eben-sosehr, wenn z. B. von Studirenden oft reichliche Stipendien eingestrichen werden, ohnedaß der Empfänger auch nur eine Anwandlung von Dankbarkeit gegen den Stifterempfände; daher denn auch die frivole Verwendung solcher Gaben uns weniger wundert.Wer wer vom Elternhause her gewöhnt worden ist, alles derartige, wie unter dem all-gemeinen Gesichtspuncte der Dankespflicht, so speciell unter dem der Familienpictät auf-zufaßen, der wird auch als Jüngling solch eine Gabe mit dem rechten Sinn empfangen;das Edle solch einer auf Jahrhunderte hinausreichenden Familiensorge wird ihm fühlbarund in ihm wirksam sein.

k) Manche jungen Leute bringen Familiensinn aus der Heimat mit, aber auf demOhmnasium, auf der Universität sehen sie sich unter lauter Fremde hineingestellt, die,wenn sie ihnen auch nahe kommen als Lehrer, als Commilitonen, doch eben in einem