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Ethik.
Gut und Böse festgestellt sein, die ohnehin im Ernste nur vom Materialismus geleugnetwird, der sich eben an diesem Puncte als dasjenige zeigt, was er ist, nämlich nicht einwissenschaftliches System, sondern eine Gesinnung. Jene Definition nun haben die älterenMoralisten, seit überhaupt die Moral unabhängig von christlicher Lehre behandelt wurde,in der Form eines sogenannten Moralprincipes ausgesprochen, d. h. eines obersten Satzes,aus dem alle guten Gesinnungen und Handlungen abgeleitet, an dem alles und jedes,ob es gut oder böse sei, geprüft werden könne. Dahin gehören die Sätze: „Benimmdich immer so, daß du durch keine Handlung der Wahrheit oder dem Wesen der Sache,womit du zu thun hast, widersprichst" (Wollaston, s. über ihn Hartenstein a. a. O.S. 99, und Feuerlein a. a. O. II. S. 42); „durch Beförderung des gemeinschaftlichenWohles befördert jeder sein eignes Wohl; oberster Grundsatz ist also die Einheit vonWohlwollen und Selbstliebe (Shaftesbury); „handle so, wie es dir und der Ge-sellschaft nützlich ist; die Tugend ist die Kunst, richtig zu rechnen, um das größte Ver-gnügen, zu dem aber auch Gerechtigkeit und Uneigennützigkeit gehört, zu gewinnen(Hume); „handle gemeinnützig" (Pufendorf); „thue alles dasjenige, was das Wohlder menschlichen Gesellschaft, wovon du ein Theil bist, befördert" (Leß); „suche die aus-gedehnteste Glückseligkeit zu befördern, weil Gott diese will" (I. D. Michaelis); „thuedas, was dich und andre vollkommen macht — vollkommener aber wird der Mensch nurdadurch, wenn seine Handlungen und sein durch sie bestimmter Gesammtzustand untersich selbst und mit dem Wesen und der Natur des Menschen übereinstimmt" (Ehr.Wolf; theologisch acceptirt und durchgeführt worden ist dieses Princip von Rein-hard); „thue alles, was dazu erforderlich ist, um in der Union mit Gott zu bleibenund in der Wiederherstellung des göttlichen Ebenbildes fortzuschreiten; was dem ent-gegen ist, das unterlaß" (Buddeus); „handle so, daß die Maxime deines Willensjederzeit zum Princip einer allgemeinen Gesetzgebung erhoben werden kann" (Kant);„handle vernünftig" (Ammon, der das Kriterium des vernünftigen Handelns ganz nachkantischer Weise näher bestimmt); „strebe nach Freiheit; jedem Ereignis, Trieb oderLeiden gegenüber setze dich als schlechthin Selbständiges; ich bin frei, ist oberster Glau-benssatz, ich soll frei sein, oberstes Gesetz (I. G. Fichte); „handle gemäß dem Gefühlder wahren Menschenwürde, welche die Schrift nennt 1 Kor. II, 7" (de Wette,S. L. I. S. 242). Von diesen Sätzen allen gilt dasselbe, was von ähnlichen sogenanntenPrincipien der Pädagogik zu sagen ist: entweder sind sie rein formell, so daß sie ihrenrealen Inhalt erst anderswoher empfangen müßen, daher sie, je nachdem man sie ver-steht und anwendet, ebensowohl richtig als falsch sein können; oder sie geben nur eineeinzelne Seite des sittlich Guten an, so daß es unmöglich ist, aus ihnen alle ethisckenSätze abzuleiten. Daher hat die Herbart'sche Schule (s. namentlich Hartensteina. a. O. S. 38 f.) von vornherein darauf verzichtet und es für durchaus nicht noth-wendig erklärt, einen einzigen Satz als Princip der Moral an die Spitze zu stellen;sie geht lediglich von der Thatfache des Bewußtseins aus, daß es in Bezug auf dasmenschliche Wollen eine unwillkürliche, sich absolut geltend machende Billigung oder Miß-billigung giebt, die den Werth alles Wollens und zwar nicht der einzelnen Willens-bewegung als einzelner, sondern als Glied eines ganzen Organismus bestimmt; (denn„durch jedes Wollen wird zu irgend einem Theile der Werth der ganzen Person mit-bestimmt" S. 33) und die Ethik ist nun (S. 35) die Wissenschaft von dem absolutenWerthe des Wollens und dem aus ihm hervorgehenden Handeln. Den Maßstab diesesWerthes aber haben wir ebenso ursprünglich in den ethischen Ideen, d. h. in denjenigenMusterbildern, an denen sich, sobald und so oft sie in die Darstellung treten, jenes ab-solute Wohlgefallen äußert. (Daher hängt bei Herbart die Ethik zuallernächst mit derAesthetik zusammen.) Diese Ideen sind theils ursprüngliche: 1) die Idee der innernFreiheit; 2) die Idee des Wohlwollens; 3) die Idee des Rechtes; 4) die Idee derBilligkeit; (einen pädagogischen Reflex dieser Ideen finden wir bei Waitz, wenn ers.Allg. Päd. S. 63 ff.) als Zweck der Erziehung die Bildung zur innern Freiheit, zumWohlwollen, zur Hingebung an die Interessen der Menschheit annimmt;) theils gesell-