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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Familie, Familiengeist, Familiensinn.

Falschheit, s. Wahrhaftigkeit.

Familie, Familiengeist, Familiensinn. Wie sehr man in unfern Tagen das Voll-gewicht dieser Begriffe erkennt, beweisen nicht nur die Lehrsysteme der Ethiker, die inganz anderer Weise als früher die Familie als Basis und Heimat der Sittlichkeit(nicht bloß als eines der Objecte, gegen die man Pflichten habe) behandeln (vgl. diein dem Art. Ethik genannten Werke von Chalybäus, Fichte, Wirth, Gelzer,Rothe, Harleß rc.), sondern verschiedene der Beleuchtung des Familienlebens speciellgewidmete Schriften, worunter die von W. H. RiehlDie Familie" (Stnttg. 1855,zugleich dritter Band seinerNaturgeschichte des Volkes") und die von H. W. I. Thierschlieber christliches Familienleben" (3. Ausl. Franks. 1857), jene vom culturgeschichtlichen,diese vom christlich-religiösen Standpunct aus, den jedoch auch Riehl einhält, nur infreierer, nationaler und politischer Weise als sehr werthvoll hervorragen. Daß wirüber Familienleben mehr denken, reden und schreiben, kann freilich wie dasselbeSymptom auch in andern Fällen und Gebieten anzusehen ist als ein Zeichen davongedeutet werden, daß uns die Sache selber abhanden gekommen ist. Unsre Ahnen redetennicht viel davon, reflectirten nicht darüber, weil sie darin lebten; uns aber hat die nichts-würdige Nachäffung französischer Unsitte, bei welcher freilich der alte Adam überall seineRechnung findet, auch dieses, wie so manches andre edle Gut geschmälert. Aber gut istes immerhin, man erwacht aus solcher Schlaffheit und fängt wieder an zu bedenken,was zum Frieden dient. Am nöthigsten ist dies für den Pädagogen; von dem Wahne,den die pädagogischen Weltverbesserer predigten, dem in seiner unpraktischen Ideologieselbst der ältere Fichte huldigte, den selbst Pestalozzi factisch gefördert hat, während erin der Theorie ihn verdammte daß man, um ein besseres Geschlecht zu erziehen,das Kind aus der Familie nehmen und dem Hofmeister oder dein Institut überant-worten müße (s. den Art. Jnstitutserziehnng), ist man glücklicherweise zurückgekommenund hat damit die natürliche Ordnung wieder gefunden, die jene Propheten der Natur-gemäßheit beseitigt hatten. Indem wir deshalb auch hier auf den Gegenstand cinzugehendie Pflicht haben, gedenken wir (da schon der Art. Ehe mehreres Verwandte enthaltenmußte) denselben in der zwiefachen Beziehung zu besprechen, 1) welche Bedeutung dieFamilie und das Familienleben für die Erziehung, also für die gesammte sittlicheBildung hat und welche Forderungen um dieser willen an jenes zu stellen sind; und2) wie im Zögling selbst wieder Familiensinn zu wecken ist, ein Sinn, derals eine specielle Tugend gepflegt werden muß, wenn gleich die unter Ziff. 1 zu for-dernde sittliche Qualität des Familienlebens immer auch von selbst schon nach dieserbesondern Seite hin wirksam ist.

1)Ehe ich über den Jordan gieng, hatte ich nichts als diesen Stab, und nunbin ich zwei Heere geworden" (1 Mos. 32, 10) das ist, wenn auch nach patriar-chalischen Dimensionen, doch die bündigste Definition der Familie; sie ist wie wirmit X. Schmid (Philos. Päd. S. 337) sagen, der explicirte Mensch; das Ich ist ausder Einheit in die Dreiheit Vater, Mutter und Kind auseinandergegangen; aberindem es sich als einzelnes aufgiebt (daher der Egoismus die Ehe scheuen lehrt und beineun Zehntheilen von den freiwilligen Cölibatären ein egoistisches Motiv im Hintergründeliegt), gewinnt es sich erst in höherem Sinne selbst wieder; das Selbstgefühl des Haus-vaters, das Bewußtsein seiner Bedeutung ist ein ganz andres, unendlich höheres als dasdes Hagestolzen. Er weiß, wozu er da ist, für wen er arbeitet; selbst das Sammelneines Vermögens, wenn es in der richtigen Unterordnung unter die höhern und höchstenInteressen bleibt, verliert den egoistischen, materiellen Charakter, es wird Liebesdienst und

veröffentlicht unter dem Titel: Johannes Falk. Erinnerungsblätter aus Briefen und Tagebücherngesammelt von dessen Tochter R. F. Weimar, Böhlau 1868 142 Seiten, welche reich sind anden werthvollsten Mittheilungen, besonders aus dem TagebuchMein Leben vor Gott". Aus die-sem höchst lesenswerthen Schriftchen hat der Unter;, den ursprünglichen Artikel hie und da berich-tigt und erörtert. Schmid.

Vidag. EncykwpSdie. II. L. Aufl. 26