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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Falk.

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bändigen, jsondern noch in der höhern Absicht, durch den idealen Sinn eines freudigenSchaffens den Sinn der Zerstörung, welcher der Roheit und Verwilderung inne-wohnt, zu überwinden. Er konnte in dem Jahresbericht von 1825 darauf Hinweisen,wiedurch die Hände verlorener Knaben ein Haus und zwar eins vom größten Um-fange bereits zur Hälfte vollendet, unter Anführung eines alten Zimmermanns undeines verständigen Maurers Dinge geleistet seien, die man sonst nur von Männern zuerwarten sich berechtigt fühlte; wie eine größentheils dem Vagabundenleben verfallenei Jugend, die weit eher den Fall der Städte herbeizuführen, als sie im Flor zu erhaltenI bestimmt schien, sich in einer ganz entgegengesetzten wohlthätigen Richtung fortbewegeund sich durch Anlegung einer Bauschule gleichsam auf die Erbauung eines Dorfs, einerStadt, einer Colonie in reiferen Jahren anschicke und vorbereite.'

Aus dem bisher Gesagten dürfte denn auch klar geworden sein, wie der Geist unddie wirkliche Ausführung der Falk'schen Erziehung zum pietistischen Erziehungsprincipsich verhalte, wie es sich z. B. in Halle, allerdings in der Hauptsache erst nach A. H.Francke's Tod entwickelt hat. Dort wie hier war das Evangelium die Hauptkraft wiedas Hauptziel der Erziehung, nicht als Lehre und Bekenntnis bloß, sondern als Lebenund That, als persönliche Wirklichkeit; aber gewiße einseitige und beschränkte Auf-fassungen und Tendenzen, welche jener ältern Zeit anklebten, waren bei Falk überwun-den. Die menschliche Natur wurde von ihm keineswegs mit der Aengstlichkeit betrachtet,welche jene früheren zu großen pädagogischen Misgriffen verleitete. In Halle war dasSpiel nicht zugelaffen und ein Gebiet freier Bewegung für den Knaben wurde garnicht gewährt; es galt nur der Unterschied von schwerem und leichtern Pflichtübungenund diese letzteren sollen zur Erholung dienen. Bei Einführung der körperlichen Arbeitfür die Zöglinge war außer der menschenfreundlichen Rücksicht auf die künftige Sicherungder nothwendigen Lebensbedürfnisse nur noch, und zwar vorzugsweise der Gedanke wirk-sam, durch eine alle Zeit ausfüllende Beschäftigung die Irrwege der Willkür und derSinnlichkeit zu verhüten; jene Idee einer schaffenden THLtigkeit für einen an sich würdigerachteten Zweck, die wir soeben bei Falk hervorgehoben, blieb fern. Die sittliche Er-ziehung, soweit sie nicht unmittelbar von der Religion abhängig gemacht wurde, bestandnur in Beschränkung und Gewöhnung. So war auch das ganze weltliche Gebiet desSchönen in Poesie und Musik ausgeschlossen. Mit Verkennung der Altersstufen undder in ihnen nach göttlichem Gesetz sich vollziehenden natürlichen Entwicklung wurdedas Höchste der Religion schon von dem zartesten Alter erwartet und gefordert, sobaldnur die Religion in Lehre, Beispiel und Uebung dem Kinde nahe gelegt würde; daherdie einseitige Anwendung der speciell religiösen Erziehungsmittel und das Uebermaß derReligionsübungen. Irren wir nicht, so liegen in diesen Beschränkungen der Ansichtund des Strebend diejenigen Momente, welche heutzutage unter dem Namen Pietismusund pietistische Erziehung im tadelnden Sinn des Wortes zusammgefaßt zu werdenPflegen, und es ist klar, daß auf Falk und seine Pädagogik dieser Name keine Anwen-dung findet. Auch ihm war allerdings die menschliche Natur sündhaft und das Lebenvoll von natürlicher Verderbnis, aber er erkannte daneben auch die Anlage zum Guten, in der menschlichen Natur, mit jeneP Verderben kämpfend und zum Siege fähig mit^ Hälfe der Erziehung Gottes und der Menschen. Diese besseren Kenne verkannte erselbst in den entartetsten Zöglingen nicht.Wenn wir sie nur recht verstehen lernenwollen," sagt er von der jungen männlichen Natur,was könnten wir nicht alles ge-segnetes und gottwohlgefälliges mit ihr ausrichten; aber so verkömmt sie größentheils; hinter unfern trocknen Schulbänken oder im Schmutz der Gefängnisse." Ihm ist daherI die Arbeit der Knaben auch eine Schule schaffender Begeisterung für sie im Sinne jener> Culturkraft, welche das Christenthum seit seiner Einführung in unfern Ländern ent-wickelt hat. Darum gab es keine ängstliche äußere Beschränkung in seiner Anstalt;darum blühte auch der weltliche Gesang und die weltliche Poesie mit ihren unmittelbarsittlichen und gemüthlichen Motiven; darum fand auch das Spiel bei ihm sein Recht;darum vermied er auch das Uebermaß gottesdienstlicher Uebungen und fürchtete das