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Falk.
Hülfe in der Leitung dieser Erziehungsfamilie, auch in der Führung der Correspvn-^ 'denz erwartet werden konnte. Zuverlässigen Zöglingen wurde oft ein jüngerer Klick !mit aufs Quartier gegeben, für dessen Führung sie verantwortlich waren. Außerdemwaren alle Kinder, welche der Verein zur Versorgung aufnahm, zuerst eine zeitlang inFalls Hause, zum Zweck genauerer Beobachtung. So finden wir die beiden Principiender sogenannten Kosterziehung und der eigentlichen Anstaltserziehung, welche nachmalsin zweierlei Stiftungen, in den Erziehungsvereinen (Pastor Bräm in Neukirchen) undden eigentlichen Rettungsanstalten (Düsselthaler Anstalt, Rauhes Haus), allerdings zurFörderung des Zweckes bestimmt auseinandergetreten sind, bei Falk schon deutlich unter-schieden, wenn schon noch in der gleichen Stiftung und unter der gleichen Leitung ver-einigt. Ebenso finden wir schon das Noviziat, und nicht minder in der Heranbildungjener Begabteren die Einrichtung der „Brüderanstalt" im voraus angedeutet. Es sinddies eben die in der Natur der Sache liegenden Einrichtungen, auf welche die von derLiebe durchdrungene Erziehungsweisheit mit Notwendigkeit führen mußte. Durch welcheBedrängnisse Falk bei der Aufgabe, eine bloß auf den Glauben gegründete vielverzweigteAnstalt zu erhalten, besonders in den Theuerungsjahren 1816 und 1817 und untergar vielem häuslichen Kreuz hindurchgeführt und wie wunderbar sein Gebet oft erhörtwurde, ist in der merkwürdigen, von der Tochter verfaßten Lebensbeschreibung nach-zulesen. — Für den Unterricht wurde je nach Umständen auf verschiedene Weise gesorgt;einige der Zöglinge empfiengen ihn in Privatstunden, andere in den Schulanstalten desOrts; für die jungen Handwerker wurde durch eine besondere dem Vereine ungehörigeAnstalt, durch eine Sonntagsschule gesorgt, zu deren Besuch dieselben in contractmäßigerUebereinstimmung mit dem Lehrmeister verpflichtet waren. Diese in Verbindung mit denWerkstätten betrachtete Falk als das eigentliche Fundament des Instituts. Bibellesen.Schreiben, Rechnen und Zeichnen waren die Gegenstände des Unterrichts. Auf gutes,verständnisvolles Lesen wurde besonders gedrungen. Eine dritte Anstalt war für Mädchendie Näh-, Spinn- und Strickschule. Die Anstalt ließ um doppelten Lohn spinnen undrettete so manches vom Bettelstab. Eine vierte, die „Bibelstunden", welche jeden Abendvon Falk selbst für Knaben, die sich dem geistlichen Stande widmen wollten, gehalten >wurden. Hier wurde nicht bloß gelesen und gelernt, sondern auch Musikunterricht er-Dtheilt und namentlich der Choralgesang geübt. M
Ueber die Erziehungsmittel, welche Falk anwendete, ist im Vorigen das Wichtigsteschon angedeutet worden. Seine in religiöser und sittlicher Hinsicht durchgereiste Per-sönlichkeit that die Hauptsache; dazu kam die Gabe volksthümlicher und praktischer Redeund pädagogischer Dialektik, die er in hohem Grade besaß, wovon die Unterredung mitdem kleinen Poppendorfer in dem Jahresbericht und wieder abgedruckt in Falls „Volks-spiegel zur Lehre und Besserung," 1826 , und das von Heinrich Holzschuher indemLutherbüchlein, 1835 , S. 76 ff. mitgetheilte Abendgespräch den Beweis geben. Einebesondere Macht übte auch Musik und Gesang, weltlicher sowohl wie geistlicher, der letz-tere auch zu liturgischer Belebung des Gottesdienstes angewandt; und auch in dieserBeziehung hat Falk nicht unbedeutend angeregt. Wir haben von ihm den „christlichenGlauben" in abwechselnden Gesängen, Erzählungen und Bekenntnissen und das Vater-unser in ähnlicher Weise bearbeitet, welche Stücke in seiner Anstalt eingeübt und aus-geführt wurden. Auch ist sein „Luther und die Reformation in Volksliedern" hier zuerwähnen, wo einfache Erzählung in Versen mit eigentlichen Liedern weckselt (erst nachFalls Tode, ,1830 herausgegeben). Kinderschriften war er feind. — Daß auch Mittelder Strenge, Vermahnung und Strafe angewendet wurden, leidet keinen Zweifel; weich-liche Sentimentalität war nicht seine Sache, und er wird ein Durchgreifen an geeigneterStelle eben so wenig gescheut haben, wie Pestalozzi, mit dessen Wirksamkeit in Stanzseine Art mit den Kindern umzugehen und auf sie einzuwirken die größte Aehnlichkeithat. Neben den andern Erziehungsmitteln nahm die Arbeit eine wichtige Stelle ein;nicht allein, um die Zöglinge zu einer gesicherten Lebensstellung vorzubereiten und derVerarmung einen Damm zu setzen, auch nicht bloß um ihre wilde Kraft physisch zu