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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Falk.

beim Schein der Straßenlaternen las. Der Zwang der häuslichen Erziehung und dieBeschränktheit des aufgenöthigtcn Berufes verleiteten ihn sogar zu einem Fluchtversuch;er gedachte im unbestimmten Drange der Freiheit und abenteuerlicher Thatenlust zurSee in die weite Welt zu gehen und wäre fast Seelenverkäufern in die Hände gefallen,wenn nicht in einer Kirche, in die er trat, bei den Tönen der Orgel Gott ihm dasHerz gerührt hätte, daß er inbrünstig betete und seine Eltern nie heimlich zu verlassengelobte. Er bekam Unterricht in der Musik und durfte mit seinem Lehrer in der katho-lischen Kirche bei großen Messen die zweite Violine spielen. Da fragte ihn ein Pater,ob er nicht Lust hätte, katholisch zu werden? Er aber erwiderte unter strömenden ThrL-nen:Uoversmko xutor, nein! ich bin auf Christum und Calvinum getauft, und gedenkeauch auf diesen Glauben zu sterben." Ein Lehrer, der ihm mit Einwilligung des Va-ters unentgeltlich Unterricht im Englischen ertheilte, zeigte eine überraschende Arbeit vonihm dem ersten Pastor von St. Petri, der nun den alten Falk überredete, seinen Sohnstudiren zu lassen. Dieser arbeitete ans der St. Petrischule und dann auf dem aka-demischen Klostergymnasium mit dem anhaltendsten Fleiße und gab nebenher KindernPrivatunterricht. In seinem 17tcn Jahre entgieng er der Gefahr des Ertrinkens beimSchlittschuhlaufen auf der.Weichsel nur durch die verwegene Hingebung seines jüngerenBruders. Als die Verwandten seine Eltern darüber beglückwünschten, legte ihm eineMuhme, Anna Martens, ein Mitglied der Brüdergemeinde, die Hand aufs Haupt undsprach:Johannes, Gott ist abermals mit dir gewesen, er wird dich nicht verlassennoch versäumen, wenn du ihn nicht verlässest. Denn ich bin dessen gewiß in meinemGeiste, daß dich der Herr zu seinem Dienste erkoren hat." Im Jahre 1791 bezog er,nachdem er 6 Jahre lang die verschiedenen Elasten des Gymnasiums in angestrengterThätigkeit, unter welcher selbst seine Gesundheit litt, durchlaufen hatte, die Universitätzu Halle, wozu ihm die edlen Väter der Stadt die nöthigen Stipendien bewilligten.Als er von ihnen Abschied nahm, sprach einer derselben die bedeutungsvollen Worte zuihm:Du bleibst unser Schuldner. Wenn einst arme Kinder an deine Thüre klopfensollten, so denke, wir sind's, die alten Rathsherren von Danzig, und weise sie nicht ab."

In Halle blieb Falk der Theologie nicht treu. Es war die Zeit des Religions-edicts von Friedrich Wilhelm II-, das die geringste Abweichung vom kirchlichen Lehr-begriff mit Strafen bedrohte. Falk aber stand damals nicht auf dem Standpunct despositiven Glaubens; er war als Schüler von F. A. Wolf von der Herrlichkeit desantiken Lebens ergriffen. Er verließ die Theologie und blieb auch nach der Univer-sitätszeit noch einige Jahre als Privatgelehrter in Halle. Obschon wir in seinenSchriften aus der früheren Zeit nirgends einer Spur von Verachtung der Religionbegegnen, so finden wir doch auch eine Reihe von Jahren hindurch nirgends einen An-klang , der an das religiöse Leben seiner Kindheit erinnerte. Er hatte eine schöne Be-gabung für lyrische Poesie, wenn auch das praktische Interesse das poetische überwog.Doch sind einige Lieder aus der späteren Periode (z. B. »Was kann schöner sein, waskann edler sein, als von Hirten abzustammen" und das sehr bekannte Lied von denchristlichen Festen, dann das LiedNach dem Sturme fahren wir") zum Eigenthumder Schulen und des Volks geworden. Bedeutender erscheint er in der Satire. An-fangs hält sich seine Satire im allgemeinen, bleibt mithin auf dem poetischen Gebiet;nur der satirische Humor und ein gewißer lebhafter Ernst in der Auffassung der Weltsucht zum Ausdruck zu kommen. So in den Satiren:der Mensch,"die Helden,"die Gräber zu Rom" und anderen. Bald aber wird sie schärfer, specieller, persönlicher,der Dichter kämpft gegen bestimmte Richtungen der Zeit und deren Vertreter, auf wissen-schaftlichem, poetischem, ethischem Gebiete, und von dem ruhig gehaltenen satirischenLehrgedichte sehen wir ihn durch die freiere und lebhaftere Bewegung der prosaischenErzählung hindurch übergehen zu dem satirischen Drama, welches durch die Kühnheitund Verwegenheit des persönlichen Angriffs an Aristophanes erinnert. Er greift be-stimmt vorliegende, die Gesellschaft unmittelbar berührende und von derselben zu besei-tigende Misbräuche an, so die in der Verwaltung der Berliner Charitä eingerisscnen