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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Familie, Familicngcist, Familiensinn.

steht dem Vater ganz ebenso gut an wie der Mutter; es ist sogar wichtig, daß sie sichin dies Geschäft theilen. Mit dem Vater, mit beiden Eltern einen Spaziergang, einenBesuch zu machen, muß dem Kinde stets als eine Erlaubnis, als Freude und Ehre er-scheinen; aber eben darum muß es auch nicht an den Anspruch gewöhnt werden, als obkeines von beiden solch einen Gang thun dürfte, ohne es mitzunehmen. So muß es auchohne Gelüste zuschen können, wenn Vater oder Mutter bei Tisch etwas genießen, wasihnen rcservirt bleibt. Ob die Eltern auch den ersten Unterricht geben, hängt ganz vonihrer Befähigung und den Umständen ab (vgl. den Art. Erzieher S. 301 ). Die Mutterkann wohl einige Elemente selbst vornehmen; der Vater kann den Sohn sogar bis zurExamenstüchtigkeit bringen: aber eine Forderung irgend welcher Art darf diesfalls nichtan die Familie gestellt werden, weil die Lehrhaftigkeit nicht nothwendig da auch vorhandenist, wo man im übrigen gut zu erziehen versteht. Was sich im Umgänge mit dem Kindeohne die Form eigentlichen Unterrichts ihm beibringen läßt, z. B. durch Erzählen biblischerGeschichten, Vorsagen von Sprüchen, Vorsingen von Liedern, das freilich gehört demHause; ebenso muß das Kind sehen, daß inan sich im Hause für alles interessirt, wasihm in der Schule vorkommt, indem man sich von ihm berichten und vorweisen läßt,was es gelernt, indem man sich mit ihm, nach Maßgabe der eignen Sachkenntnis, dar-über unterhält; aber zum eigentlichen Unterrichten qualificiren sich selbst lehrfähigeVater ihren eignen Kindern gegenüber häufig darum nicht, weil sie hier viel ungedul-diger sind als bei fremden Kindern; von ihren eigenen Sprößlingen erwarten sie mehrund können sie weniger ertragen. Die Ausübung der Disciplin hat keines der Elternfür sich als alleiniges Recht in Anspruch zu nehmen und ebensowenig als etwas lästigesdem andern aufzuladen; sie ist gemeinsame Pflicht, so daß immer dasjenige von beiden,in dessen Gegenwart ein Vergehen begangen wird oder dessen Departement dasselbe be-rührt, auch die Züchtigung ertheilt, wofern aber beide anwesend wären, der Vater die-selbe vollzieht. Weiter aber muß die Familie, um ihre erziehende Wirksamkeit aus-üben zu können, ein wirkliches Leben als Familie, als Gemeinschaft führen, so daß allesich als zusammengehörig wissen und jedes Glück als ein gemeinsames genossen, jedes Leidals ein geineinsames getragen wird. Dazu ist aber am nöthigsten, daß von den Elternselber keines seine Unterhaltung, sein Vergnügen mehr außer dem Hause als im Hausesucht. Ein Mann, der vom Comptoir oder von der Kanzlei heimkehrend nur eilt, umins Kaffeehaus oder in seinen Club zu kommen, eine Frau, der es zu Hause immerlangweiliger oder verdrießlicher ist, als in ihren Cirkeln diese zerstören von Grundaus den Segen der Familie für sich und die Ihrigen. Es müßen auch im geschäfts-vollsten Hause täglich solche Zeiten festgesetzt sein, wo Vater und Mutter einanderund den Kindern gehören. Ein Mann, dessen Beruf es ist, den Tag über viel zu reden,wird nicht immer aufgelegt sein, die Unterhaltung in der Familie selbst zu führen;aber schon daß er da ist, daß die Kinder in seiner Gegenwart spielen oder arbeiten,und daß dies Regel ist, sein Fernesein aber Ausnahme, ist ein wichtiges Band desFamilienlebens. Wo vollends in einem Hause jedes frühstückt oder zu Abend ißt, wannund was ihm beliebt, da fällt, was zusammengehört, vollends auseinander; das ist jader schöne, ethische Sinn des gemeinsamen Essens, daß dieses Materielle den äußernVereinigungspunct bildet für die berufsmäßig zerstreuten Glieder, und so das physischNothwendige zu einem stets wiederkehrenden Mittel wird, das Gefühl des Zusammen-gehörens frisch zu erhalten. Was der Vater mit seiner Arbeit erworben, die Mutterin der Küche bereitet hat, wird gemeinsam unter Danksagung gegen Gott genossen; wiedieses Bewußtsein, wie die Liebe das Mahl würzt, so thut die leibliche Erquickung auchdem Sorgenvollen das Herz wieder auf; auch ein zahlreich besetzter Familientisch erregtnicht die ängstliche Frage: was werden wir essen, was werden wir trinken? sondern daserhebende Gefühl, das Psalm 128, 3 ausspricht. Welche Bedeutung in dieser Hinsichtder Hausandacht zukommt, sei bloß angedeutet unter Verweisung auf den Art. Haus-Mttesdienst; ebenso vergleiche man, was die Abendmahlsfeier anbelangt, den Art. Con-firmation und Abendmahl Bd. I. S. 1009 . Sehr lieblich ist der obige Punct veranschau-

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